Medienlese: Der moderne Schlägertrupp des Web 2.0

Der 1. Mai naht. Und wir sind vorbereitet, müsste man meinen. Zumindest seit uns der Ole als krawallsüchtige Halbwissende bezeichnet hat. Denn wir haben es gewagt, die teilweise Einstellung von Medienlese.com nicht ganz so tragisch zu nehmen, wie „die überwältigende Mehrheit der User„. Mehr noch, wir waren erstaunt, wie konservativ ein der Selbstdefinition nach modernes Web 2.0-Publikum doch auf die Einstellung eines Web 2.o-Formats reagiert. Und mit welch radikalen Methoden eine Interaktive Seite gegen mediale Kritiker vorgeht.

Bisweilen wirkt die Erkenntnis wie ein Hohn. An dieser Web-Reaktion war nichts Modernes, da war keine Aufgeschlossenheit, keine Akzeptant der Realität. Im Gegenteil, letzten Endes reagierte ein kleiner Teil der User wie der harte Kern der Abonnenten des Bundes. Wenn selbst die Macher bereit sind, auf „alte“ Methoden und Nörgeleien einer so-90ies Industrie zurück zu greifen, wie ernst kann man deren Medienkritik sowie deren Forderungen nach neuen Verhältnissen und Flexibilität noch nehmen?

Natürlich bedauern wir es, wenn Menschen ihren Job verlieren. Das machen wir grundsätzlich immer. Deswegen auf Kritik zu verzichten, halten wir allerdings für putinistisch. Nachdem bereits unsere Trackbacks von Medienlese gezielt gelöscht wurden, betraf dies nun auch die Kommentarspalten. Die Kommentare der Betreiber von hosenindosen.com waren zu keinem Zeitpunkt verletzend, hetzend oder diskriminierend. Deswegen verurteilen wir das Vorgehen von Medienlese in den letzten Tage mit aller Schärfe. Glücklicherweise sind wir nicht die Einzigen.

Selbstverständlich kann jede/r Page-BetreiberIn selbst entscheiden, was er/sie tun und lassen will. Nur manchmal hat eine Löschung offenbar System. In einer Diskussion, die hier stattfand und von Sonntagszeitungsredaktor David Bauer mittels Provokation innitiert wurde, ging es um die zunächst sachliche Feststellung, dass der Journalist einen relativ unkritischen, vorhersagbaren Artikel zur Schliessung von Medienlese.com geschrieben hatte. Dieselbe Diskussion fand übrigens auch hier statt. Interessanterweise entwickelte sich die Diskussion in eine Richtung, in der verschiedene User von Bauer wissen wollten, warum er seine geschäftliche Tätigkeit für Medienlese im Artikel mit keinem Wort erwähnt habe. Diese Diskussion wurde, mit Ausnahme von Bauers Replik, mit Hinweis auf Verschwörungstheorien mehr oder weniger zensiert. PR scheint man bei Medienlese offenbar nicht zu mögen. Zumindest nicht, wenn sie die eigenen Mitarbeiter und die Ehemaligen betrifft. Denn in diesem Licht wirkt das fehlende Nachhaken mittels kritischen Fragen im Falle Peter Hogenkamps doch etwas unglücklich. Das wird jeder MAZ-Dozent bestätigen.

Die letzten Worte überlassen wir fairerweise einer von Medienlese.com zensierten Userin, deren Auffassung wir in diesem Fall zu 100% teilen.

Ich werd ja sehr selten rausgeschmissen mit meinem Kommentar, aber diesmal bin ich echt sauer. Mit so einem fast schon ehrenrührigen Kommentar (Verschwörungstheorie wattn S..) rausgegickt zu werden… Im übrigen ist es allerdings problematisch wenn ein Journalist seine Interessen nicht offenlegt – jede Journalistenschule, erste Woche, hätte sowas einem um die Ohren gehauen…

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40 Antworten zu “Medienlese: Der moderne Schlägertrupp des Web 2.0

  1. Pingback: 1x Panik a la 20 Minuten bitte « Hose&Dose

  2. Pingback: «5 nach 12» - Irak, Medienlese, Bossi, Zensursula « Journalistenschredder

  3. Ach je. Mit den krawallsüchtigen Halbwissenden seid Ihr nun wirklich nicht gemeint gewesen, und Eure Trackbacks wurden auch nicht „gezielt gelöscht“, sondern sind vom fleißigen Spam-Plugin zurückgehalten worden – ich habe den ein oder anderen Trackback, auch von Euch, gestern abend freigeschaltet, wenn ich auch nicht ausschließen mag, einen beim Querlesen übersehen und mit dem restlichen Spam gelöscht zu haben.

  4. Dose E.S.K

    Lustig. Dabei habe ich noch explizit im Kommentar nachgefragt ob wir gemeint waren. Die Antwort kannst du gerne selbst nachlesen. Vielleicht wäre es von Nutzen gewesen, wenn Klaus Jarchow statt sich nur über uns lustig zu machen, die Frage geklärt hätte.

  5. hoselose

    da strapzierst du deine glaubwürdigkeit aber doch arg (klarnamen hin oder her). zuerst auf medienlese in willkürlicher manier kommentare löschen, neuinterpretieren und kritik beschönigen und dann hier einen auf „och, wir haben ein fliessiges spam-plugin und vielleicht habe ich auch etwas übersehen“ machen. im alltag nennt man solche leute dreist, bei journalisten ist das aber einfach nur unprofessionell.

  6. » Dose E.S.K
    „Dabei habe ich noch explizit im Kommentar nachgefragt ob wir gemeint waren.“

    Ja, und? War die Antwort etwa „Ja“? Eben.

    » hoselose
    Wie gesagt: Ich habe u.a. von Euch Trackbacks freigeschaltet. Seine Glaubwürdigkeit strapaziert eher derjenige, der einfach mal aus einer theoretischen Möglichkeit eine behauptete Tatsache macht („gezielt gelöscht“).

  7. hoselose

    jetzt lügst du auch noch und sprichts von glaubwürdigkeit! gezielt gelöschte, weil kritische, kommentare gab es, ohne dass ein „edit“ oder ein anderer hinweis vorliegt, bspw. von dose (1x), von matthias (mind. 1x) und von mir (1x). darüberhinaus wurden je ein kommentar von matthias und von mara in eurem neusprech als „verschwörungstheorien“ mit dem verweis „edit“ gelöscht. wer wissen will, was da drin stand, kann das bei matthias nachlesen. dass es sich ganz sicher nicht um einen spamfilter oder ein versehen handeln kann, war daran ersichtlich, dass die kommentare immer jeweils für kurze zeit online waren und dann plötzlich verschwanden.

  8. » hoselose: Da oben steht „Nachdem bereits unsere Trackbacks von Medienlese gezielt gelöscht wurden“. Ich sagte: „Eure Trackbacks wurden auch nicht “gezielt gelöscht”, sondern sind vom fleißigen Spam-Plugin zurückgehalten worden“. Den Unterschied zwischen Trackbacks und Kommentaren möchte ich jetzt eigentlich nicht erklären müssen. Und ja, wir editieren und löschen manchmal (äußerst selten) Kommentare, wenn wir der Meinung sind, dass sie vor allem ‚trollig‘ (das ist etwas anderes als „kritisch“) sind.

  9. Dose E.S.K

    @Florian: Jetzt machst du dich schon wieder über uns lustig.

    Wir haben diesen Artikel nicht geschrieben, weil wir uns damit für die Clownschule bewerben wollten. Wenn du mir nicht ernsthaft antworten kannst oder willst, dann lass es doch einfach und geh weiter Spamfilter beackern.

  10. hoselose

    schönen dank auch, dass du mir den unterschied zwischen comment und trackback erklären darfst. dieses internetz mit seinen vielen röhren ist halt schon kompliziert. dann erkläre ich dir jetzt den unterschied zwischen trollig und kritisch. trollig war die medienleseanderswo/turi2 aktion bei euch und wurde von euch auch zurecht unterbunden. kritisch waren die kommentare von matthias und mara, die man zum glück hier immer noch nachlesen kann. mein kommentar bestand nur aus dem hinweis, dass neue leser die diskussion auf eurer seite gar nicht mehr nachvollziehen können, weil so viel gelöscht und editiert wurde. es nimmt dir einfach niemand ab, dass du das ernsthaft als trollig bezeichnen willst und deshalb gelöscht hast. wir mögen zwar clowns sein, aber nur kleinkinder schliessen die augen und meinen sie seien unsichtbar.

  11. @ Steglich

    Danke für die Erleuterung – und für eine erneute Verleumdung.
    Also war mein Kommentar nicht nur Verschwörerisch sondern dazu auch noch trollig? Wo sind wir hier.
    Per mail habe ich höflicherweise nachgefragt warum den mein Kommentar gelöscht wurde, eine Antwort habe ich leider bis heute nicht. Von trollig kann keine Rede sehr, wer sich ein klein wenig Mühe macht, kann ohne weiteres meinen Realnamen rausfinden – von daher stehe ich ohne weiteres zu allen meinen Aussagen.

    Ich wiederhole das Trollige-Verschwörerische sehr gerne: ich halte es gerade in der kleinen Schweiz für sehr wichtig, dass journalistisch Transparent gearbeitet wird, – gerade weil die Kreise eng und gut vernetzt sind.

  12. » hoselose:
    „mein kommentar bestand nur aus dem hinweis, dass neue leser die diskussion auf eurer seite gar nicht mehr nachvollziehen können, weil so viel gelöscht und editiert wurde.“

    Den habe ich nicht gesehen, wenn das so war und Du es auch nur so oder so ähnlich formuliert hast, dann war das Löschen in diesem Fall nicht angebracht, das gebe ich gerne zu. In den anderen Fällen werden wir uns allerdings nicht einig werden, das ist nun mal eine Meinungsfrage. Damit können wir die Diskussion beenden, denke ich. Ich bin raus.

  13. hoselose

    wenn man sich soweit ins abseits manövriert hat, bleibt einem kaum etwas anderes als die diskussion für beendet zu erklären. soviel zum thema, dass klarnamen für anstand und (intellektuelle) redlichkeit den anderen und sich selbst gegenüber bürgen würden. ich kann mich des eindrucks nicht erwehren, dass sich die medienlese prinzipiell schwer damit tut, dass das web 2.0 kein einwegmedium mehr ist und von den akteuren mehr verlangt als das eigenmächtige produzieren von ideologie. wenn der eindimensionale charakter aus der alten welt, für die neue nicht mehr wirklich taugt, dann schlägt die überforderung schnell in kurzschlusshandlungen um, die man im nachhinen auch noch zu verteidigen versucht. zur not auch mit allen hässlichen mitteln, die einem zur verfügung stehen. anomische zustände nennt man sowas im fachjargon und der mobhafte schlägertrupp ist eines seiner symptome.

  14. Aus der Sicht eines unabhängigen Beobachters haben die Medienlese-Redaktoren einen schlechten Eindruck hinterlassen.

    Zensur bewirkt meistens das Gegenteil des Beabsichtigten.

  15. leute, nehmt euch nicht so wichtig, ihr seid wirklich nicht gemeint mit dem halbwissen. aber wenn ihr euch angesprochen fühlt …

    dass ihr an unserer integrität herumkrittelt, weil wir nicht unter jeden text schreiben, wo wir vor drei jahren mit wem essen waren und in welchem laden wir neulich unsere socken gekauft haben, sei euch unbenommen. aber dafür müssen wir euch kein forum bieten. inhaltlich dürft ihr gerne mitreden und kritisieren –

    es passt übrigens ganz gut ins bild, dass hier in den kommentaren das wort „zensur“ benutzt wird. ja geht’s noch?

  16. @ole

    Ich würde doch eine klare Unterscheidung treffen zwischen ehemaligen Brötchengeber…und meinem Bäcker. – Banalisierung hin oder her, wenn ich hoffen kann von jemandem noch einmal einen Auftrag erteilt zu bekommen, gehe ich anders mit meiner Kritik um als wenn ich mich völlig unabhängig fühle.
    By the way schadet Banalisierung viel mehr der eigenen Integrität als Schweigen..;-)..(Belehrungsmodus aus)

  17. Dose E.S.K

    Ja dann.
    Eigentlich haste recht. Wir sollten dieses Blog schliessen. Es ist ja egal, welcher Journalist mit wem, was, wie, wo, wann und warum macht.

    Journalisten sind schliesslich auch nur Menschen. Und sie haben ein verbürgtes Recht auf Inkompetenz und Wahrung der Eigentineressen in ihrem Job. Schliesslich machen sie ihn nur des Geldes, des Ruhmes und der Anerkennung wegen. Der Leser hat kein Recht auf Transparenz. Nur auf Information. Ob diese stimmt oder nicht ist irrelevant. Das ist es Ole, was wir putinistisch nennen und du als mangelnde Inhaltskritik bezeichnest.

    Was mich an dieser, wie auch an vielen anderen, ähnlich trolligen Diskussionen erstaunt ist, wie schlecht junge Journalisten mit Kritik umgehen können. Dabei war die obige Kritik an Bauer nicht böse sondern konstruktiv gemeint.

    Es geht hier nicht darum Journalisten zu bashen. Und auch nicht darum zu zeigen, dass Medien böse sind. Manchmal beschleicht mich lediglich das Gefühl, dass wir hier einen Job übernehmen, den der zuständige Ressortleiter aus Unwissen mangels Erfahrung, Zeitmangel oder Desinteresse ignoriert.

    Wir nehmen uns nicht wichtig. Wir sind nicht besser oder schlauer. Wir üben lediglich, was wir seit geraumer Zeit auf den schweizer Redaktionen sehr vermissen. Eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Informationsverhalten und der eigenen Informationshaltung.

  18. @Dose E.S.K.

    Grundsätzlich mag ich dir gar nicht widersprechen. Natürlich ist Transparenz wichtig und natürlich ist Medienkritik in Ordnung.

    Ich bleibe aber dabei, dass meine Verbindung zu Medienlese in der Diskussion von einigen masslos überbewertet wurde. Es wird dabei völlig ausser Acht gelassen, dass es auch diverse andere Gründe gibt, weshalb ein Artikel eine gewisse Grundhaltung haben kann. Langweilig darf man meine Texte ohnehin finden – sofern man sie zuerst gelesen hat.

    Was mich in der Diskussion stört: Diejenigen, die Transparenz kritisieren, sind selber hochgradig intransparent. Du, Dose E.S.K., kritisierst als Journalist/Redaktor in diesem Blog Berufskollegen ohne transparent zu machen, aus welcher Warte und mit welchem Hintergrund du das tust.

  19. hoselose

    @ole: so langsam breitest du hier das ganze instrumentarium der unterlegenenrhetorik aus. abwiegeln, leugnen, verharmlosen, auf begriffen rumreiten und – mara würde wohl zurecht anfügen – verleumden. es bleibt aber eine tatsache, dass ihr bei medienlese kommentare löscht, die euch unangenehm sind und dafür habt ihr keine sinnvolle rechtfertigung. hier lässt sich niemand darüber hinwegtäuschen, dass du nicht dazu stellung nehmen willst, weshalb die kommentare von matthias und mara gelöscht wurden. (diese als trollig zu bezeichnen ist einfach nur unredlich und entlarvend.)
    @david bauer: klar kann es diverse andere gründe geben, weshalb dein artikel eher zahm ausgefallen ist. nenn uns doch welche. wir sind gespannt. (ich vermute, dass es nicht deine absicht war, einen langweiligen text zu schreiben.) ich erwähne aber gerne nochmals, dass dose den inhalt und den ton deines artikels ziemlich zutreffend prognostiziert hat und dies weil er von dem möglichen interessenkonflikt wusste.
    ceterum censeo: wenn ich noch einmal dieses einfältige anonymitätsgebrabbel höre, dann mach ich mir für den alltag eine guy fawkes-maske. argumente sind argumente sind argumente. die ad-hominem-kritik ist bekanntermassen ein fehlschluss, der hauptsächlich dazu benutzt wird, vom thema abzulenken.

  20. Dose E.S.K

    Lieber David *hüstel*

    Ich bin froh, dass sich die plumpe und völlig durchschaubare Forderung des „nenn uns deinen Namen oder wir nehmen dich nicht ernst“ endlich mal weiter entwickelt hat. Denn offensichtlich geht es dir nicht (wie allen anderen) darum, vermeintliche Berufskollegen als Nestbeschmutzer zu enttarnen und anschliessend mundtot zu machen, sondern darum Motive und Absichten der vermeintlichen Berufskollegen aufzuzeigen. Im simpelsten Fall weil du mich für die Konkurrenz hältst (bspw. SoBli oder NZZaS), im besten Fall weil du aus Noblesse Partei für deine, oder wie du glaubst, unsere Berufskollegen ergreifst.

    Was aber, wenn ich in derselben Redaktion sitze wie du? Oder in mehreren? Was wenn ich gar dein Chef bin? Und/oder einer deiner ehemaligen MAZ-Dozenten, der sich hier aus Frust über den Qualitätsverlust der Medien die Wut von der Seele schreibt? Was, wenn ich der Rundschau-VJ bin, ein DRS-Nachrichtenredaktor oder der 20-Minuten Onlinejournalist? Das ist durchaus plausibel. Woher sollte wir sonst wissen, was wir schreiben?

    Natürlich hast du als Absolvent einer universitären Ausbildung längst erkannt um was es geht. Solange du denkst, dass ich dein Berufskollege bin, ist alles bestens. Noch besser wäre lediglich zu glauben, dass ich derjenige bin, mit dem du nichtsahnend auch mal Mittags am selben Tisch sitzt – den du magst und als Kollegen schätzt. Denn nur so fliessen unsere Forderungen und Überlegungen direkt in den Redaktionsalltag ein. Der Fakt, dass du hier mitliest, bestätigt diese Hoffnung.

    Tatsache ist: es gibt in der Schweiz sehr wenig brauchbare Medienblogs. Ugugu, Bugsierer, Bruder Bernhard, wir alle kämpfen auf sehr einsamen Posten. Wir verdienen nichts an unserer Tätigkeit, gerade die mehr oder weniger anonymen unter uns profitieren nicht einmal direkt von ihrer Tätigkeit. An Treffen, Konventen und Veranstaltungen können wir uns nur inkognito zeigen. Und doch machen wir das alles aus reinem Idealismus, aus Liebe zur Sprache und der Freude am Schreiben. Gerade wir hier beschäftigen uns nicht zuletzt auch deswegen mit Medien, weil wir diese Produkte brauchen, schätzen und uns dagegen wehren, dass kurzfristige Motive, Verlagsdenken und Sparmassnahmen uns die Freude nehmen, die uns die Kommunikation tagtäglich bereitet.

    Mit kollegialem Gruß
    Dose.E.S.K aka Tischnachbar

  21. @Dose E.S.K.

    Natürlich geht es mir nicht darum, „vermeintliche Berufskollegen als Nestbeschmutzer zu enttarnen und anschliessend mundtot zu machen“, wenn ich von meinem Gegenüber gerne wissen möchte, wer es ist. Es geht mir um die Möglichkeit, einen Dialog zu führen, um darin u.a. Kritik begegnen zu können. Einen Dialog auf Augenhöhe.

    Das kann ich aber nur, wenn ich mein Gegenüber einschätzen kann. Argumente sind eben nicht einfach Argumente, wie Kollege @hoselose einwirft, sondern Argumente erscheinen je nach Absender in einem ganz anderen Licht. Warum diese Tatsache stets als unerheblich beiseite gewischt wird (natürlich von anonymen Kommentatoren), leuchtet mir wirklich nicht ein.

    Du beweist es mit deinen „Vorschlägen“ zu deiner Identität ja selber vorzüglich. Deine Kritik an mir und meinem Artikel ist komplett verschieden einzuschätzen, wenn du bei der Konkurrenz arbeitest, ein ehemaliger Dozent von mir bist oder gar mein Chef (und damit den Artikel letztlich selber zu verantworten hättest).

    Solange ich dies nicht weiss, ist die Basis für einen echten Dialog nicht geschaffen.

    Warum Medienkritik (in der Schweiz, notabene) nur anonym möglich sein soll (und nur in dieser Form wirklich in den Redaktionsalltag einfliessen kann), ist mir nicht klar. Denn ehrlich: Solltest du tatsächlich ab und an mit mir zu Mittag essen und deine Kritik dann vorbringen, würde ich sie viel ernster nehmen, als wenn ich beim Googeln meines Namens auf irgendeinen Blog stosse und von jemandem, den ich nicht einschätzen kann, dasselbe zu hören bekomme.

    In diesem Sinne bist du herzlich auf ein Bier eingeladen, um mit mir zu diskutieren.

  22. hoselose

    wer wissen will, wie der schweizer filz funktioniert, der hat jetzt mit deinen ausführungen beinahe idealtypisch die dazugehörende einstellung expliziert. das gewicht eines arguments am status der person messen zu wollen, ist die grundlage jeder günstlingswirtschaft. (ich habe nicht unnötig den ad-hominem-artikel verlinkt. es ist schliesslich selten, dass sich alle philosophischen schulen einig sind, ob es sich bei etwas um einen fehlschluss handelt. und es ist die philosophie, von der man die grundlagen des denkens und argumentierens lernen kann.) es ist passend, dass du kritik nur von bekannten personen akzeptieren kannst und die bedeutung von seilschaften und filz nicht sehen willst. das gehört zusammen und die frankfurter nennen sowas autoritären charakter.
    darüber hinaus hast du natürlich die „identitäts-vorschläge“ von dose komplett missverstanden. da man nie wissen kann, woher überall kritik kommen könnte, sollte man sich standards des eigenen verhaltens und argumentierens angewöhnen, die man jedem gegenüber zumuten kann (v.a. erstmal sich selbst). da wären wir aber dann wieder bei der philosophie, einer humanistischen bildung, dem kategorischen imperativ und natürlich der aufklärung. das passt aber alles so schlecht zum alltag von unter verwertungsdruck stehenden journalisten, wie mir scheint.

  23. hoselose, du verdrehst meine Argumentation, um sie weiter kritisieren zu können. Nicht ansatzweise habe ich gesagt, „das gewicht eines arguments am status der person messen zu wollen“.

    Selbstverständlich richte ich mein (journalistisches) Handeln danach, dass ich es gegen alle Seiten mit gutem Gewissen vertreten kann. Wenn konkrete Kritik geäussert wird, möchte ich aber wissen, aus welcher Ecke sie kommt. Mehr verlange ich gar nicht.

    Die Einladung zum Bier steht.

  24. @David Bauer: Ich habe die Kritik zu zwei deiner Artikel, demjenigen über die Medienlese und demjenigen über Information Architects Japan, persönlich und mit Namen angebracht. Das Argument mit der Anonymität zieht also überhaupt nicht.

    Zur Erinnerung: Auf der Medienlese sind zwei Artikel von David Bauer erschienen. Und David Bauer hat im Rahmen des „Rettet die Medienlese!“-Threads einen Artikel in der SZ versprochen. Aus dem Kontext war darauf zu schliessen, dass es ein positiver Artikel sein wurde.

    Mit Oliver Reichenstein von Information Architects Japan (iA) hat David Bauer nicht nur (z.B. auf facts.ch) eng zusammengearbeitet, iA hat auch sowohl das neue facts.ch als auch die Newsnetz-Plattform von Tamedia realisiert. Und ganz offensichtlich sind David Bauer und Oliver Reichenstein auch persönlich befreundet.

    Keine dieser Interessenbindungen wurde offengelegt. Ernst genommen wurde meine Kritik daran gerade eben nicht, im Gegenteil: Da wurde abgewiegelt, lächerlich gemacht, ausgewichen, verharmlost. Das kann jeder feststellen, der die Kommentare von David Bauer hier und in der Medienlese liest.

    Meine Folgerung aus diesen Vorgängen: Offenbar ist bei Tamedia Transparenz kein Thema und es ist völlig normal, Geschäftspartnern und Freunden einen positiven Artikel zu spendieren. Das werde ich mir merken.

    @Florian Steglich: Mein Kommentar wurde von euch gelöscht. Anschliessend habt ihr den für die Besucher nicht mehr einsehbaren Kommentar als „Verschwörungstheorie“ bezeichnet. Das empfinde ich persönlich als zumindest manipulativ. Und jetzt bezeichnest du meinen Kommentar auch noch als „trollig“. Euer Vorgehen ist in meinen Augen verleumderisch. Dass ihr dann noch, so wie heute nachmittag, Kommentare löscht von anderen Personen, die nach dem Inhalt meines Kommentars fragen… langsam weiss ich wirklich nicht mehr, wie weit ihr diese Leserverarschung noch treiben wollt.

    Fast schon absurd an der ganzen Sache ist ja: Ich wünsche den Medienlese-Autoren wirklich von ganzem Herzen alles Gute.

  25. Das ist doch einfach nur noch peinlich. Für jeden halbwegs schlauen Beobachter ist offensichtlich, was hier abgeht.

    Für so dumm, wie es Medienlese annimmt, lassen sich Leser nicht verkaufen.

  26. Pflasterstein

    Man soll nicht auf Ambulanzen schiessen, und von sterbenden Medienblogs nur Gutes. Aber was ich hier kurz anbringen muss, ist die Medienunkritik der Medienlese. Ich habe den Blog am Anfang verfolgt, bis mir die kritischen Einträge zu fehlen begannen. Bis ich merkte, dass dort keine Medienkritik betrieben wird, sondern ein Jahrmarkt der Empfindlichkeiten. Der eine liefert Links, der andere geifert über Printmedien, der dritte masturbiert zu Blogrankings, der vierte präsentiert neue Magazine. Na toll. Inhaltliche Kritik, die z. B. nach den Verstrickungen von Medienschaffenden fragt, die sich auf konkrete Texte aus dem journalistischen Alltag bezieht (und nicht bloss die immer beliebten Blogs-sind-so-Doof-Pamphlete in den Boden brüllt), soziale Kritik, die danach fragt, ob die Schweizer Medien ihren Auftrag überhaupt noch wahrnehmen, wirtschaftliche Kritik, die beleuchtet, wie immer weniger Redaktoren immer dünnere Texte ausspucken müssen – nix oder jedenfalls sehr wenig davon. Die Medienlese war ein 2.0-Luftballon mit nettem Layout und der Gelegenheit, sich wichtig zu fühlen. Das Gewimmer über ihre Einstellung kann ich nicht nachvollziehen. Wer sich für Medien wirklich interessiert, soll sein Geld entweder in Abos der wenigen verbleibenden Zeitungen stecken, ein webbasiertes Medienprojekt unterstützen oder – und das wird dann halt schwierig, ich weiss – aktiv mitmachen, sei es als Leserbriefschreiber (zu Unrecht belächelt), als Freier, als Redaktor.
    Und damit wir das noch geklärt haben: ich bin selbst Redaktor und habe diverse Zeitungen abonniert. David, es kann sein, dass ich ab und zu an deinem Tisch sitze.

  27. Frau Müller

    Um 13.30h, heutigen Tages, habe ich auf Medienlese.com nachfolgenden Kommentar gepostet. Er war etwa zwei Stunden online. Jetzt hat ihn Medienlese ohne Kommentar gelöscht.

    #
    Frau Müller
    schrieb am 1. Mai 2009 um 13:30 Uhr (#)

    «@ Medienlese: Ich habe die von Ihnen gelöschten Artikel auf Gutfeldt gelesen.
    Meinem Empfinden nach ist es anmassend, respektlos und unverschämt, die sachlich argumentierenden Kommentatoren öffentlich als Verschwörungstheoretiker zu brandmarken. Das Verhalten von Medienlese ist absolut inakzeptabel. Die Leser und Kommentatoren obendrauf noch unter dem Titel «Schade um die netten Leser» zu beschimpfen, ist – es muss mit aller Deutlichkeit gesagt sein – das Allerletzte.»

  28. @David Bauer
    „sondern Argumente erscheinen je nach Absender in einem ganz anderen Licht. Warum diese Tatsache stets als unerheblich beiseite gewischt wird (natürlich von anonymen Kommentatoren), leuchtet mir wirklich nicht ein.“

    Nun diese Tatsache ist keineswegs STETS unerheblich. Im vorliegenden Fall jedoch schon und oft auch in den anderen Fällen. Würde man das Dir fehlende Licht auf die Hose oder Dose richten, ergäbe sich dadurch ein Irrlicht, sofern man dadurch überhaupt etwas belichten könnte. Es wäre Dir, und dem Menschen generell, fast nicht möglich die erhaltenen Informationen direkt, das bedeute ohne sie persönlich zu färben, in Bezug zu dem geschriebenen zu setzen. Darunter leidet die Objektivität.

    Im Weiteren ist die Anonymität bei der Hose und der Hose eng gesteckt, wie ich finde. Ihr angestrebtes Ziel ist klar, genauso, wie sie es erreichen wollen. Die Informationen, welche man durch das Lesen der Texte über die Beiden gewinnen kann, stehen bereit. Da die meisten Argumente über die Prämisse und Konklusion, der Plausibilität gerecht werden frage ich Dich warum Du indirekt nach einem Argumentum ad verecundiam verlangst?

    Als Psychologe kann ich es mir denken. Es ist schwierig sich gegen eine Unbekannte zur Wehr zu setzen. Denn das Unbekannte macht dem Menschen Angst. Doch warum überhaupt sich dagegen wehren? Wie in fast allen mir bekannten Blogs, Foren etc. führen die Erklärungsversuche nirgends hin. Erschwerend kommt hinzu, dass sich immer neue Stimmen einschalten. So wie ich.

    Geht doch einfach Mal gemeinsam ein Bier trinken ;o)

  29. „Geht doch einfach Mal gemeinsam ein Bier trinken ;o)“ —

    Genau das habe ich vorgeschlagen und inzwischen zur Regel gemacht: http://www.davidbauer.ch/2009/05/02/die-bier-regel/.

  30. wenn ich die zahl deiner kritiker so ungefähr schätzen müsste – wünsche gutes erholen nach der alkoholvergiftung.

  31. @David Bauer: Mara ist nicht anonym, ich bin nicht anonym, viele andere sind es auch nicht – aber sobald es für dich unangenehm wird, verweigerst du die Diskussion und behauptest einfach, alle seien anonym.

  32. fahnenfluechtling

    @Matthias: „sobald es für dich unangenehm wird, verweigerst du die Diskussion und behauptest einfach, alle seien anonym.“

    Das entzieht sich jetzt wohl jeder Grundlage.

  33. @fahnenfluechtling Nein, das entzieht sich keineswegs jeder Grundlage. Lies doch einfach mal die Kommentare von David Bauer hier in diesem Beitrag oder auch hier in der Medienlese (dieser Thread ist echt ein Klassiker!) oder gar seinen aktuellen Beitrag im eigenen Blog (wo übrigens ein Kommentar von mir nicht freigeschaltet wird). Du wirst sehen: Das hat Methode. Und er ist nicht der einzige; dieselbe Strategie verfolgen noch einige Personen, denen du im gerade von mir verlinkten Medienlese-Beitrag noch begegnen wirst. Lesen bildet!

  34. Pingback: La Triperie » Blog Archive » Nachhilfeunterricht für David Bauer

  35. Frau Müller

    Die Bier-Regel ist bigott. David Bauer schreibt: «Eine Aussage steht nie für sich alleine. Sie hat einen Absender, der in einem bestimmten Kontext verortet ist und bestimmte Motive für seine Aussage hat.»

    In mindestens drei Artikeln in der SonntagsZeitung hat er seinen Lesern just diesen Kontext vorenthalten. Nämlich als er über seine ehemaligen Auftraggeber schrieb, ohne zu erwähnen, dass er mit ihnen geschäftlich respektive freundschaftlich verbunden ist, sowie im Artikel über Bla-Bla-Blogger, in dem er unerwähnt liess, dass er selber bloggt.

    Mara und Matthias, die eben dies auf Medienlese kommentiert haben, wurden dort als Verschwörungstheoretiker abgewatscht.

    Überdies zeugt die Bierregel auch von einem unsouveränen Verhältnis zu Kritik. Nicht der Background des Kritikers ist relevant, sondern die Begründung. «Die Photos von Frau Müller sind grauenhaft schlecht» ist eine Aussage, die völlig unbrauchbar ist – egal von wem sie geäussert wird. Für die Aussage «Deine Bilder stehen für einen neuen, innovativen Photo-Journalismus» gilt dasselbe. Es ist reine Bauchpinselei.

    Eine objektive, konstruktive Kritik mit subjektiven, emotionalen Inhalten und Verbesserungsvorschlägen, von denen ich lernen kann, ist hingegen immer wertvoll, auch wenn sie von einem anonymen Schmierfinken stammt.

    Frau Müller, weder verwandt, noch bekannt mit David Bauer, und auch nicht giggerig auf seinen Job.

  36. fahnenfluechtling

    @Matthias: Lisen bildet! Aha. Alle von Dir genannten Links kenne ich bzw. habe deren Inhalt gelesen. Dennoch empfinde ich Deine Aussage, als zu pauschal. Zumal David Bauer nicht generell die Diskussion mit anonymen Blogger verweigert. Er ist ja gerne bereit mit ihnen ein Bier trinken zu gehen. Bei dieser Gelegenheit kann man ja auch als Clown verkleidet erscheinen ;o)

    Warum er überhaupt ein solches Angebot macht ist mir schleierhaft. Da ich von einem solchen Drang sich zu rechtfertigen noch nie gehört habe. Meiner Meinung nach würde er besser einfach akzeptieren, dass es nicht alle mögen was er tut. C’est la vie. Insofern schon fast süss, wie er gerne mit allen Eierbemalen möchte, anstatt sie einfach jemandem in die Fresse zu werfen.

  37. Lustiges Blograten:
    „Und bis auf einen Blogger, der mit einer Mischung aus Halbwissen und Krawallsucht einfach losschreibt, viel Sympathie in der Blogosphäre.“ Ole Reissmann in der Medienlese. Bitte lasst mich diesen Blogger sein – das kommt unterdessen bereits einem Ritterschlag gleich

  38. Man kann natürlich behaupten, das Bierangebot nur! an Hose und Dose ist zustandegekommen, weil ihre Kritik fundiert sachlich und kompetent ist – aber mir geht nicht aus dem Sinn, dass das Angebot erst im Blog lag, als das Gerücht(?) aufkam, dass hinter diesem Blog „gestandene Redakteure“ stehen. Tja, ich würde sagen, Branchenfremde sind einfach für die eigene Karriere nicht besonders wichtig..:-)

  39. Pingback: Von Bierregeln und anderen Schnapsideen « Hose&Dose

  40. huch wie schön!!!! besser als jede reality-show bei rtl oder sat1. schade bin ich nicht während der „live-phase“ auf die kommentiererei gestossen.

    zickenkrieg unter medienschaffenden. „ich habe nicht, du hast auch“, … „ich bin halt mehr/weniger anonym als du“

    da sollte man doch glatt die journalisten-super-nanny einschalten. oder wie wäre es anstelle einer reality-show „frauentausche“ mit einer serie „journlalisten-tausch“

    finde die bier-idee von bauer gar nicht so übel. schade, dass die hosenlose dose dies aus anonymitäts-versteckungsgründen scheinbar ablehnen muss.

    ich käme als mediator mit, obwohl auch anonym bloggend

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