Medienlese: Der Nachruf von Dumk Opf

Eigentlich müssten wir uns freuen. Medienlese.com wird Ende April mit grosser Wahrscheinlichkeit eingestellt. Es sei denn, ja es sei denn, es finden sich tatsächlich ein paar zahlungswillige Nasen, die bereit sind mindestens 15 Euro zu zahlen. In diesem Falle wird wohl ein Teil des Dienstes bis Ende Jahr weitergeführt. Und ich zünde im grossen Sankt Peter eine Kerze an. Oder vielleicht auch gleich den Pfarrer, je nachdem.

Wie gesagt, eigentlich müssten wir und freuen. Nicht nur, weil wir hier immer wieder darauf hingewiesen haben, das Medienlese genauso Blödsinn verzapft wie „reguläre“ Medien, sondern auch, weil die Autoren und Kommentatoren nicht immer wussten, wovon sie schreiben. Wir müssten uns freuen. Tun wir aber nicht. Denn Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft. Und wir begrüssen grundsätzlich jede und jeden, der sich auf kritische Art mit den Medien auseinandersetzen will.

Eigentlich hätten wir auch einfach die Fresse halten können und stillschweigend zuschauen, wie Peter Hogenkamp sein Blogwerk-Prestigeprojekt einstampft. Wären wir, wie oft propagiert, tatsächlich Zeitungsjournalisten, könnten wir uns etwas Schadenfreude wohl nicht verkneifen. Ausgerechnet das Blog, das seit der Gründung den Tod des gedruckten Blattes und den Sieg der Onlinemedien propagiert, muss mangels Rentabilität aufgeben. Hinter vorgehaltener Hand grinst wohl sogar der .CH-Onlineredaktor, obwohl sein Medium keine Zukunft hat. Immerhin aber schreibt er noch.

Warum also halten wir die nicht einfach die Schnauze? Ganz einfach. Stirbt der eine, plündert der andere den Nachlass. Am Sonntag wird in der SOZ (Sonntagszeitung) ein Artikel mit Hogenkamp-Feature erscheinen. Und das Schöne daran ist, dass ich den betreffenden Text nicht einmal gelesen haben muss um zu wissen, was drin steht.

Moment, es wird noch besser. Ich muss ihn nicht nur nicht gelesen haben, ich kann auch jetzt schon sagen, dass es Blödsinn sein wird. Und das liegt für einmal nicht nur am Autor, obwohl das schon Grund genug wäre. Der Journalist, nennen wir ihn Dumk Opf, wird die Geschichte mit Aussagen  von Hogenkamp untermalen, in denen er noch einmal zur Rentabilität Stellung nehmen wird. Dabei wird er einmal mehr darauf hinweisen, dass mit Blogs nur wenig Geld zu verdienen und die Wirtschaftskrise auch fürs Web 2.0 ein harter Brocken ist. Im besten Falle schwingt zwischen den Zeilen noch etwas Schadenfreude mit. Das aber, so glaube ich, wird’s dann auch gewesen sein.

Was müsste man statt dessen tun? Man müsste den Herrn Hogenkamp mal am Kragen packen und etwas schütteln. Wir übernehmen das auch gerne selber, so sich der Peter freiwillig stellt (das kannst du so machen, wie du das immer machst, indem du dich in den Kommentaren zur Verfügung stellst). Wir sind keine Dumk Öpfe, denen man eine Wirtschaftskrise vorschieben kann und die dann anerkennend nicken und die Stirne in wissende Falten legen. Wir würden zum Beispiel gerne wissen, warum ausgerechnet Blogwerk es wagen würde, von Usern Geld anzunehmen um ein Blog weiter zu betreiben, das ausgerechnet die Unrentabilität und Dysfunktionalität „älterer“ Systeme anprangert. Warum ein Blog, dass sich selbst als Zukunft gefeiert hat, keine Zukunft mehr sieht. Und wir wüssten gerne, warum jemand der mit soviel Idealismus gestartet ist, ausgerechnet seine Prestige-Sparte aufgibt. Und dann hätten wir gerne noch ein wenig Auskunft zu Finanzen und Zahlen. Sind diese vier Nasen wirklich so teuer, dass sich der Betrieb nicht lohnt, obwohl Medienlese längst zu den meistgelesenen Blogs der Schweiz gehört? Und warum sägt man nicht stattdessen einen anderen Ast ab, wie zum Beispiel das eben erst gegründete Startwerk? Das hat doch nicht am Ende auch damit zu tun, dass der Chef da selbst mit tut, oder? Nein, um Gotteswillen (2. Kerze im St. Peter), so einfach ist die Welt nun auch nicht.

Diese Antworten werden wir natürlich nicht kriegen. Und so freuen wir uns halt auf Dumk Opfs bieders Gähn-Werk am Sonntag. Diese Art Nachruf, zumindest da sind wir uns wohl alle einig, hat Medienlese wirklich nicht verdient.

P.s. Wir könnten hier wie Peter Turi den Leuten an der Beerdigung von Medienlese ein schäbiges Übernahmeangebot unterbreiten. Tun wir aber nicht. Wir brauchen kritische Leute. Früh aufstehen alleine genügt nicht.

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6 Antworten zu “Medienlese: Der Nachruf von Dumk Opf

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  2. Och, der David Bauer. Der hat auch schon bei der Medienlese gearbeitet: http://medienlese.com/author/dbauer/
    Aber das wird er im Artikel sicher nicht erwähnen. So wie er auch bei seinen Artikeln über Oliver Reichensteins „Werke“ nicht erwähnt, dass er für ihn gearbeitet hat. Wie ja der Oliver Reichenstein auch nicht erwähnt, dass er auf seiner Web Trends Map Firmen auflistet, die seine Kunden sind. Das wäre alles ein Zuviel an Transparenz!

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  5. Da spricht Matthias einen wunden Punkt an. Einige Journalisten sind nur transparent und bissig, wenn es ihnen etwas nützt und nehmen die Berufsethik nicht besonders ernst.
    Danke für die Aufklärung über David Bauer. Ich werde seine Artikel nicht mehr lesen, denn „eingebetteter“ Journalismus ist mir zutiefst zuwider.

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