Tagesarchiv: 24/04/2009

Medienlese: Der Nachruf von Dumk Opf

Eigentlich müssten wir uns freuen. Medienlese.com wird Ende April mit grosser Wahrscheinlichkeit eingestellt. Es sei denn, ja es sei denn, es finden sich tatsächlich ein paar zahlungswillige Nasen, die bereit sind mindestens 15 Euro zu zahlen. In diesem Falle wird wohl ein Teil des Dienstes bis Ende Jahr weitergeführt. Und ich zünde im grossen Sankt Peter eine Kerze an. Oder vielleicht auch gleich den Pfarrer, je nachdem.

Wie gesagt, eigentlich müssten wir und freuen. Nicht nur, weil wir hier immer wieder darauf hingewiesen haben, das Medienlese genauso Blödsinn verzapft wie „reguläre“ Medien, sondern auch, weil die Autoren und Kommentatoren nicht immer wussten, wovon sie schreiben. Wir müssten uns freuen. Tun wir aber nicht. Denn Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft. Und wir begrüssen grundsätzlich jede und jeden, der sich auf kritische Art mit den Medien auseinandersetzen will.

Eigentlich hätten wir auch einfach die Fresse halten können und stillschweigend zuschauen, wie Peter Hogenkamp sein Blogwerk-Prestigeprojekt einstampft. Wären wir, wie oft propagiert, tatsächlich Zeitungsjournalisten, könnten wir uns etwas Schadenfreude wohl nicht verkneifen. Ausgerechnet das Blog, das seit der Gründung den Tod des gedruckten Blattes und den Sieg der Onlinemedien propagiert, muss mangels Rentabilität aufgeben. Hinter vorgehaltener Hand grinst wohl sogar der .CH-Onlineredaktor, obwohl sein Medium keine Zukunft hat. Immerhin aber schreibt er noch.

Warum also halten wir die nicht einfach die Schnauze? Ganz einfach. Stirbt der eine, plündert der andere den Nachlass. Am Sonntag wird in der SOZ (Sonntagszeitung) ein Artikel mit Hogenkamp-Feature erscheinen. Und das Schöne daran ist, dass ich den betreffenden Text nicht einmal gelesen haben muss um zu wissen, was drin steht.

Moment, es wird noch besser. Ich muss ihn nicht nur nicht gelesen haben, ich kann auch jetzt schon sagen, dass es Blödsinn sein wird. Und das liegt für einmal nicht nur am Autor, obwohl das schon Grund genug wäre. Der Journalist, nennen wir ihn Dumk Opf, wird die Geschichte mit Aussagen  von Hogenkamp untermalen, in denen er noch einmal zur Rentabilität Stellung nehmen wird. Dabei wird er einmal mehr darauf hinweisen, dass mit Blogs nur wenig Geld zu verdienen und die Wirtschaftskrise auch fürs Web 2.0 ein harter Brocken ist. Im besten Falle schwingt zwischen den Zeilen noch etwas Schadenfreude mit. Das aber, so glaube ich, wird’s dann auch gewesen sein.

Was müsste man statt dessen tun? Man müsste den Herrn Hogenkamp mal am Kragen packen und etwas schütteln. Wir übernehmen das auch gerne selber, so sich der Peter freiwillig stellt (das kannst du so machen, wie du das immer machst, indem du dich in den Kommentaren zur Verfügung stellst). Wir sind keine Dumk Öpfe, denen man eine Wirtschaftskrise vorschieben kann und die dann anerkennend nicken und die Stirne in wissende Falten legen. Wir würden zum Beispiel gerne wissen, warum ausgerechnet Blogwerk es wagen würde, von Usern Geld anzunehmen um ein Blog weiter zu betreiben, das ausgerechnet die Unrentabilität und Dysfunktionalität „älterer“ Systeme anprangert. Warum ein Blog, dass sich selbst als Zukunft gefeiert hat, keine Zukunft mehr sieht. Und wir wüssten gerne, warum jemand der mit soviel Idealismus gestartet ist, ausgerechnet seine Prestige-Sparte aufgibt. Und dann hätten wir gerne noch ein wenig Auskunft zu Finanzen und Zahlen. Sind diese vier Nasen wirklich so teuer, dass sich der Betrieb nicht lohnt, obwohl Medienlese längst zu den meistgelesenen Blogs der Schweiz gehört? Und warum sägt man nicht stattdessen einen anderen Ast ab, wie zum Beispiel das eben erst gegründete Startwerk? Das hat doch nicht am Ende auch damit zu tun, dass der Chef da selbst mit tut, oder? Nein, um Gotteswillen (2. Kerze im St. Peter), so einfach ist die Welt nun auch nicht.

Diese Antworten werden wir natürlich nicht kriegen. Und so freuen wir uns halt auf Dumk Opfs bieders Gähn-Werk am Sonntag. Diese Art Nachruf, zumindest da sind wir uns wohl alle einig, hat Medienlese wirklich nicht verdient.

P.s. Wir könnten hier wie Peter Turi den Leuten an der Beerdigung von Medienlese ein schäbiges Übernahmeangebot unterbreiten. Tun wir aber nicht. Wir brauchen kritische Leute. Früh aufstehen alleine genügt nicht.

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Wie Jubaira die Medien kontrolliert

Jubaira, „das Huhn“ Bachmann ist das, was man gemeinhin eine Schönwetter-Tusse nennt. Zudem beherrscht sie es perfekt, die Medien zu ihren Zwecken zu instrumentalisieren. Denn neu besitzt die Schweiz offenbar sogar zwei eigene Musiksender. Nebst VIVA Schweiz jetzt neu auch MTV Schweiz. Eine Riesensensation und eine wirklich pompöse Bereicherung für die Schweizer TV-Landschaft, glaubt man dem ich-kriech-dir-mal-in-den-Arsch-Interview von Newsnetz.

Bereits im Februar haben wir hier auf Folgendes hingewiesen:

Ein mediales Erdbeben sieht anders aus, zugegeben. Schliesslich arbeiten auch nur noch etwa vier Nasen für den TV-Sender Viva Schweiz. Aber für diese vier Angestellten und für sämtliche Realschüler der Schweiz, dürfte die Ankündigung grosse Konsequenzen haben. Viva Schweiz wird zum Kindersender mutieren und ab April erst ab 20.15Uhr ein eigenes Programm senden, schrieb die SoZ gestern. Das bedeutet: eigene Formate wie “Swissmat” (19oo) oder “Swiss Space” (1930), die wenigstens annähernd so etwas wie eine Plattform für den schweizer Mainstream waren, verschieben sich entweder deutlich nach hinten oder fallen gleich ganz weg. Wenn man bedenkt, dass ab 2255 sowieso Quizspiele gesendet werden, wird Viva dereinst noch mit genau 2h 40min Sendezeit ausgestattet. Da wird sich die Schweizer Musikszene aber mächtig freuen.

Das ist auch heute, nach dem „gloriosen“ und „glamourösen“ Start gestern in Schlieren (ja, genau, das Glamour Ghetto-Schlieren vor den Toren von Gloria-Zürich) so. Eigentlich handelt es sich beim Start von MTV Schweiz also um eine verkappte Reduktion, um einen Personalabbau im eigentlichen Sinne und um eine Beschneidung der Plattform der Schweizer Musikszene. Da kann auch die neue Mini-Sendung (aka Schweiz-Fenster) auf MTV nix drann ändern. Ich staune, nein eigentlich kotze ich ab der Tatsache, dass Newsnetz Jubaira dafür auch noch feiert. Eigentlich müssten die Emo-Lovebugs, Pion-Stress und Ländler-Bligg in Ghetto-Schlieren längst vor den Toren von VIVA-Schweiz MTV des gemieteten Sendestudios demonstrieren.

Da es bis jetzt noch niemand getan hat, sag ich es halt: Jubaira, ich mag dich nicht. Weder deine Art dich selbst zu feiern, noch deine Fähigkeit dummen Journalisten den Inhalt zu diktieren. Nur weil du es immer und immer wieder probierst, heisst das nicht, dass dir alle glauben.