Tagesarchiv: 23/04/2009

Der Regen machte Andreas Notter Angst

Ich bin kein Freund von Wiederholungen. Aber Newsnetz ärgert mich nun bereits täglich mit irgendwelchem Blödsinn. Unkorrigierte, fehlerhafte Sätze und innovativer, kamikazehafter Gebrauch der deutschen Sprache sind dabei noch das kleinere Übel. Gestern titelte Newsnetz: „Die vielen Tiere machten Andreas Notter Angst„.

 

Wir rekapitulieren. Andreas Notter erlebt 93 Tage in Geiselhaft, prägend die Angst die ganze Aktion nicht zu überleben. Zudem werden weder Terroristen noch Umgebung noch Versorgung besonders zuvorkommend und ausreichend gewesen sein.

 

Nach seiner Freilassung gibt Notter (der wirklich durchwegs Bescheiden agierte und lieber seinen Arbeitgeber sowie seine Kollegen inklusive den noch Vermissten Eugenio Vagni in den Mittelpunkt rückte) eine Pressekonferenz. Vor versammelter Presse berichtete er ziemlich detailliert, was er durchmachen musste. Die Essenz der PK für Newsnetz: die vielen Tiere machten Andreas Notter Angst. Sicher, es ist eine Möglichkeit den Artikel so aufzuziehen. Dann muss man die Geschichte aber auch entsprechend ausführen. Sonst hält der Titel nicht, was er verspricht.

 

Wo in diesem Text erfahren wir also etwas über diese Tiere? In einem Nebensatz, der da lautet:

 

Die Situation der Geiseln sei oft nicht leicht gewesen. «Einmal gerieten wir zwischen zwei Gefechte. Innert Sekunden mussten wir unsere Sachen zusammenpacken und an einen anderen Ort wechseln. Der Druck war sehr gross», erzählte Notter. Während der drei Monate habe es viel geregnet, oft sehr stark; auch die vielen Tiere hätten die Geiseln beunruhigt.

 

Herrlich. Viel treffender hätte man diesen Titel nicht formulieren können. Besser wäre nur noch gewesen: Der Regen machte Andreas Notter Angst.

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Im Auftrag des Herrn

Und hier noch ein kleines Lehrstück in Sachen „der Feind liest mit“. Bei solchen Enthüllungen frage ich mich immer: wer schrieb und schreibt in der Schweiz eigentlich für wen?

Rogers Reformkünste

Vorgestern haben wir uns darüber beschwert, dass der Spiegel die schweizer Politik in ein falsches Licht stelle. Genauer gesagt: „Ich frage mich lediglich, ob eine Schweizer Zeitung diesen Artikel gedruckt hätte – schlicht und einfach, weil das nicht viel mit der Realität zu tun hat, so wie wir sie hier wahrnehmen„. Da hatte ich die Rechnung aber noch ohne Herrn Roger Köppel gemacht, seines Zeichens CR der „Weltwoche“.

Natürlich druckt Köppel einen entsprechenden Artikel von Kollege Pierre ab. Die beiden arbeiten ja schon seit Ewigkeiten zusammen. Lustigerweise stört mich aber nicht Heumanns Analyse, welche in der WW ironischerweise dezenter ausfällt als im Spiegel. Nein, es ist Köppels Editorial-Aufruf, der mich irritiert. Neu-Ehemann Roger hat den Spiegel-Artikel offensichtlich etwas zu genau gelesen. Denn Heumanns Thesen bieten dem Verleger eine ideale Plattform um gegen die Bundesräte Merz und Calmy-Rey zu argumentieren. Es interessant zu beobachten, wie eine Anti-Rassismuskonferenz unter UNO-Protektorat zu einem Instrument der schweizerischen Aussenpolitik verformt wird.