Erfolgreich Themen setzen

(Begrüssung)

Es freut mich, dass ihr so zahlreich erschienen seid (blabla). Heute gehen wir folgender Frage nach: Was sind relevante Themen? Und was macht eine „gute“ Geschichte aus?

Ich habe euch darum zwei Beispiele mitgebracht. Das eine stammt aus der Hauptstadt, das andere aus der innoffiziellen Hauptstadt, erschienen sind sie in der Berner Zeitung und im Tages Anzeiger, jeweils im Regionalteil.

(Kurz ausholen). Der Regionalteil ist die Grundmauer einer jeden Regionalzeitung. Hier ist das Papier dem Internet und den nationalen Agenturen immer noch weit überlegen. Mit eigenen Geschichten und eigenem Dreh wird das Publikum erfolgreich bei Laune gehalten. Dazu gehört auch, dass Redaktoren ein „Gespür“ für die Bedürfnisse der Leserschaft zu entwickeln beginnen. Fast jede Zeitung in der Schweiz verfügt über mindestens ein regionales Journalistenurgestein, über diese eine Schreiberin oder diesen einen Schreiber, der seit Jahren das gleiche Ressort beackert und um keinen Preis in eine andere Redaktion wechseln möchte.

(Hauptteil Referat) Kommen wir also auf unsere zwei Beispiele zurück (blabla). In der Berner Zeitung machte sich Tobias Habegger Gedanken über „Das Schweizer Hauptstadt-Problem: Gratis-WC verzweifelt gesucht„. Sicherlich, wir alle kennen dieses Problem. Allerdings habe ich bis jetzt noch niemanden getroffen, der einen Plan in der Tasche hatte, auf dem das nächste WC eingezeichnet war. Wieso auch? Zum Pinkeln geht Frau einfach ins nächste Restaurant. Dass deren Besitzer oft protestieren, ist auch nix neues. Der Ansatz des Artikels ist zwar kreativ, das alleine macht aber noch keine gute Regional-Geschichte aus. Über fehlende WCs hat sich meines Wissens in Bern bisher noch niemand nachhaltig beschwert.

Im Tages Anzeiger machte sich gleichentags Liliane Minor Gedanken zu „Parks oder Luxuswohnungen: Gezänk um Grundstücke am Seeufer„. Statt die Geschichte (Seeufer für alle blabla), die zudem für viele Schweizer Seeanwohner relevant ist, noch einmal aufzurollen, zeigt Minor anhand von fünf Beispielen aus der Region, von Freienbach (SZ) über Schmerikon (SG) bis Uetikon (ZH), wie schwer es ist, das Seebecken der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Und beweist damit, dass viele Gemeinden mit ihren vermeintlichen „Einzelfällen“ nicht alleine dastehen. Das macht Mut und ist ein Aufreger erster Güteklasse, der beweist, dass oftmals nur durch Intervention des Stimmvolkes mittels Beschwerde oder Initiative etwas Bewegung in die Sache kommt.

Welche der beiden Geschichten relevanter ist, muss nicht speziell erwähnt werden. Ich bin zudem der Überzeugung, dass die WC-Story weit mehr an Recherche-Arbeit zur Folge hatte, als der See-Anstoss Artikel (blabla).

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6 Antworten zu “Erfolgreich Themen setzen

  1. Peinlich bloss, dass Frau Minor vom Stadtzürcher Seebecken schreibt, aber kein einziges Beispiel aus der Stadt Zürich aufführt … die meisten Beispiele stammen nicht einmal aus dem Kanton Zürich.

  2. Die Schweiz hat keine Hauptstadt. Sie hat eine Bundesstadt. Das ist mehr als nur Wortklauberei, denn es verweist auf den föderativen Charakter der Schweiz, welcher die Zentralgewalt im Zaum hält. Kleine Bemerkung am Rande.

  3. hoselose

    wenn wir schon klugscheissen wollen: was du föderativen charakter und gezäumte zentralgewalt nennst ist historisch nicht viel mehr als ein kuhhandel. bern wurde zürich und luzern vorgezogen, dafür haben diese beiden eth und versicherungsgericht erhalten. dass bern als bundesstadt und nicht als hauptstadt gilt ist faktisch nicht von bedeutung, sondern zeigt einmal mehr, dass auch vor 150 jahren schon symbolische politik betrieben wurde.

  4. Dose E.S.K

    die bezeichnung war auch nicht wertend, sondern plakativ gemeint und dem titel der bz entlehnt, so nebenbei. war mir aber eigentlich klar, dass diese subtile art von ironie nicht verstanden wird. probieren kann man´s ja trotzdem mal.

  5. dass bern als bundesstadt und nicht als hauptstadt gilt ist faktisch nicht von bedeutung

    Bern ist anderer Meinung und kämpft seit Ewigkeiten um ein Hauptstadtgesetz – selbstverständlich auch mit Blick auf noch mehr Mittelzufluss aus der wirtschaftlich erfolgreichen Restschweiz.

  6. Das Konzept einer Hauptstadt verstehen in der Schweiz nur geschätzte 3-4 Personen, vielleicht eine Hand voll. Der Rest ergibt sich in provinziellem Gelaber über Finanzkraft, Führungsanspruch und solchen Mist… Als ob man eine schöne, repräsentative Hauptstadt mit vernünftigen Argumenten rechtfertigen könnte. Die europäischen Hauptstädter kringeln sich vor lachen.

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