Tagesarchiv: 09/04/2009

Wir wollen Recherchen!

Hier noch ein kleiner Hinweis in Sachen Agenda-Setting und Recherche. Gestern berichtete der Spiegel, dass EU-Abgeordnete künftig trotz Wirtschaftskrise Business-Class fliegen dürfen. Bisher war’s Economy.
Nicht weiter schlimm? Denkste. Wie schnell reist ein Ausschauss mal eben nach Polen, Ungarn oder Italien um zu sehen, wie angekündigte Regeln umgesetzt oder bestehende Vorschriften umgangen werden? Die deutschen Steuerzahler, die diesen Blödsinn berappen müssen, kleben zurecht an der Decke. Ich schätze im übrigen Europa wird’s nicht anders sein.

Da fragt man sich doch gleich, wie machen’s eigentlich die Schweizer Parlamentarier? Ich erinnere mich da an einen Artikel aus der NZZ, 2005 erschienen, der einen Bundesbeschluss über Flugregelungen öffentlich machte. Parlamentarier dürfen für Flugreisen unter drei Stunden nur Holzklasse buchen. Allerdings gibt es da kleine Unterschiede, wie eine kleine Recherche zeigt. Werden Parlamentarier eingeladen, von anderen Politikern oder Organisationen beispielsweise, übernehmen diese einen Teil oder gleich die ganze Rechnung, Flug inklusive.

Zwar gibt es Regelungen, die besagen, dass Parlamentarier solche Angebote nur annehmen dürfen, wenn sie die Reisekosten selber zahlen (BAZ 8.10.08), doch offenbar wird hier immer wieder mal gerne geschummelt, wie derselbe Artikel zeigt.

Vielleicht wäre es an der Zeit, den Parlamentariern wieder mal etwas auf die Spesenabrechnung zu schielen, statt harmlose Konsumentenskandälchen à la Versteckte Musicstar-Telefon-Gebühren aufzudecken.

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Hurra, Hurra die Weltwoche brennt

Was ist bloss aus der guten, alten Weltwoche geworden? Es ist allem für sich schon irritierend, das derzeit mehr Wirtschaftsbosse, Parteifunktionäre und Populisten im Blatt schreiben als reguläre Journalisten. Doch diese Woche steht das Blatt-Konzept ganz Kopf.
Da schreibt Daniela Niederberger (normalerweise zuständig für Familienpolitik und Kriminalistik) ein fast schon rührend lobendes und einfühlsames Portrait von SRG-Mann und Arena-Moderator Reto Brennwald (O-Ton Köppel: Der Feind ist der Staat und seine Regulierungswut) und Zimmi doppelt mit einer „Die Privatwirtschaft ist der Tod des unabhängigen Journalismus“-Kolumne nach.

Mal abgsehen davon, dass ich im grossen und ganzen Zimmermanns Meinung teile und weder Eisenhut noch Strehle um ihre undefinierte Henkerrolle beneide, was soll das Herr Köppel?

Es kann nicht sein, dass Liebe und Hochzeit ein Blattkonzept aufweichen. Kaum ist der Chefe mal aus dem Haus, machen die Redaktoren was sie wollen.

Morgenstund hat Fehler im Mund

Frühmorgens ist die Welt in Newsredaktionen offenbar noch in Ordnung. Dann wird produziert und geschrieben, bis die Tasten glühen. In den frühen Morgenstunden passieren allerdings auch die dummen Schreibfehler. Beim Tages Anzeiger werden die Leads im Verlaufe des morgens offensichtlich überarbeitet, nicht so bei der NZZ.

Newsnetz: Im pazifischen Ozean zwischen Neuseeland und Argentinien sind in einer ungewöhnlichen Rettungsaktion zwei Italiener aus ihrer mieslichen Lage befreit worden. (08:00)

NZZ: Kapitän enführt – Lösegeld gefordert