Tagesarchiv: 06/04/2009

Wenn Idioten Fernsehen machen

Die Meldung hat inflationäres Sprengpotential. Ein schweizer Spass-Faschist, Ein Pleitier und ein Praktikant erhalten von Pro7 den Auftrag, eine Casting-Show zu moderieren.

Wenn man bedenkt, dass Detlef D. Und Dieter B.sowie Uri G. Und sein Handlanger nicht mit von der Partie sind, könnte man schon fast von einer Überraschung sprechen. Von einer fiesen Überraschung, denn einer der drei Clowns heisst DJ Bobo. Ich dachte zuerst, ich lese nicht richtig. DJ Bobo hat, wenn man das Gehopse und die Musik mal abdreht, absolut kein Unterhaltungspotential. Mehr noch, Bobo ist ein Spass-Faschist mit holprigem Hochdeutsch, dessen letzte grosse Tat ein mitleiderregendes „0“-Points erntete.

Verena Pooth aka Verena „The Swan“ Feldbusch verbrachte die letzten Monate damit zu beteuern, sie sei unschuldig und hätte von den Schummeleien ihres Mannes keine Kenntnis gehabt. Dummerweise hat ihr das irgendwie keine Sau geglaubt. Darum war sie bis gestern auch arbeitslos.

Und Elton? Nun, das Letzte was ich von Elton mitbekommen habe, war, dass er sich mittels Handeschellen an einen anderen Idioten gekettet hat, der sich ebenfalls Praktikant schimpft. Zusammen haben sie idiotische Dinge getan, die halt nur Praktikanten können, die mit 30 immer noch Praktikanten sein wollen. Sie furzen sich ins Gesicht und kotzen sich gegenseitig über die Füsse.

Dieses Trio wird also in Zukunft eine Show moderieren, in der noch grössere Clowns mit noch dümmeren Ideen gesucht werden. Das Anforderungspotential ist riesig, schliesslich sitzen mit Pooth, Bobo und Detlev Elton, schon drei international geprüfte Vollidioten in der Jury. Während mich NEWS, Blick und die anderen Retorten-Papiere heute etwas zahnlos über diesen Knüller informierten, lieferte mir die Neue Luzerner Zeitung noch gleich die E-Mail Adresse für die Bewerbung: sandra.scholz@prosieben.de

Die Annahme, dass die Quote von Menschen, die bei solchen Shows mitmachen wollen in der Innerschweiz leicht höher liegt als im Rest der Schweiz, wollen wir hiermit nicht bestätitgen.

Medialer Meilismus

Der Aktenvernichter ist wieder in der Schweiz. Der Sonntagsblick begrüsste den adretten Herrn mit Seesack und Sonnenbrille gleich mal am Flughafen, Telezüri begleitete den US-amerikanischen Doppelbürger anschliessend zu Schawinskis Radio 1, Newsnetz lud zum Interview, Blick zum Portrait.

Dabei erzählt der Post-UBSler allen die gleiche Story: Ich habe zu Recht gehandelt, ich bin nicht so böse wie alle meinen und ich hätte gerne wieder eine Arbeit. Die Medien verwursteln Meilis Aussagen anschliessend zu: Er denkt er hätte zu Recht gehandelt, nun hasst er Amerika wie er einst die Schweiz gehasst hat und dieser Mann findet nie wieder Arbeit, denn das Böse klebt an ihm wie einst das Pech an Hexen.

Drängt sich diese Frage nur mir auf, oder warum lässt sich dieser Mann so zerfleischen? Am Geld alleine kann’s nicht liegen. Meili hat keine Exklusivverträge abgeschlossen. Einen neuen Job wird er so auch nicht finden. Von Rache oder gar Rehabilitation kann nach dieser Erniedrigungstour sowieso keine Rede mehr sein. Was also soll dieser mediale Meilismus?

„Fringe“ am Leutschenbach

Manchmal geschehen am Leutschenbach merkwürdige Dinge, die dann, ein paar Tage später, einen noch merkwürdigeren Widerhall in den Medien finden.

Tatsache ist: Gianluca Galgani gibt seinen Job als Italien-Korrespondent ab. Warum er das tut, ist nicht bekannt. Wer die Nachfolge dereinst antritt übrigens auch nicht.

Soweit so uninteressant. Die Zeitung „Sonntag“ weiss nun aber zu berichten, dass Tagesschau-Sprecherin Béatrice Müller auf Galgani folgen werde. Dazu liefert sie ein paar hib- und stichfeste Beweise wie: Müller besitzt ein Ferienhaus in der Toscana, sie spricht fliessend italienisch und ihr Ehemann Heiner Hug liebe Italien.

Nicht nur führt der „Sonntag“ mit dieser Behauptung sämtliche Bewerbungskriterien ad absurdum, der Blick ist auch noch so blöd und lässt sich darauf ein.

Heute zieht das Boulevard-Blatt mit der Geschichte „Geht Miss Tagesschau wirklich nach Rom?“ nach. Eine halbe Seite lang wird praktisch Wort für Wort wiederholt, was der „Sonntag“ schon gepredigt hat. Einzig der letzte Abschnitt enthält eine Neuigkeit: „Kollegen gegenüber habe Müller kein Interesse an der Stelle gezeigt„.

Mal abgesehen davon, dass es nun wirklich alles andere als relevant ist, ob Béatrice Müller nach Italien geht oder nicht: wen interessiert so was eigentlich? Wenn die Béatrice wenigstens noch singen würde, oder strippen oder kiffen. Aber so?