Monatsarchiv: April 2009

Kerry F. hat kein Schwein gehabt – oder doch?

Dumm gelaufen. Anders kann man das wirklich nicht beschreiben.
Zuerst explodierte eine Phiole mit H1N1-Erregern in einem schweizer Intercity und gestern unterlief dem Personal im Kantonsspital Baden ein Interpretationsfehler. Die Konsequenz: Ein junger Mann, der sich tatsächlich in Mexiko mit dem Virus infizierte hatte, wurde nach Hause geschickt.

Die neuste Pandemie ist zumindest in der Schweiz eine peinliche Pannen-Serie. Wäre ich BAG-Mitarbeiter, würde ich mich grün und blau ärgern, dass die wirklich gute Vorarbeit von einigen Wenigen medienwirksam zunichte gemacht wurde. Es würde mich auch nicht wundern, wenn heute am Flughafen Kloten die nächste Episode dieser Realsatire stattfinden würde.

Dumm gelaufen ist die Geschichte auch für die Medien. Allen voran für den Blick, obwohl die Redaktion für einmal gänzlich unschuldig, am Knüller nah drann war und einfach nur scheiss Pech hatte. Da feierte man Kerry F. gestern gross auf der Titelseite als mögliches Opfer, nur um in der heutigen Ausgabe Entwarnung zu geben:

Kerry F. hat sie nicht – aber es gibt neue Fälle!
19:53 | 29.04.2009
BADEN – Kerry F. kann aufatmen: Der Verdacht auf Schweinegrippe hat sich bei ihm nicht erhärtet. Der 19-Jährige durfte das Spital heute Abend verlassen.

Gestern um 20:00 war Kerry F. bereits wieder auf dem Weg ins Spital. Diagnose: Schweinegrippe. Ist übrigens jemandem aufgefallen, dass Kerry F. immer jünger wird? Gestern zählte er im Blick noch 22 Lenze, heute waren´s noch 19.

Bevor nun alle über den Blick lachen: Auch in der NZZ gab´s den Kerry F.-Hype. In der sachlichen und glaubwürdigen Faktensprache wirkt die ganze Geschichte heute irgendwie noch grotesker.

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1x Panik à la 20 Minuten bitte

Fast noch schlimmer als nicht-denkende Journalisten finde ich nicht-denkende User, welche Texte von nicht-denkenden Journalisten gedankenlos übernehmen. Dass die Ctrl-C-Angestellten der Ta-Media beim Schreiben oft nur Hände und nicht Hirn gebrauchen, wissen wir. Hier ein ganz besonders schöner Fall.

Kurz zusammengefasst: Der Deutsche Staat will gegen Rapidshare vorgehen. Ein Downloadportal, auf dem User Inhalte jeglicher Art zur Verfügung stellen, meist getarnt und neu beschriftet, oft gar verschlüsselt. Das ist der Musikindustrie ein Dorn im Auge (obwohl die Softwarebranche viel mehr darunter leidet). 20 Minuten suggeriert nun, die Deutschen Behörden hätten Mittel und Möglichkeiten gegen diese Downloader vorzugehen. Obwohl der User meist keine Kenntnis davon hat, was er an Files runterzieht. Der Upload mag willentlich erfolgen (was auch noch zu beweisen wäre) der Download hingegen erfolgt meist über x-fache Verlinkung. Und die Möglichkeit besteht, dass der User auf der Suche nach einem ganz anderen, legalen Inhalt war.

Nun gut, wir wollen uns hier nicht in juristischen Pöbeleien verstricken, noch dazu auf deutscher Gesetzesebene. Was wirklich nervt, ist dass auch die Schweiz wieder von 20 Minuten, dass ja traditionellerweise gerne eng mit der Musikbranche zusammenarbeitet, bedroht wird. Denn auch hierzuland sei sowas möglich. Genau. Wo der Download doch hierzulande so extrem strafbar ist. Ich glaube mich pickt ein Huhn.Vermutlich haben die CTLR-C-Angestellten der Ta-Media den entsprechenden Gesetzesartikel ja einfach aufgefressen. Und er ist darum unauffindbar.

Offensichtlich werden nicht nur schweizer Journalisten immer dümmer, sondern auch die schweizer Leser. Nach den Erfahrungen mit David Bauer wäre es vielleicht nötig das Fach Wahrheit&Tatsachen am MAZ einzuführen.

Medienlese: Der moderne Schlägertrupp des Web 2.0

Der 1. Mai naht. Und wir sind vorbereitet, müsste man meinen. Zumindest seit uns der Ole als krawallsüchtige Halbwissende bezeichnet hat. Denn wir haben es gewagt, die teilweise Einstellung von Medienlese.com nicht ganz so tragisch zu nehmen, wie „die überwältigende Mehrheit der User„. Mehr noch, wir waren erstaunt, wie konservativ ein der Selbstdefinition nach modernes Web 2.0-Publikum doch auf die Einstellung eines Web 2.o-Formats reagiert. Und mit welch radikalen Methoden eine Interaktive Seite gegen mediale Kritiker vorgeht.

Bisweilen wirkt die Erkenntnis wie ein Hohn. An dieser Web-Reaktion war nichts Modernes, da war keine Aufgeschlossenheit, keine Akzeptant der Realität. Im Gegenteil, letzten Endes reagierte ein kleiner Teil der User wie der harte Kern der Abonnenten des Bundes. Wenn selbst die Macher bereit sind, auf „alte“ Methoden und Nörgeleien einer so-90ies Industrie zurück zu greifen, wie ernst kann man deren Medienkritik sowie deren Forderungen nach neuen Verhältnissen und Flexibilität noch nehmen?

Natürlich bedauern wir es, wenn Menschen ihren Job verlieren. Das machen wir grundsätzlich immer. Deswegen auf Kritik zu verzichten, halten wir allerdings für putinistisch. Nachdem bereits unsere Trackbacks von Medienlese gezielt gelöscht wurden, betraf dies nun auch die Kommentarspalten. Die Kommentare der Betreiber von hosenindosen.com waren zu keinem Zeitpunkt verletzend, hetzend oder diskriminierend. Deswegen verurteilen wir das Vorgehen von Medienlese in den letzten Tage mit aller Schärfe. Glücklicherweise sind wir nicht die Einzigen.

Selbstverständlich kann jede/r Page-BetreiberIn selbst entscheiden, was er/sie tun und lassen will. Nur manchmal hat eine Löschung offenbar System. In einer Diskussion, die hier stattfand und von Sonntagszeitungsredaktor David Bauer mittels Provokation innitiert wurde, ging es um die zunächst sachliche Feststellung, dass der Journalist einen relativ unkritischen, vorhersagbaren Artikel zur Schliessung von Medienlese.com geschrieben hatte. Dieselbe Diskussion fand übrigens auch hier statt. Interessanterweise entwickelte sich die Diskussion in eine Richtung, in der verschiedene User von Bauer wissen wollten, warum er seine geschäftliche Tätigkeit für Medienlese im Artikel mit keinem Wort erwähnt habe. Diese Diskussion wurde, mit Ausnahme von Bauers Replik, mit Hinweis auf Verschwörungstheorien mehr oder weniger zensiert. PR scheint man bei Medienlese offenbar nicht zu mögen. Zumindest nicht, wenn sie die eigenen Mitarbeiter und die Ehemaligen betrifft. Denn in diesem Licht wirkt das fehlende Nachhaken mittels kritischen Fragen im Falle Peter Hogenkamps doch etwas unglücklich. Das wird jeder MAZ-Dozent bestätigen.

Die letzten Worte überlassen wir fairerweise einer von Medienlese.com zensierten Userin, deren Auffassung wir in diesem Fall zu 100% teilen.

Ich werd ja sehr selten rausgeschmissen mit meinem Kommentar, aber diesmal bin ich echt sauer. Mit so einem fast schon ehrenrührigen Kommentar (Verschwörungstheorie wattn S..) rausgegickt zu werden… Im übrigen ist es allerdings problematisch wenn ein Journalist seine Interessen nicht offenlegt – jede Journalistenschule, erste Woche, hätte sowas einem um die Ohren gehauen…

Der mediale Virus-GAU im Intercity 730

Pandemien, WHO und Grippeerreger des Typs H1N1. Besser könnte das Leben für Journalisten nicht sein. Und zu Recht unkt der eine oder andere User in Leserforen, nun beginne die mediale Vogelgrippepanikmache von Neuem. Nur dass neben Vogel-DNA nun halt auch noch etwas Schweine-DNA im Grippe-Virus steckt.

Die Schweiz verhielt sich bisher vorbildlich. Das BAG informierte immer wieder in Absprache mit der WHO, richtete am Sonntag gar eine Hotline ein. Eine mediale Panikmache wurde so professionell und gekonnt verhindert. Im Gleichschritt informierte auch Radio DRS ausführlich. Gestern Vor vier Jahren übte die Bundesverwaltung zudem mit einem durchaus realistischen Szenario den Notfall. Wie reagiert der Bundesratssprecher Achille Casanova unter Stress, wie die zuständigen Behörden? Nebst echten Journalisten war auch der Bundesrat vollzählig an der Übung beteiligt. Fazit der Aktion: Die Kommunikation funktioniert, die Behörden sind handlungsfähig, wir sind in Sicherheit.

Dummerweise rechnete da noch niemand damit, dass gestern Abend tatsächlich ein Laborbehälter mit einer angeblich ungefährlichen Variante des Swineflu-Virus in einem schweizer Intercity Zug mit der Nummer 730 explodierte. Also genau eines jener Szenarien, dass die Behörden gestern einst noch so fleiss geübt haben. Allerdings handelte es sich dabei laut Polizeiangaben nicht um einen Terroranschlag, sondern um einen Unfall. Schuld war ein Mitarbeiter des Nationalen Influenza Zentrums in Genf, der offensichtlich nur mangelhaft gesicherte Phiolen bei sich hatte. Die Polizei stoppte den Zug vor dem Bahnhof Lausanne. Experten sicherten den Wagen und beruhigten die Passagiere. Doch da war die News schon raus. Dem 2o-Minuten Mobile-Reporter sei dank.

Explosion im IC 730 - Schwein gehabt

Explosion im IC 730 - Schwein gehabt

Das klingt, ehrlich gesagt, ein wenig wie in einem Horrorfilm. Was soll der einfache Zugreisende da denken? Die Tatsache, dass beim I-Zentrum intern garantiert ein Sicherheitsdispositiv für Mitarbeitende und den Transport gefährlicher Viren besteht, könnte der Reisende zwar ahnen, aber er weiss es nicht. Und was, wenn jetzt ein Schwein im Zug gewesen wäre? Die arme Sau! Dies ist, in Anbetracht der angespannten Lage der Wanrstufe 4 der WHO eine Art GAU. Warum informiert der Bund hier nicht auch so kompetent wie in der Übung? Warum sickern nur allmählich Details durch? Dieser wirklich dämliche und unnötige Unfall  öffnet der Spekulation Tür und Tor. Der Tages Anzeiger hat die Geschichte online bereits auf der Front. Genauso 20 Minuten und das SF. Radio DRS erwähnt den Unfall hingegen mit keinem Wort und beim Blick ist die Meldung so alt (08:17), dass das letzte Update bereits gestern morgen um 10:24 erfolgte und die Geschichte darum nicht mal mehr ein Aufmacher wert ist.

Versteht keine Sau - Influenza im Blick

Versteht keine Sau - Influenza im Blick

Gestern morgen um 10:24? Wie genau soll das bitte gehen? Wusste der Blick schon vor dem Unfall, dass ein Unfall passieren würde? Juhu! Verschwörungstheorie ahoi.

Blick am Abend – 1. Szene, 2. Akt: Die Rabenutter

Irgendwie kann ich mir die Bemerkung nicht verkneifen.

Da haben wir mit unserem Nachruf ganz anständig den Medienlese-Blog gepingt, werden aber dort nicht veröffentlicht. Genauso wenig übrigens wie bei Massenpublikum.de. Auch da ignoriert man uns konsequent. Nun, wir sind uns das gewohnt. Stimmen die der allgemeinen „oh nein wie traurig“-Stimmung widersprechen, sind offensichtlich nach wie vor nicht En Vogue. Auch Peter Hogenkamp hat sich bisher nicht gemeldet. Weder per Kommentar noch per Mail. Auch das war vorhersehbar.

Auch wir sind übrigens, wie Medienlese einst, ein Medienblog. Im Vergleich zu Medienlese beschäftigen wir uns sogar 90% Inhaltlich mit Schweizer Medien und müssen nicht mangels Ideen oder schlechten Leserzahlen nach Deutschland ausweichen. Und, auch wir arbeiten hart bis unser Hirn raucht. Ohne Bezahlung. Wenn wir von rettet-ronnie-grob-und-andere-aktionen lesen, kommt auch uns der Gedanke, neu 250 Euro pro User zu verlangen, um unsere Arbeit zu finanzieren.

250 Euro dünkt uns angemessen um den intellektuellen Unterschied, der selbstverständlich mitfinanziert und entsprechend transparent gemacht werden will, zu entlöhnen. Doch das ist natürlich quatsch. Und damit lassen wir das trete-keinen-hund-der-am-boden-liegt-Thema. Doch einen Medienlese-Comment möchte ich noch aufnehmen. Er stammt von Blick am Abend Nachrichtenchef Thomas „“ Benkoe:

bö schrieb am 25. April 2009 um 18:25 Uhr (#)

die schliessung ist natürlich bedauerlich. aber. seit der ausrichtung auf den deutschen markt ist medienlese für mich langweiliger geworden. man bzw. ich will ja vor allem lesen, das jemand (auch ich/wir) gepflegt zerfleischt werden. das fand kaum mehr statt. und jetzt? leider beschränken sich kleinreport.com und persoenlich.ch zu sehr auf das verbreiten von pressemeldungen – süffige kommentare sind selten. und ugugu ist zu anonym und zuwenig insider, als dass er in die fussstapfen treten könnte. fazit: schade.

Natürlich möchten wir Herrn Bö’s Wunsch weiterhin entsprechend und den Blick am Abend auch in Zukunft dezent in den Arsch treten. Zum Beispiel mit folgendem, am Freitag publizierten Lead. Ein Thor wer denkt, dass einem solche Dinge beim ersten Mal durchlesen auffallen.

Blick am Abend: Die Rabenutter

Blick am Abend: Die Rabenutter

Fazit: Scheisse

Medienlese: Der Nachruf von Dumk Opf

Eigentlich müssten wir uns freuen. Medienlese.com wird Ende April mit grosser Wahrscheinlichkeit eingestellt. Es sei denn, ja es sei denn, es finden sich tatsächlich ein paar zahlungswillige Nasen, die bereit sind mindestens 15 Euro zu zahlen. In diesem Falle wird wohl ein Teil des Dienstes bis Ende Jahr weitergeführt. Und ich zünde im grossen Sankt Peter eine Kerze an. Oder vielleicht auch gleich den Pfarrer, je nachdem.

Wie gesagt, eigentlich müssten wir und freuen. Nicht nur, weil wir hier immer wieder darauf hingewiesen haben, das Medienlese genauso Blödsinn verzapft wie „reguläre“ Medien, sondern auch, weil die Autoren und Kommentatoren nicht immer wussten, wovon sie schreiben. Wir müssten uns freuen. Tun wir aber nicht. Denn Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft. Und wir begrüssen grundsätzlich jede und jeden, der sich auf kritische Art mit den Medien auseinandersetzen will.

Eigentlich hätten wir auch einfach die Fresse halten können und stillschweigend zuschauen, wie Peter Hogenkamp sein Blogwerk-Prestigeprojekt einstampft. Wären wir, wie oft propagiert, tatsächlich Zeitungsjournalisten, könnten wir uns etwas Schadenfreude wohl nicht verkneifen. Ausgerechnet das Blog, das seit der Gründung den Tod des gedruckten Blattes und den Sieg der Onlinemedien propagiert, muss mangels Rentabilität aufgeben. Hinter vorgehaltener Hand grinst wohl sogar der .CH-Onlineredaktor, obwohl sein Medium keine Zukunft hat. Immerhin aber schreibt er noch.

Warum also halten wir die nicht einfach die Schnauze? Ganz einfach. Stirbt der eine, plündert der andere den Nachlass. Am Sonntag wird in der SOZ (Sonntagszeitung) ein Artikel mit Hogenkamp-Feature erscheinen. Und das Schöne daran ist, dass ich den betreffenden Text nicht einmal gelesen haben muss um zu wissen, was drin steht.

Moment, es wird noch besser. Ich muss ihn nicht nur nicht gelesen haben, ich kann auch jetzt schon sagen, dass es Blödsinn sein wird. Und das liegt für einmal nicht nur am Autor, obwohl das schon Grund genug wäre. Der Journalist, nennen wir ihn Dumk Opf, wird die Geschichte mit Aussagen  von Hogenkamp untermalen, in denen er noch einmal zur Rentabilität Stellung nehmen wird. Dabei wird er einmal mehr darauf hinweisen, dass mit Blogs nur wenig Geld zu verdienen und die Wirtschaftskrise auch fürs Web 2.0 ein harter Brocken ist. Im besten Falle schwingt zwischen den Zeilen noch etwas Schadenfreude mit. Das aber, so glaube ich, wird’s dann auch gewesen sein.

Was müsste man statt dessen tun? Man müsste den Herrn Hogenkamp mal am Kragen packen und etwas schütteln. Wir übernehmen das auch gerne selber, so sich der Peter freiwillig stellt (das kannst du so machen, wie du das immer machst, indem du dich in den Kommentaren zur Verfügung stellst). Wir sind keine Dumk Öpfe, denen man eine Wirtschaftskrise vorschieben kann und die dann anerkennend nicken und die Stirne in wissende Falten legen. Wir würden zum Beispiel gerne wissen, warum ausgerechnet Blogwerk es wagen würde, von Usern Geld anzunehmen um ein Blog weiter zu betreiben, das ausgerechnet die Unrentabilität und Dysfunktionalität „älterer“ Systeme anprangert. Warum ein Blog, dass sich selbst als Zukunft gefeiert hat, keine Zukunft mehr sieht. Und wir wüssten gerne, warum jemand der mit soviel Idealismus gestartet ist, ausgerechnet seine Prestige-Sparte aufgibt. Und dann hätten wir gerne noch ein wenig Auskunft zu Finanzen und Zahlen. Sind diese vier Nasen wirklich so teuer, dass sich der Betrieb nicht lohnt, obwohl Medienlese längst zu den meistgelesenen Blogs der Schweiz gehört? Und warum sägt man nicht stattdessen einen anderen Ast ab, wie zum Beispiel das eben erst gegründete Startwerk? Das hat doch nicht am Ende auch damit zu tun, dass der Chef da selbst mit tut, oder? Nein, um Gotteswillen (2. Kerze im St. Peter), so einfach ist die Welt nun auch nicht.

Diese Antworten werden wir natürlich nicht kriegen. Und so freuen wir uns halt auf Dumk Opfs bieders Gähn-Werk am Sonntag. Diese Art Nachruf, zumindest da sind wir uns wohl alle einig, hat Medienlese wirklich nicht verdient.

P.s. Wir könnten hier wie Peter Turi den Leuten an der Beerdigung von Medienlese ein schäbiges Übernahmeangebot unterbreiten. Tun wir aber nicht. Wir brauchen kritische Leute. Früh aufstehen alleine genügt nicht.

Wie Jubaira die Medien kontrolliert

Jubaira, „das Huhn“ Bachmann ist das, was man gemeinhin eine Schönwetter-Tusse nennt. Zudem beherrscht sie es perfekt, die Medien zu ihren Zwecken zu instrumentalisieren. Denn neu besitzt die Schweiz offenbar sogar zwei eigene Musiksender. Nebst VIVA Schweiz jetzt neu auch MTV Schweiz. Eine Riesensensation und eine wirklich pompöse Bereicherung für die Schweizer TV-Landschaft, glaubt man dem ich-kriech-dir-mal-in-den-Arsch-Interview von Newsnetz.

Bereits im Februar haben wir hier auf Folgendes hingewiesen:

Ein mediales Erdbeben sieht anders aus, zugegeben. Schliesslich arbeiten auch nur noch etwa vier Nasen für den TV-Sender Viva Schweiz. Aber für diese vier Angestellten und für sämtliche Realschüler der Schweiz, dürfte die Ankündigung grosse Konsequenzen haben. Viva Schweiz wird zum Kindersender mutieren und ab April erst ab 20.15Uhr ein eigenes Programm senden, schrieb die SoZ gestern. Das bedeutet: eigene Formate wie “Swissmat” (19oo) oder “Swiss Space” (1930), die wenigstens annähernd so etwas wie eine Plattform für den schweizer Mainstream waren, verschieben sich entweder deutlich nach hinten oder fallen gleich ganz weg. Wenn man bedenkt, dass ab 2255 sowieso Quizspiele gesendet werden, wird Viva dereinst noch mit genau 2h 40min Sendezeit ausgestattet. Da wird sich die Schweizer Musikszene aber mächtig freuen.

Das ist auch heute, nach dem „gloriosen“ und „glamourösen“ Start gestern in Schlieren (ja, genau, das Glamour Ghetto-Schlieren vor den Toren von Gloria-Zürich) so. Eigentlich handelt es sich beim Start von MTV Schweiz also um eine verkappte Reduktion, um einen Personalabbau im eigentlichen Sinne und um eine Beschneidung der Plattform der Schweizer Musikszene. Da kann auch die neue Mini-Sendung (aka Schweiz-Fenster) auf MTV nix drann ändern. Ich staune, nein eigentlich kotze ich ab der Tatsache, dass Newsnetz Jubaira dafür auch noch feiert. Eigentlich müssten die Emo-Lovebugs, Pion-Stress und Ländler-Bligg in Ghetto-Schlieren längst vor den Toren von VIVA-Schweiz MTV des gemieteten Sendestudios demonstrieren.

Da es bis jetzt noch niemand getan hat, sag ich es halt: Jubaira, ich mag dich nicht. Weder deine Art dich selbst zu feiern, noch deine Fähigkeit dummen Journalisten den Inhalt zu diktieren. Nur weil du es immer und immer wieder probierst, heisst das nicht, dass dir alle glauben.