Tagesarchiv: 31/03/2009

Blogger machen CH-Politik

Ein kleiner Hinweis noch in Sachen Online-Kampagnen zur Personenfreizügigkeit (yes, we try). „Erstaunlich war der Abstimmungskampf auch darum, weil das Internet als Propagandamittel so intensiv genutzt wurde wie nie zuvor: Blogger griffen für und wider die Personenfreizügigkeit in die Tastaturen, es wurden munter Facebook-Gruppen gegründet und Youtube-Videos produziert„. Fazit: rund ein fünftel aller Stimmenden hätten sich ihre Meinung im Netz gebildet. Die analytische Blogger-Bauchpinselei steht heute lustigerweise im Traditionsmedium NZZ.

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Medienkonvergenz auf US-amerikanisch

Sieht das jetzt nur gleich aus, oder steht da jetzt auch exakt dasselbe drinn? Die Frage sei gestattet: Warum haben die Dinger überhaupt noch zwei Namen?

Mediales SP-Getöse

Manchmal wundert mich das Verhalten der Schweizer SP-Politiker etwas. Da gibt Frau Micheline Calmy-Rey Spiegelonline ein reines PR-Interview, in dem sie mantramässig das Schweizer Engagement und ihre Unschuld beteuert – und der Tages Anzeiger macht aus den schlechtesten Quotes eine reisserische Geschichte. Hintergrund des medialen Getöse: Morgen wird Calmy-Rey in Berlin mit Frank-Walter Steinmeier zusammentreffen. Diese nicht unwichtige Information findet sich dann übrigens im letzten Satz.

Da hat selbst Moritz Leuenberger Probleme, dieses Interview zu toppen, obwohl sich der bloggende Bundesrat wirklich Mühe gibt. Leuenberger, der gerne kommentiert und analysiert, wie ihn Medien behandeln (Mediengestapo: Leuenberger), erntete vergangene Woche viel Lob von Bloggern und Journalisten, für seine witzige, selbstreferentielle Art mit Kritik umzugehen.
Manchmal ist Humor aber leider das falsche Mittel, um einer an sich schon hirnlosen Anschuldigung zu begegnen. Besonders dann, wenn die Witze auf Kosten von Minderheiten gehen. So sprach der alte Injun: “ I think you made your point. I also think that the price of the point was hurt to the very people you tried to raise up.“ So musste sich Bundesrat Leuenberger gestern kleinlaut bei den Indianern für seine romantischen Kindheitserinnerungen entschuldigen (fertig Indianerlis).

Sollten demnächst Millionenklagen US-amerikanischer Ureinwohner eintreffen, die Wiedergutmachung für erlittenes Unrecht einfordern, kann man nur sagen: War doch nicht so eine gute Idee, das mit dem Bloggen Herr Bundesrat.