Tagesarchiv: 27/03/2009

Kollegenschelte Teil III

Augen auf: Hier beschreibt Stephan Russ-Mohl den Zustand der US-Medien und analysiert diverse Studien zum Agenda-Setting und Informationsverhalten der Journalisten.

Fazit: 20% aller amerikanischen Journalisten haben in den vergangenen acht Jahren ihre Stelle verloren. Und die verbliebenen 80% schreiben mehr oder weniger voneinander ab.

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Kollegenschelte Teil II

Nicht nur bei Ringier wird mediale Selbstreferentialität derzeit gross geschrieben. Auch die Berner Zeitung kommentiert gerne, was die Konkurrenz so treibt. Pflichtbewusst wird die Meldung dann von Newsnetz aufgenommen und an alle angeschlossenen Medien verteilt.

Es ist ein alter Hut, dass sich SRG-Boss Armin Walpen und Medienguru Roger „Icordo“ Schawinski nicht ausstehen können. Walpen besitzt die Seele einer Mimose, Schawinski das überblähte Ego eines römischen Imperators. Wenn der Streit erstmal vom Zaune gebrochen ist, fallen beide in das mentale Stadium eines Zehnjährigen zurück.

Vergangenes Wochenende kanzelte Walpen Schawinskis Alter mit „jenseits der biologischen Grenze“ ab, worauf Schawinski per Blog mit folgenden Sätzen konterte: „Für einen lebenslangen Apparatschik ist die drohende Pensionierung mehr als nur der Beginn der Bedeutungslosigkeit.“

Da streiten sich also zwei mehr oder weniger mächtige und schon etwas betagtere Herren auf erbärmlichem Niveau und unterhalten mit ihrem Gehabe eine  neidische, betagte und nostalgische Elite. Schön, dass David Vonplon die hämische Randnotiz der Berner Zeitung gleich zu einer ganzen Story aufgeblasen hat. Das ist Journalismus der hohen Schule.

Kollegenschelte Teil I

Es ist schon erstaunlich, wie selbstreferentiell Medienerzeugnisse derzeit berichten. Auf der einen Seite ist es verständlich, wenn der Blick am Abend gross posaunt, man werde aufgrund des Erfolgs (ja, das ist ein Widerspruch – dazu ein andermal mehr) expandieren. Allerdings ist diese Meldung als Zeitungs-Geschichte fragwürdig. Diejenigen die es betrifft, lesen nichts davon und den anderen kann das egal sein.

Viel dümmer jedoch ist, wenn das zum gleichen Konzern gehörende Mutterblatt Blick von einem geplatzten Werbedeal der Konkurrenz berichtet. Welcher Leser interessiert sich ernsthaft dafür, ob die Migros in Zukunft noch bei 20Minuten inserieren wird oder nicht?

Natürlich, für den Ringier-Verlag ist das die beste Meldung seit der Erfindung von Gutenbergs Druckpresse. Migros verfügt über den grössten Werbe-Etat der Schweiz. Daher sind Migros-feindliche Artikel sowohl bei der TA-Media als auch bei Ringier de Fakto verboten. Schön, dass es 20Minuten trotz aufdringlich freundlicher Berichterstattung schafft, den Werbepartner über die Anzeigenabteilung zu verprellen. Wie das allerdings gelaufen ist, kann mir auch der Blick in dieser Top-Meldung nicht erklären.

Der Grund: Zwischen der Migros und « 20 Minuten » herrscht dicke Luft. Wegen der Tarife für die Werbung. Die Migros verweist auf die Fairness, die zwischen Geschäftspartnern eingehalten werden müsse: «Da wir dies zurzeit in der Geschäftsbeziehung mit « 20 Minuten » nicht empfinden, haben wir uns entschieden, auf eine Zusammenarbeit bis auf weiteres zu verzichten.» Bei der Besitzerin von « 20 Minuten », dem Verlagshaus Tamedia, wehrt man sich gegen den Vorwurf: «Wir haben der Migros ein Angebot unterbreitet, das besser ist als die Angebote für alle anderen Unternehmen in der Schweiz.»