Kommentar zur Fusion von Radio und TV

Gestern war kein guter Tag für die SRG.
Der Medienkonzern hat ein höheres Minus eingefahren als erwartet, nun muss der Verwaltungsrat an der Sparschraube drehen. Logisch, dass man hofft, durch die Fusion von TV und Radio einiges an Gebührengeldern sparen zu können, um so wenigstens den Status Quo zu erhalten.

Was also erwartet den Fernseh- und Radiozuschauer? Muss der Nachrichtenredaktor von Radio DRS tatsächlich künftig mit einem Kamerateam ausrücken? Wird die Hauptausgabe der Tagesschau ab 2010 von Casper Selg moderiert und damit endlich wieder zu einem ernstzunehmenden Nachrichtenformat? Und erhält Anna Maier endlich ihr lang ersehntes Comeback beim SF, weil der Nachmittag von DRS3, ähnlich wie die Nachtwache nun auch live im TV zu sehen sein wird?

Die Antwort ist simpel: Nein.

Gespart wird dort, wo es der Zuschauer am wenigsten zu spüren kriegt, wo es einfach machbar ist und wo die Leute bereits heute zusammen arbeiten. Am einfachsten geht dies am Beispiel der Sportredaktion. Statt wie bis anhin üblich jeweils zwei komplette Teams an Weltmeisterschaften, Olympiaden und andere Grossanlässe zu schicken, wird man in Zukunft ein Kernteam bilden, aus dem sich alle bedienen. Das bedeutet: Einfache statt doppelte Administration, Synergien nutzen usw. Das gleiche Rezept kommt bei Grossanlässen wie zum Beispiel beim WEF zum Tragen. Zum Beispiel aber auch bei Bundesratssitzungen, nationalen Pressekonferenzen usw.

Ist das schlecht? Und bedeutet dies ein Verlust an Qualität?

Nein, das ist sicherlich nicht per se eine schlechte Idee. Die Technik ist heute soweit fortgeschritten, dass eine verstärkte Kooperation im administrativen Bereich durchaus Sinn macht. Nicht nur bei der SRG. Da könnten auch die Privaten noch einiges lernen. (Wer jetzt den Kopf schüttelt, der erkundige sich doch mal, wie beispielsweise das Zusammenspiel von Energy und Blick funktioniert, oder von Radio24 und Tele Züri – ernüchternd, eh?)
Bedenklich wird es allerdings dann, wenn es um inhaltliche Leistungen geht. Also, wenn etwa der gleiche Journalist dem Wirtschaftsführer oder Politiker die gleichen Fragen für Radio und TV stellt. Oder, wenn eine Zentralredaktion alle Magazine zu einem Thema bedient (Stichwort Wissenschaftsredaktion). Dies führt nicht nur zu einer Themenarmut, sondern zu einer noch exzessiveren Marktmacht. Sollte also dereinst nur noch eine einzige Volksmusikredaktion existieren, würde selbst die Pro Forma-Konkurrenz zwischen Radio und TV inexistent und es gäbe für Leute wie Marianne Cathomen, die bereits jetzt behauptet von SF boykottiert zu werden, gar keine Ausweichmöglichkeiten mehr.

Die grösste Gefahr für uns Zuhörer und Zuschauer liegt also nicht in der Fusion, oder darin, dass wir als Gebührenzahler nicht entscheiden dürfen, was mit unseren Gebühren passiert, sondern darin, dass diese Fusion ausartet. In eine blinde Zusammenlegungswut, bei der das Effizienzmonitoring die alleinige Entscheidungsgrundlage sein wird.

Die Frage sei gestattet: Für was gibt es eigentlich den Publikumsrat?

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