Warum Alice Schwarzer Schreibverbot bekommen sollte

Bereits vor einer Woche haben wir an dieser Stelle einmal darauf hingewiesen, welch sonderbaren Bezug Emma-Verlegerin Alice Schwarzer zum Journalismus hat (Stichworte: Interview als Kunstform). Heute nun darf Deutschlands bekannteste Feministin im Zürcher Tages Anzeiger ihre Sicht auf den Amok-Lauf von Winneden verkünden.

Eigentlich hatte ich so etwas schon fast befürchtet. Dass früher oder später jemand auf die Idee kommen würde, Killerspiele, Vorbildhaltung der Eltern und Erziehung auszuklammern, um den Amoklauf  per se als unausweichliche Folge der Zerrissenheit sozialer Geschlechterrollen zu terminieren. Ihr Fazit im heutigen Tages Anzeiger: Ein 17-jähriger Jugendlicher ohne Migrationshintergrund (!) kam mit seinem Männlichkeitswahn nicht zurecht und erschoss aus Unsicherheit 16 Frauen (inklusive sich selbst), wovon aber vier zufälligerweise Männer waren, die der Schütze für Frauen hielt. Oder mit Frauen assozierte, oder die Frauenkleider trugen, oder die sich wie Frauen verhielten.

Mit diesem dummen Fazit könnte ich durchaus leben. Denn auch dafür kann man letzten Endes hilflose Schuldige wie Killerspiele oder Pornographie haftbar machen. Es ist allerdings bewundernswert, wie sehr sich Frau Schwarzer bemüht, ihre längst revisionsbedürftige Definition vom 1960-er Feminismus und der Gleichstellung am Leben zu erhalten. Was mich schockiert ist denn auch ihr Umkehrschluss. Ausgerechnet ein integrierter Deutscher, der mit deutschen Rollenverständnis und deutscher Kulturprägung aufgewachsen ist, soll nun Beispiel sein für die innere, sexuelle Zerrissenheit der Deutschen und Schweizer. Und nicht nur das. Der Amoklauf sei nur der Anfang, lässt uns Frau Schwarzer wissen. Die Schläfer sind längst unter uns, denn jeder Mann ist ein potentieller Killer, dessen tödliches Potential jederzeit durch die Kränkung einer Frau ausgelöst werden kann.

Alice Schwarzer nähert sich langsam aber sicher dem unvermeidbaren Höhepunkt ihrer Forschung, der „Grande Theory“. Terrorismus als männliche Vergeltungsmassnahme gegen die Beherrschung der Welt durch die Frau.

Vielen Dank Frau Schwarzer, dass sie die Welt mit ihrem Artikel noch ein wenig dämlicher gemacht haben. Danke auch im Namen aller Beteiligten und Opfer, denen sie mit ihrer Analyse jede präventive Handlungsmöglichkeit absprachen. Niemand kann etwas dafür, als Frau auf die Welt gekommen zu sein. Dies war denn auch der einzige Fehler.

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2 Antworten zu “Warum Alice Schwarzer Schreibverbot bekommen sollte

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