Tagesarchiv: 18/03/2009

Tweet des Tages

In Anlehnung an die absurd dämliche Selbstdarsteller-Rubrik des Blick am Abend veröffentlichen wir hier künftig den Tweet des Tages. Wir pimpen den Wahl-Mechanismus allerdings etwas auf. Der Tweet kommt immer von derselben (medialen) Persönlichkeit. Schlicht, weil es derzeit in Sachen Twitter nichts besseres gibt. Das wusste ich gestern schon und darum wird es auch morgen so sein. Kein anderes Mitglied zeigt die abgrundtiefe Dummheit dieser Community und gleichzeitig deren Vorteile besser als sie.

Danke an dieser Stelle an das New Kid On The Blog ohne dessen Spürsinn es diesen täglichen Hinweis nicht geben würde:

Putting My RED HEAD back in BED!!!!!! Ohhhhh….xoxooxoxoxoxo sf

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.CH – das Anna-Meyer-Syndrom

Eigentlich wäre es noch interessant einen Countdown auf dieser Seite zu installieren. Einen kleinen Zähler oben in der linken Ecke, der die Tage zählt, bis die Gratiszeitung .CH dicht macht. Ich gebe dem Blatt noch bis Ende Sommer. Das Umsatzloch während der langen Ferien dürfte die dünne Kapitaldecke zum Einstürzen bringen.

Sollte es dereinst soweit sein, ist dies nicht etwa der Verdienst von „News“ oder der TA-Media. Die beiden Blätter zielen in Sachen Zielpublikum und Inhalte längst völlig aneinander vorbei. .CH hat sich in einem überfüllten Zeitungsmarkt schlicht falsch positioniert und anschliessend selbst durch Ineffizienz und Unoriginalität zu Grunde gerichtet.
Dass Verdrängungsstrategien aber durchaus erfolgreich und effizient sein können, zeigt ein aktuelles und lesenswertes Beispiel aus Frankreich.
Was wir daraus lernen? Wer eine ernsthafte Konkurrenz sein will muss:

  • schnell reagieren
  • entweder identische oder bessere Produkte anbieten
  • dort präsent sein wo die Konkurrenz präsent ist
  • immer wieder anpassungsfähig sein

So gesehen torpediert sich die TA-Media im besten Falle selbst mit ihren Produkten. Ich nenne dies fortan: das Anna-Maier-Syndrom.

Idiot des Tages: Newsnetz

Es ist schon erstaunlich, dass der Beziehungsstatus von Weltwoche-Verleger Roger Köppel derzeit mehr Schlagzeilen macht, als der Dekonstruktionsprozess seiner Redaktion. Gestern Abend wusste der Blick am Abend gar zu berichten, dass Köppel seine Freundin schwanger vor den Traualtar treten werde.

Da kam ich bereits ins Stutzen. Wen interessiert so etwas eigentlich – ausser der Glückspostintelligenzia? Heute krieg ich die Antwort: Newsnetz interessiert sowas.

Ich freu mich auf die Boulevardisierung Neuausrichtung des Tages Anzeigers. Aber so richtig.

Warum Alice Schwarzer Schreibverbot bekommen sollte

Bereits vor einer Woche haben wir an dieser Stelle einmal darauf hingewiesen, welch sonderbaren Bezug Emma-Verlegerin Alice Schwarzer zum Journalismus hat (Stichworte: Interview als Kunstform). Heute nun darf Deutschlands bekannteste Feministin im Zürcher Tages Anzeiger ihre Sicht auf den Amok-Lauf von Winneden verkünden.

Eigentlich hatte ich so etwas schon fast befürchtet. Dass früher oder später jemand auf die Idee kommen würde, Killerspiele, Vorbildhaltung der Eltern und Erziehung auszuklammern, um den Amoklauf  per se als unausweichliche Folge der Zerrissenheit sozialer Geschlechterrollen zu terminieren. Ihr Fazit im heutigen Tages Anzeiger: Ein 17-jähriger Jugendlicher ohne Migrationshintergrund (!) kam mit seinem Männlichkeitswahn nicht zurecht und erschoss aus Unsicherheit 16 Frauen (inklusive sich selbst), wovon aber vier zufälligerweise Männer waren, die der Schütze für Frauen hielt. Oder mit Frauen assozierte, oder die Frauenkleider trugen, oder die sich wie Frauen verhielten.

Mit diesem dummen Fazit könnte ich durchaus leben. Denn auch dafür kann man letzten Endes hilflose Schuldige wie Killerspiele oder Pornographie haftbar machen. Es ist allerdings bewundernswert, wie sehr sich Frau Schwarzer bemüht, ihre längst revisionsbedürftige Definition vom 1960-er Feminismus und der Gleichstellung am Leben zu erhalten. Was mich schockiert ist denn auch ihr Umkehrschluss. Ausgerechnet ein integrierter Deutscher, der mit deutschen Rollenverständnis und deutscher Kulturprägung aufgewachsen ist, soll nun Beispiel sein für die innere, sexuelle Zerrissenheit der Deutschen und Schweizer. Und nicht nur das. Der Amoklauf sei nur der Anfang, lässt uns Frau Schwarzer wissen. Die Schläfer sind längst unter uns, denn jeder Mann ist ein potentieller Killer, dessen tödliches Potential jederzeit durch die Kränkung einer Frau ausgelöst werden kann.

Alice Schwarzer nähert sich langsam aber sicher dem unvermeidbaren Höhepunkt ihrer Forschung, der „Grande Theory“. Terrorismus als männliche Vergeltungsmassnahme gegen die Beherrschung der Welt durch die Frau.

Vielen Dank Frau Schwarzer, dass sie die Welt mit ihrem Artikel noch ein wenig dämlicher gemacht haben. Danke auch im Namen aller Beteiligten und Opfer, denen sie mit ihrer Analyse jede präventive Handlungsmöglichkeit absprachen. Niemand kann etwas dafür, als Frau auf die Welt gekommen zu sein. Dies war denn auch der einzige Fehler.