Agenda Setting im Bundeshaus

Wie funktioniert eigentlich Journalismus im Bundeshaus? Zugegeben, die Frage ist schon etwas älter und viel Neues gibt es nicht zu berichten. Roger Blum schreibt denn heute in der NZZ auch einmal mehr, was viele schon wissen. Sprich: Departemente suchen gezielt den Kontakt mit Journalisten und die Sonntagszeitungen sind dabei die bevorzugten Adressen. Umgekehrt halten viele Journalisten persönlichen Kontakt mit Pressesprechern und Departementsvorstehern. Soweit so bekannt.

Das wirklich Neue an Blums Studie geht im Artikel etwas unter, obwohl es von Interesse wäre. Zum einen zeigt sich, dass vor allem jüngere Journalisten nicht mehr so sehr den persönlichen Kontakt zu den Departementen suchen. Entweder hat im Bundeshaus ein Paradigmenwechsel stattgefunden, oder die Sitten verrohen:

„Kaum Kontakte zu leitenden Leuten der Verwaltung haben vor allem Bundeshausjournalisten, die noch nicht so lange in Bern sind. Die Kontakte sind jedenfalls dergestalt, dass viele Medienleute im Bundeshaus keinen einzigen höheren Bundesangestellten duzen, manche 3 bis 6. Oft, so wird erklärt, rühre das noch aus früheren Zeiten her.“

Welche Methoden Journalisten benutzen, deren Umgangsformen nicht „aus früheren Zeiten herrühren“ verschweigt uns Blum leider. Vermutlich schreiben die dann den Sonntagsblättern oder den Agenturen ab oder so.

Zum anderen zeigt Blum (und hier wird es wirklich spannend) zum ersten Mal detailliert, welche Departemente derzeit welche Affinitäten haben. Anhand persönlicher Interviews konnte er folgende „Achsen“ transparent machen.

Beobachtet wird eine Achse zwischen dem Departement Leuenberger und der «Sonntags-Zeitung». Den Departementen der Bundesräte Couchepin und Merz wird eine Affinität zur NZZ und zur «NZZ am Sonntag» nachgesagt. Das Finanzdepartement sowie das Volkswirtschaftsdepartement von Bundesrätin Leuthard hätten, so heisst es, viel Wohlwollen bei der Zeitung «Sonntag». Die Bundesanwaltschaft sei, als sie Probleme hatte, leicht beim «Sonntags-Blick» untergekommen. Das Verteidigungsdepartement von Bundesrat Schmid habe einen guten Draht zur NZZ und zum «Blick» gehabt. Das Bundesamt für Migration wiederum scheine eine enge Verbindung zur Fernsehsendung «10 vor 10» zu besitzen. Wenn es gegen das Departement von Bundesrätin Calmy-Rey gehe, sei die NZZ ein dankbares Gefäss.

Eine höchst interessante Form von Instrumentalisierung. Interessant (vielleicht auch eher „erniedrigend“) auch diese Formulierung eines Bundeshausjournalisten:

Wenn es darum geht, das Image eines in die Defensive geratenen Bundesrats zu verbessern, wird nach meinen Beobachtungen immer öfter die „Samstagsrundschau“ von Radio DRS 1 gewählt. Da kann ein Magistrat lang reden, ohne unterbrochen zu werden. Oft sind die Befrager suboptimal vorbereitet und gehen mit den Bundesräten pfleglich um.

Der Artikel zeigt meines Erachtens nach zwei Dinge: Erstens bestätigt sich einmal mehr, welches Medium welche politische Stammklientel bedienen kann und muss. Und zweitens zeigt sich: Instrumentalisierung ist im Bundeshaus keine rein journalistische Angelegenheit, sondern vermutlich eher eine politische.

Aber auch das sind, zugegeben, keine wirklichen Neuigkeiten.

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