Tagesarchiv: 12/02/2009

Ein kümmerlicher Nachtrag

Tom Kummer ist als Thema mittlerweile zwar etwas „verkümmert“. Trotzdem lässt mich die Sache nicht los, denn nun hat sich auch die WOZ zu Wort gemeldet (via).

Nach Hossli überarbeitet nun auch Carlos Hanimann den Kummer-Text akribisch und kommt zum Schluss:

Wenn Kummer schreibt, verlieren Schreibende die Nerven: Aus Ungenauigkeit wird Betrug, aus einer Metapher ein gefälschtes Zitat.

Das ist zwar lustig zu lesen. Wirkt dann allerdings etwas doof, wenn Hanimann ein paar Zeilen weiter findet, Kummer hätte eine zweite Chance erhalten weil er..

..ein guter Schreiber ist. Weil es mit Kummer und den Fakten so eine Sache ist, sollte er über die Super Bowl schreiben ­- ein TV-Ereignis, das vor allem Show und Inszenierung ist. Und wer kennt sich damit besser aus als Kummer?

Die WOZ braucht einen Mann für den Show-Effekt? Einen Mann, der..

..bis heute kein Faktenjournalist geworden ist. Deshalb ist er nicht Bundeshausjournalist (keine Angst: Er wird es auch nicht werden!).

Nun ist’s nicht mehr lustig, sondern doof.
Und dann legt Hanimann noch einmal richtig nach.

Die WOZ ist eine Zeitung, die für Fakten steht, Genauigkeit (vgl. Korrigenda auf Seite 14), preisgekrönte Reportagen, Interviews und Recherchen. Tom Kummer aber lesen wir nicht wegen der Fakten, sondern wegen des Spasses an temporeicher Schreibe.

Fazit: Die WOZ las ich bisher, weil ich FAKTEN und GENAUIGKEIT schätze.
Weil die WOZ-Redaktion bisher leider nur von korrekten und genauen, dummerweise aber spröden Journis durchsetzt war (das war ein Witz, für einmal aber von mir, gemerkt?), haben sie nun den Kummer geholt, damit es auch einen Grund gibt, die WOZ nicht nur zu BEWUNDERN sondern auch zu LESEN (das war ein Seitenhieb auf Nick Lüthi. Auch so ein dummer Witz von mir, gemerkt?)

Mediales Littering – Heute: Newsnetz vs. Oglobo

Nett, was Skinnheads in der Schweiz offenbar so anrichten können, ohne dass es jemand merkt? Merkwürdig auch, dass wir solche Bilder und Informationen aus brasilianischen Medien erfahren müssen.

Moment, das stimmt nicht ganz. Die Meldung war bei Newsnetz mal online. Ohne Zitate und ohne Nennung der Quellen.

30

Header Newsnetz 01:30

Dann hat aber auch Newsnetz geschnallt, dass die Infos nicht von der Stapo ZH kommen, sondern aus Brasilien.
Das ging allerdings gute 8h.

30

Header Newsnetz 09:30

Die schwangere Frau soll in Folge der rechten Attacke am Bahnhof Dübendorf ihre Zwillinge verloren haben. Im Spital wurde sie von der brasilianischen Botschafterin besucht, liest man zumindest bei Oglobo. So kam der Fall nach Brasilien und nicht in die Schweiz.

Irgendwas ist an der Geschichte faul. Und damit meine ich nicht, dass es sich laut TA/Newsnetz-Deutsch um den vermutlich falschen Bahnhof handelt: „in Artikel wird vom Bahnhof Dübendorf gesprochen, die Beschreibungen deuten aber auf den Bahnhof Stettbach hin„. Nein.

oglobo.globo.com

Misshandelte Frau Bild:oglobo.globo.com

Warum bitte können Nazis einer schwangeren Brasilianerin SVP-Initialen auf den Bauch ritzen und keine Sau bemerkt etwas? Waren das wirklich Nazis? Warum steht dann nicht AUNS sondern SVP auf ihrem Bauch? Wo sind die Hakenkreuze? Und warum bemerkt die Polizei, wenn ein Raser sein Video auf Youtube stellt – nicht aber, dass eine misshandelte Brasilianerin ins Spital eingeliefert (und von ihrer Botschafterin besucht) wird? Das Pflege-Personal ist in solchen Fällen verpflichtet die Behörden zu informieren.  Hier ging ganz offensichtlich einiges schief. Davon lese ich im betreffenden Artikel aber nichts. Newsnetz plappert einmal mehr nach, was andere schreiben.

Und nein, mein Name ist nicht Markus Somm. Und ich habe auch keine Schönfärber-Biografie geschrieben. Es geht lediglich darum mit solchen Meldungen noch etwas abzuwarten. Oder halt selbst zu recherchieren. Aber diese Devise kennt man bei Newsnetz nicht. Und ich würde sogar behaupten, diese Tendenz ist steigend.