Kummer is back – Wie der grösste Lügner der Schweiz eine zweite Chance erhielt

Tom Kummer, der wohl beste Journalist Lügner den die Schweiz je hatte, ist offenbar wieder zurück im Business. Für die WOZ durfte er diese Woche aus den USA, wo Kummer seit dem GAU lebt, über den Superbowl berichten.
Die WOZ scheint Kummer offensichtlich zu vertrauen. Sicherlich keine einfache Entscheidung, in Anbetracht der Tatsachen, dass Kummers letzte Kunden (Poschardt & Kämmerling) genau aus diesem Grund ihren damaligen Job verloren haben und die BZ bereits mit einem ähnlichen Comeback schlechte Erfahrungen gemacht hatte.

Insofern gratuliere ich der Zeitung „Sonntag“ (bzw. Peter Hossli) zur Idee, Kummers Text auf Fehler und Unstimmigkeiten zu überprüfen. Blöd nur, dass sie etwas schludrig umgesetzt wurde. Die Zitate beispielsweise hätte man mit einem einfachen Telefonanruf kontrollieren können, auch ein Archiv und Google sind nicht allwissend. Naja, Hossli wird seine Gründe gehabt haben, wieso er es nicht tat.

Aber zumindest in Ansätzen wird klar, dass Kummer nach wie vor eher unkonventionelle Recherche-Methoden benutzt. Hossli schreibt in diesem Zusammenhang gar wieder von Lüge.

Die WOZ bestreitet die Vorwürfe in einer ersten Stellungnahme. Kummer selbst war offenbar nicht zu erreichen. Da bin ich ja mal gespannt, ob Kummer in den nächsten WOZ-Ausgaben wieder als Autor auftaucht. Ich denke mal eher nicht.

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14 Antworten zu “Kummer is back – Wie der grösste Lügner der Schweiz eine zweite Chance erhielt

  1. Pingback: Kummerbuben « Journalistenschredder…

  2. Wenn wir uns schon mit Tom Kummer befassen, dann bleiben wir doch bei den Fakten: Kummer erhielt in der Schweiz seine zweite Chance bereits Ende 2000, also im gleichen Jahr, da er sich von SZ und Magi verabschieden musste. Die Schweizer Post hatte ihn damals als Kolumnist für ihr längst verblichenes Portal yellowworld engagiert. Siehe: http://bit.ly/5ZGV Und ein weitere „zweite Chance“ erhielt er in der Schweiz vom Bund in Bern. Seit Herbst 2007 verfasst er für die Samstagsbeilage „Der kleine Bund“ regelmässig Reportagen aus L.A. Google hilft auch hier. Der Auftritt bei der WoZ wäre nach meiner Rechnung die vierte Chance.

  3. Dose E.S.K

    Richtig, das ist mir entgangen. Es handelt sich folglich um Kummers vierte Chance. Allerdings würde mich noch interessieren, wie zuverlässig Kummers Arbeiten für den „Kleinen Bund“ waren. Weisst du da mehr?

  4. Kummer ist Kummer. Was er unter Journalismus versteht, konnte man 1997 in seinem Buch „Good Morning Los Angeles“ nachlesen – drei Jahre vor dem „Skandal“. Seither hat sich wohl nicht viel geändert bei ihm. Einmal Borderline, immer Borderline. Ob man das nun angesichts der allgemeinen Sittenverluderung im Journalismus schlimm findet, sei dahin gestellt. Tatsache ist: Kummer handelte nach Ansage. Wer es wissen wollte, wie er tickt, der konnte es wissen. Alles andere zu behaupten wäre naiv. Ich bin der Letzte, der bei Kummer mit der Lupe nachrecherchieren würde, was nun faktisch stimmt und was nicht, um danach hämisch rauszutrompeten: Gelogen! Das finde ich nur bigott und peinlich. Daher ist es mir egal, „wie zuverlässig“ Kummers Arbeiten für den Bund waren. Ich habe sie allesamt gelesen, und fand sie mehr oder weniger gelungene Unterhaltung. That’s it.

  5. Dose E.S.K

    Nur um das noch klarzustellen – Ich bin nicht grundsätzlich gegen Kummer. Ich halte den Berner für einen grossartigen Schreiber, einfach nicht für einen grossartigen Journalisten. Daher hat er meiner Meinung nach in dieser Sparte nach wie vor nichts verloren.
    Und wenn ich mich schon dazu bequeme, Kummer zu googeln, dann möchte ich im Zusammenhang mit dieser Geschichte auch noch auf ein Interview aus dem Jahre 2005 hinweisen. Liest sich doch – aus aktuellem Anlass – ganz gut.
    http://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=51140

  6. tja, da ist das wiedereingliederungsprogramm von der woz ja voll in die hosen gegangen. ein peinlicher vorgang. nicht weniger peinlich ist kummer selbst. er kommt mir vor wie ein serieller verbrecher, der konstant versucht, einen job als staatsanwalt zu bekommen.

  7. Tom Kummer ist einer der besten Schreiber der letzten 20 Jahre. Wer ihm immer nur seine mangelnde Recherche oder seine Konstruktion von Realität vorwirft, hat nicht verstanden, dass er gar kein seriöser Journalist sein will, sondern sich eher in der Tradition eines Hunter S. Thompson und des „New Journalism“ sieht. Sehr erhellend ist seine Autobiographie „Blow up“, in der er seinen Ansatz anschaulich erklärt.
    All die Journalisten, die Kummer immer wünschen, niemals wieder einen Auftrag zu bekommen, sollten erst einmal einen Artikel abliefern, der nur annähernd so unterhaltsam und gut geschrieben ist wie die besseren Stücke von Kummer.

  8. Dose E.S.K

    Langsam nervt es, das Nick-Lüthi-Mantra vorgerappt zu bekommen. Was wäre, wenn Tom Kummer selber soviel Anstand hätte, Aufträge anzunehmen, die seinem Genre entsprechen – anstatt vom Leser zu erwarten, dass er zwischen „seriösem“- und „boderline“-Jounralismus unterscheiden kann (nur um anschliessend in Interviews sein Missverständnis zu beklagen)? Solange Kummer als seriöser Journalist kolportiert wird (was bei der WOZ, nach der BZ wieder einmal der Fall war), sind Geschichten wie die von Hossli durchaus berechtigt.

    Und ja, ich habe Kummers „Blow“ auch gelesen. Ja, es ist toll. Ja, der Typ kann schreiben.

    Und nein, nicht jeder Schreiber ist auch ein Journalist. Genau so wenig wie „Unterhaltsamkeit“ das massgebende Kriterium qualitativen Journalismus sein sollte.

  9. Die Frage ist doch: Hat er mit Absicht gelogen, oder sind ihm ein paar Flüchtigkeitsfehler unterlaufen? Und Hossli über seinen direkten Konkurrenten schreiben zu lassen. Naja…

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