Boulevard heute – Ein Leitfaden

Letzthin bin ich auf ein Blog gestossen, das besagt, dass der Blick am Abend wohl bald zum „Blick am Ende“ führen werde. Die nachvollziehbare Begründung: Es gäbe keinen Grund mehr, das einstige Flaggschiff der Schweizer Zeitungslandschaft zu lesen. Die guten Geschichten fehlten, die Zeitung liefere keinen Gesprächsstoff mehr – kurz: es stehe nichts mehr drin, was man wissen müsse.

Gegen diese These habe ich nicht viel einzuwenden. Höchstens vielleicht, dass es seit dem Themen-Relaunch nicht wesentlich besser geworden ist. Daher haben wir beschlossen, dem Blick etwas Hilfe anzubieten. Es gibt sie nämlich, die guten Geschichten aus der untersten Schublade. Dumm nur, dass dies beim Blick niemand merkt.

So findet sich beispielsweise im Jahresbericht des Berner Kantonschemiker soviel unappettitliches zum Thema „essen sie doch mal wieder aufwärts“, dass es locker für eine ganze Blick-Serie reichen würde. Die Berner Zeitung hat´s gemerkt und mir genüsslich den Magen verdorben:

Höchstwahrscheinlich wurden die Noroviren aber durch die Kleider eines Kellners übertragen: Eine Person aus der ersten Gruppe musste im Bereich der Toiletten erbrechen, weil sie diese nicht mehr rechtzeitig erreichte. Ein Kellner wischte das Erbrochene zwar umgehend auf. Weil er aber dringend im Service gebraucht wurde, konnte er seine Kleider nicht wechseln.

Ich sehe schon die Schlagzeile: Der Grüsel-Kellner von Bümpliz – herrlich. Ein weiteres Beispiel gefällig?

In einem anderen Restaurant fanden Gäste bei einer kalten Platte Spuren von Blut auf Schinken und Aufschnitt. Gegenüber dem Lebensmittelkontrolleur gab der Küchenchef zu, dass er sich bei der Zubereitung geschnitten habe. «Von der Weisung, Wunden zu verbinden und die verletzte Hand mit einem Handschuh zu schützen, hatte er angeblich nie etwas gehört», schreibt Deflorin. Die Gäste wollte er mit einem Essensgutschein entschädigen.

Essensgutschein, härzig.

Soviel zur inexistenten Blickserie über die hässlichsten Restaurants im Kanton Bern. Dies ist aber bei weitem nicht die einzige Geschichte, die wir für den Blick auf Lager hätten. Auch aus der Sparte „jö aber nei au“ gibt es etwas zu berichten:

Gestern bereits verkündete das Regionaljournal Basel, die SBB mache ernst und verbiete den „Surprise-Verkäufern“ im Bahnhof Basel das Maul. Zeigen ja, schreien nein lautet die Devise. Wer einmal in Basel war, der weiss: das trifft einen Verkäufer besonders hart. Der Mann steht seit Jahren praktisch jeden Tag am Bahnhof und schnarrt „Suuuurprise – Straaaaaassemagggadzin“. So soll er fortan schweigen. Nur: Das Schweigen gilt nicht für alle. So berichtet heute die Basler Zeitung, dass die Fasnachts-Plaketen-Verkäufer fortan neben dem Surprise-Verkäufer stehen und die Passanten weiterhin anplärren dürfen – temporär zwar nur, aber trotzdem.

Gewusst wie: Gleiches Recht für fast alle – eine klassische Blick-Geschichte.

Übrigens: Sollte auch nur ein Neuntel meiner Ideen fremdverwendet werden, verlange ich Honorar und klage alles was sich bewegt in Den Haag ein.

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