Monatsarchiv: Februar 2009

Energy: Der Feind meines Feindes ist auch mein Freund.

Der Zürcher Radio-Streit geht in eine neue Runde. Und je nach Standpunkt klingt es nach Etappensieg oder nach Niederlage für Radio Energy. Für Dani Büchi ist die Nachricht, dass keine vierte Frequenz machbar sei offensichtlich ein Grund zum Feiern. Schliesslich hätte das UVEK zugegeben, dass ein zusätzlicher Sendeplatz unter Umständen möglich wäre. Für das UVEK aber ist aus rechtsstaatlichen und medienpolitischen Gründen nach wie vor klar, dass an den vergebenen UKW-Konzessionen nicht gerüttelt wird.

Interessant ist, dass die TA-Media in diesem Streit offensichtlich Sympathien für die Radiokonkurrenz zu entwickeln beginnt. Während alle anderen Zeitungen fürs Erste die Agentur-Meldung veröffentlichten, schrieb der Tages Anzeiger einen eigenen Artikel. Beginnt die SDA-Meldung noch mit: „Für den Grossraum Zürich steht keine vierte Sendefrequenz zur Verfügung“, heisst es im Tagi: „Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern des Bundesamtes für Kommunikation (Bakom), zwei unabhängigen Frequenzspezialisten und einem Energy-Vertreter kommt zum Schluss, dass eine vierte Frequenz «grundsätzlich technisch machbar ist». Dies geht aus dem Bericht hervor, der dem TA vorliegt.“

Bleibt die Frage, warum der Tages Anzeiger, der mit Radio24 eine eigene Station betreibt, dem Ringier-Verlag hier Schützenhilfe bietet. Geht es darum, Medienminister Leuenberger die gelbe Karte zu zeigen? Oder wird im Kampf gegen das Radiomonopol der SRG selbst der Feind zum Freund?

Google killt Rocky Mountain News

Die USA sind ja immer etwas weiter in der medialen Entwicklung als wir alten Europäer. Während diverse Medien berichten, dass Google im Medienkrieg den Ton verschärft und neuerdings Werbung auf seinem zusammengeklauten US-Newsportal schaltet, ging gestern die älteste Zeitung von Colorado, die „Rocky Mountain News“ hops. Immerhin ein Blatt mit einer Auflage von 200’000 Exemplaren. Gleichzeitig legt die L.A. Times die Kultur- und Unterhaltungsressorts zusammen. Man wolle sich jetzt mehr auf die Berichterstattung aus Hollywood konzentrieren.

Sicherlich, Google ist nicht direkt Schuld an den Ereignissen. Die Wirtschaftskrise beschleunigt hier einen Prozess, der so oder so gekommen wäre. Aber Google trägt zumindest indirekt einen Teil der Verantwortung.  Denn Zeit diesen Prozess zu steuern, bleibt aufgrund der finanziellen Not derzeit kaum.

Soll der Staat die Printmedien retten?

Wir quacken ja an dieser Stelle gerne mal über die kommende Fastenzeit in der Schweizer Medienbranche. Wir sind allerdings nicht die Einzigen. Auch Rainer Stadler, Medienredaktor der NZZ quackt etwas mit.

Zwei Sachen haben mich dabei zum Nachdenken gebracht. Da beschwört Stadler die kommende Veränderung: „Der Ausleseprozess wird schon bald den Blätterwald drastisch auslichten. Es entsteht eine andere (Medien-)Schweiz„. Aber ein NZZ-Stadler wäre kein NZZ-Stadler wenn er selbst am Rande des gähnenden Abgrunds noch schreien würde: „Wo die Not wächst, ertönt umso schneller der Ruf nach der helfenden Hand des Staats. Sie brächte allerdings kein Heil, sondern schüfe neue unerwünschte Abhängigkeiten„. Konsequent bis zum Untergang.

Das zweite was mein Gehirn angeregt hat, ist die Replik von Norbert Neininger-Schwarz. Gesundheit? Das ist der Chefredaktor und Verleger der Schaffhauser Nachrichten. Neininger-Schwarz fordert in der heutigen NZZ Staatshilfe für die Printmedien. Etwas schüchtern zwar noch, aber doch offensichtlich. „Die missliche Lage haben Politiker erkannt, und wir können damit rechnen, dass bald Förderungsmassnahmen diskutiert werden, die mit staatlicher Einflussnahme einhergehen.“ Er nennt dies: „Den Bannwald der Demokratie schützen„.

Also, nur damit mein Kopf das richtig verstanden hat: Auf der einen Seite brüllt das Volk danach die Billag abzuschaffen und die staatliche Unterstützung für die SRG zurückzufahren. Auf der anderen Seite sehen sich die kleinen Schweizer Medienverlage bereits so an die Wand gedrängt, dass sie im liberalen Flaggschiff der Schweiz nach staatlicher Unterstützung weinen, nur weil sie glauben, Information wäre ein staatstragendes Gut?

Interessante Innenansicht einer dekadenten Berufsgruppe. Zum einen, ja. Zum anderen ist das aber auch ein Problem für die gesamte Schweizer Bevölkerung. Ich kann nur noch einmal darauf hinweisen, dass die TA-Media durch die Wirtschaftskrise zur grossen Gewinnerin wird. Es entsteht mit immer grösserer Wahrscheinlichkeit ein Meinungsmonopol, dass von Zürich aus diktiert werden wird. Und das ist, Liberalismus und Staatshilfe hin oder her, kein praktikables Szenario. Weder für die Politiker noch für die Bevölkerung. Es reicht, wenn wir bereits bei Radio und TV zwei Monopolisten haben. Ich fordere keine Staatshilfe, sondern intelligenten Medienkonsum. Um 20Minuten oder NEWS zu ignorieren braucht es keinen Uni-Abschluss oder ein dickes Porte-Monnaie, sondern nur etwas Willen.

Idiot des Tages: Ottmar Hitzfeld & Newsnetz

Ich weiss, TA-Media-Boykott und so.. Aber da kann ich einfach nicht anders. Wenn der Depp nicht mal ein iPhone richtig in die Kamera halten kann..

Der Depp kann sein iPhone immer noch nicht richtig in die Kamera halten. Und die Newsnetz-Deppen schmücken sich offensichtlich gerne mit fremden Federn.

Ich geh jetzt für meinen Frevel büssen und lege ein paar alte 20Minuten in die Boxen vor meinem Haus.

Markus Kavka vs. die Blog-Klauer

Es gibt ein paar Dinge im Leben, die mir Halt geben. Zum Beispiel, dass Blogger uns gerne den einen oder anderen Beitrag klauen, oder dass Markus Kavka zwar älter wird, aber nicht uncooler. Und das, obwohl er bis vor kurzem nicht einmal einen Laptop, geschweige denn ein Facebook- oder Myspaceprofil besass.

Die Blogger klauen zwar munter weiter, Markus Kavka aber ändert seine Taktik. Ab morgen präsentiert er seine neue Online-Sendung „Kavka vs. The Web„, eine Art Myspacer der Woche, eine Nabelschau für Armleuchter, offiziell abgesegnet von Microsoft. Zuerst dachte ich, ich hätte mich verhört. Dieser hodenrasierende Berufsjugendliche (das sind seine Worte, nicht meine), der seine Freizeit bisher in Plattenläden und schummrigen Lokalen verbrachte, der immer auf der Suche nach neuen Bands und schrägen Subkulturen war, verbringt seit ein paar Monaten die meiste Zeit online. Und das auf richtig uncoole Art und Weise. Er added praktisch jeden Penner der ihn auf Myspace anklickt, hört sich bei LastFM durch neue Musik und durchstöbert das Netz nach unbekannten Bands. So wie ein richtiger Nerd halt. Mit Rock’n’Roll à la Kavka-MTV-News hat das wenig zu tun.

Wenn die letzten Bastionen, die einem im Leben halt geben, fallen, dann ist es Zeit sein Konzept zu überdenken. Vielleicht sollte ich auch einfach anfangen, mir meine Blogs zusammen zu klauen.

Frühjahrsputz mit Mohammed Grübel

Im Leben kann es manchmal schnell gehen. Eben noch lamentierte Marcel Rohner im Club des Schweizer Fernsehens, nun lässt ihn der UBS-Verwaltungsrat fallen. Sein Nachfolger wird, oho, Oswald Grübel. Der pensionierte „I’ll be back“-Mann im Bankenbusiness.

Von den Zeitungen wird Grübel als Manager gefeiertder die CS vor dem Schlimmsten bewahrt“ hat. Hauptsächlich ihm sei es zu verdanken, dass die Schweizer Grossbank nicht ganz so stark zur Kasse gebeten wurde, wie die direkte Konkurrentin. Dass auch Grübel die Krise völlig falsch eingeschätzt hat, wird heute nicht mal von der NZZ erwähnt. Noch im Oktober 2008 empfahl er den Lesern der Handelszeitung: „Kaufen sie jetzt„, „der Markt wird um 30% steigen“ und „die Schweiz wird als Gewinnerin aus der Krise hervorgehen„. Ein Thor wer ihm glaubte.

Dieser zu Recht pensionierte Prophet soll nun also die UBS aus der „Vertrauenskrise“ führen, wie der Verwaltungsrat meint. Grübel gilt gemeinhin als Hardliner. Als einer, der einen Betrieb auch mal komplett umkrempeln kann. So gesehen ist das „UBS-Memo“ von heute früh die Ankündigung eines rigorosen Frühjahrsputzes. Damit dürfte wieder etwas Ruhe bei der UBS einkehren. Zumindest solange Mohammed Grübel ausschliesslich den Putzeimer fest in der Hand hält.

Blöder mit Blick – heute: Die Wahl des neuen Armeechefs

Diese Story musste einfach ins Auge gehen. Nicht, dass wir das nicht geahnt hätten.. Wir wollten einfach noch einmal darauf hinweisen, dass der Blick absolut kein visionäres Potential  mehr hat. Diese Zeitung ist Geschichte.

Und weils so schön war, gibt´s das Highlight im Replay:

Aber BLICK weiss schon jetzt: Gewählt wird Divisionär Hans-­Ulrich Solenthaler, der Wunschkandidat des neuen VBS-Chefs Ueli Maurer.

Wenn der Messias keine Wunder mehr vollbringt..

Wenn Schweizer Verlagsleiter an Podiumsgesprächen über das Medium „Internet“ und die Zukunft der Zeitungsbranche sprechen, fällt mindestens einmal das magische Wort „Spiegelonline“. Wie Excalibur trohnt SPON jeweils über dem geknickten Haupt der Zeitungsbranche, bereit mit seinem Glanz Morgan Le20Minuten und mit ihr das Übel der neuen Welt zu vertreiben. SPON sei die Zukunft, SPON sei der Beweis, SPON sei der Messias, der uns aus der Anzeige-Misere führen werde, in welche uns Gratiszeitungen, Wirtschaftskrise und das Web 2.0 gerissen haben.

Was mich jeweils erstaunt: Selbst gestern, letzte Woche oder letzten Monat war SPON noch immer der unwiderlegbare Beweis dafür, dass es auch in Krisenzeiten mit investigativem Journalismus vorwärts gehen kann. Wenn ich solche Aussagen höre, frage ich mich: Wie schlimm muss es eigentlich noch kommen, damit diese Lüge endlich enttarnt wird? Mal ganz abgesehen davon, dass weder Wanner, Ringier noch die TA-Media die Mittel, die Qualität und das Publikum von SPON zur Verfügung haben, häufen sich in letzter Zeit die Meldungen, dass es auch beim Spiegel nicht mehr all zu rosig aussieht. Der Kioskverkauf ist eingebrochen, der Anzeigenumsatz ging in den letzten Monaten markant zurück und gestern beweinte auch Ove Saffe, Verlagsleiter beim Spiegel zum ersten Mal die Wirtschaftskrise mit den Worten: „Es wird noch viel schlimmer werden, als wir es uns bisher vorstellen können„. Und er ergänzte: „Wir müssen in Zukunft mit deutlich weniger Geld auskommen, ohne dabei an der journalistischen Qualität des Blattes zu sparen„. Wenn selbst der Messias mit Floskeln um sich schmeisst, müssten die Jünger langsam Angst kriegen.

Wer also immer noch glaubt, der berner Bund habe im Moment eine Zukunft, Vogt-Schild plane einen raschen Einstieg in Bern oder die Basler Zeitung werde auch nächstes Jahr noch unabhängig erscheinen, der sollte endlich aufwachen. Wenn selbst der Messias beim Gehen übers Wasser einsinkt, wäre es Zeit für ein neues Weltbild und eine neue Religion.

Schnäppchen des Tages

Ich hätte nicht gedacht, dass diese Rubrik im Blick am Abend mal von Nutzen sein könnte..

ubs

Letzter bezahlter Kurs am Dienstagabend: 9.85 CHFr

„Gioia flennt“ – Gölä auch

Das erste Mal seit dieser Retorten-Mist im TV läuft gab’s was zu lachen. Zum einen verdanke ich das dem Produzenten der Basler Zeitung, der in Sachen Titelwahl nicht nur Björn Hering, Franka Potente und dem Schweizer Fernsehen ans Bein gepinkelt hat, sondern auch Thomas D, den Castingformaten und allen minderjährigen Möchtegern-Stars.
Zum anderen gebührt der Dank aber auch dem Musiker Göla, der nun, so lässt seine Reaktion vermuten, mit Gioia im Akkord flennt. Schön finde ich auch, dass Göla heute der Aargauer Zeitung sagte: „Die Gefahr ist jetzt sehr gross, dass die Sendung verkommt“. Ja, dieser Leuchtturm an Qualität und Fairness steht nun im Bunde des Bösen, welch Schande!

So schliessen wir mit einem Zitat des Handwerkers, der da ernsthaft sagte: «Ich muss mir jetzt überlegen, ob ich noch mitmachen will. Auf jeden Fall muss etwas geschehen, damit so etwas nicht noch einmal passieren kann.»

Herr Sven Sarbach, wir hätten auch schon eine Idee: Am besten sie schaffen die Kiste einfach ab. Konsequent, effizient und gratis.

Update 1800: Wenn Sven Sarbach nicht hinkriegt was man fordert, kann man zum Glück auf Göläs „Büezerhärz“ vertrauen. Der Musiker hat sich  soeben selber aus der Jury geworfen. Es muckt mich das zu zugeben, aber das war schon fast sympathisch.