Tagesarchiv: 13/01/2009

Restrukturierung des TA: Bürde oder Chance

Seit das Medien- und Kommunikationsportal „persönlich.com“ die neusten Erkenntnisse zur Weiterentwicklung des Tages Anzeigers veröffentlicht hat, findet online wieder einmal ein gross angelegtes „ohjemine“ statt. Notabene eines, an dem wir auch noch Mitschuld tragen, obwohl dies mit dem Tages Anzeiger überhaupt nix zu tun hat. Verbrochen haben das Übel die Basler Kollegen.

Die Fragen, welche nun (schon seit einigen Tagen, siehe Schweizer Journalist) im Raum stehen, sind:

– Was wird aus dem Tages Anzeiger werden?

– Was ist der Tages Anzeiger heute?

– Und ist das alles wirklich so schlimm?

In einem interessanten und berechtigten Einwand schreibt Martin Hitz:

Ich bin eigentlich eher der Ansicht, dass der “Tagi” in letzter Zeit besser (”überraschender”) geworden ist. Jedenfalls kommt es seit einigen Monaten immer wieder vor, dass ich den einen oder anderen Text ganz lese. Geht das nur mir so?

Ich teile diese Ansicht. Durch und durch. Peter Hartmeier hat 2008 einen glänzenden Job geleistet. Der Tages Anzeiger ist wieder lesbar, interessant und relevant geworden. Und das betrifft nicht nur den TA. Ich finde, die ganze (sagen wir: ein Grossteil der) Schweizer Medienszene hat 2008 qualitativ an Substanz zugesetzt. Namentlich etwa die Berner Zeitung, die Südostschweiz und der Sonntag. Und vor dieser Leistung ziehe ich den Hut.

Zur zweiten Frage: Was wird aus dem Tages Anzeiger werden. Auch hier möchte ich auf eine von Hitz´s Aussagen zurück kommen:

Was die Totalvertrashung angeht: Wenn die Klickraten nur *ein* Indikator unter vielen sind, muss das so schlimm ja auch wieder nicht herauskommen. Im Print können die “geilen” Newsnetz-Stories durch Eigenrecherchen, Hintergründiges und/oder Analysen vertieft (so es denn etwas zu vertiefen gibt) und “veredelt” werden. Es arbeiten ja nicht nur Deppen beim “Tages-Anzeiger”.

Auch diese Erkenntnis ist völlig richtig und wird bereits heute Versuchsweise praktiziert. Kein Verlag kann so blöd sein und einige der versiertesten schweizer Journalisten (Büttner, Seibt u.a.) mit einem neuen Konzept „entmachten“. Es kann durchaus sein, dass man durch die Verschlankung den Mantelteil noch etwas besser um diese Schlüsselfiguren positionieren kann. Man entschlackt die Strukturen, baut dadurch etwas an Volumen ab und macht den Tages Anzeiger dynamischer.

Die letzte Frage wäre: Klingt dies denn alles so schlimm?

Nein. Tut es nicht. Das einzig wirklich einschneidende Grossereignis in diesem Jahr dürfte die Fusion von Bund und TA sein. Im Vergleich dazu haben die anderen Redaktionen ein gutes Leben. Eine Veränderung, wie im Falle des Tages Anzeigers, ist wohl eher als Herausforderung denn als Strafe anzusehen und, nicht zu vergessen, solche Anpassungen kommen im Mediengeschäft immer wieder. Wer dies von Anfang an als Negativereignis sieht, hat verloren und sollte nach Nordkorea auswandern. Dies ist eines der wenigen Ländern, in denen es für Veränderungen auf Redaktionen keinen Grund gibt.