Mediensolidarität – oder rette sich wer kann

Schon seit einigen Wochen kursieren auf diversen Ringier-Redaktionen so genannte „Energy-Petitionen“. Diese, in mieser Qualität fotokopierten Gesuche sollen die Regierung mittels Unterschriften überzeugen, Radio Energy doch noch eine Konzession zu geben.

 

Auf die Frage, aus welchem Grunde man diese Petition unterschreiben soll, habe ich bisher von Chefredaktoren folgendes zur Antwort erhalten:

 

„Wir wollen die Kollegen doch jetzt nicht hängen lassen.“

 

„Die geben sich so Mühe und kämpfen so verbissen um eine Konzession. Die haben das verdient“.

 

„Die tun mir leid“.

 

Auf die Frage ob die betreffenden Chefredaktoren denn auch Radio-Energy hören, kamen bisher folgende Antworten zusammen:

 

„Nein“

 

„Nein“

 

„Ich habs mal probiert, aber das funktioniert bei mir im Internet nicht“.

 

Auf meine Frage, ob es nicht das grösste Kompliment für einen Radiomacher sei, wenn man sein Programm auch tatsächlich höre und nicht, wenn man einen Wisch unterschreibe, der einem von der Chefredaktion aufgedrückt werde, habe ich keine Antwort erhalten.

 

Immerhin hat nun der Zürcher Regierungsrat ein Einsehen und hat die Petition (der Regierungsräte) fürs Erste mit einem Fusstritt in den Äther befördert. Zu recht, wie ich finde, denn ich bleibe dabei. Das Konzessionsgesuch von Energy-Chef Dani Büchi ist so dermassen schlecht, das alles andere als eine Absage blanker Hohn gewesen wäre. Zumindest für alle jene, die etwas mehr als Copy-Past-Methoden angewandt haben, um ihr Formular mit Worten zu füllen.

 

Seit dieser Woche nun kursiert eine ähnliche Petition im Netz. Allerdings unterstützt sie nicht Radio-Energy, sondern den Berner „Bund“.

Der „Bund“ musste sich allerdings nicht um eine Konzession bewerben. Nein, dem „Bund“ wird mit grosser Wahrscheinlichkeit aus rein wirtschaftlichen Gründen der Hahn zugedreht. Obwohl er einer entsprechenden Qualitätsprüfung in konzessionsähnlicher Weise durchaus standhalten würde, wenn es denn eine gäbe.

 

Die Konzession kommt denn auch nicht vom Bund selbst, sondern von einem unabhängigen Unterstützungskomitee. Niemand bei der Espace-Media wird von der Chefredaktion aufgefordert, diese Petition zu unterzeichnen. Auf solche Ideen kommt man in Bern (noch) nicht. Auf meinen Hinweis, man könnte bei Ringier, wenn man schon fleissig sammle, doch auch dieses Ansinnen unterstützen – das seien ja auch Kollegen, habe ich bis heute keine Antwort erhalten.

 

  

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7 Antworten zu “Mediensolidarität – oder rette sich wer kann

  1. räusperer

    du findest also, chefs, die vom konzern vorletzte woche grade wieder gezwungen wurden, x mitarbeiter zu entlassen und auf irgendeine art versuchen mitzuhelfen, 60 weitere stellen im konzern zu retten, wie’s halt irgendwie in ihrer macht steht (mit der petition nämlich) sollen sich jetzt auch noch petitionen von konzernfremden kollegen unterstützen?

    damit will ich nicht sagen, dass ich sie nicht unterschrieben habe, btw.

    aber what’s your point? ich hätte dir wohl auch nicht geantwortet.

  2. Dose E.S.K

    Mein Punkt ist:
    Man wird bei Ringier gezwungen (Mitarbeiter) eine Petition zu unterschreiben (Energy), obwohl der Verlust der Konzession total selbstverschuldet ist.

    Oder falls dir das nicht klar genug war: Warum sollte ich den Fehler von Dani Büchi ausbaden? Dazu sehe ich keinen Grund. Der Erhalt einer Radiostation alleine aus der Motivation des Konzern-Denkens kann kein Argument sein. Es sei denn, du heisst Marc Walder. Falls dem so sein sollte, bitte, dann gib dich auch zu erkennen.

    Gerne weise ich in diesem Zusammenhang noch einmal darauf hin, dass durch die Vergabe der Konzession an Scaglione wieder neue Jobs geschaffen werden. Es handelt sich dabei statistisch gesehen also nicht um einen Verlust von Arbeitsplätzen, sondern höchstens um eine Verlagerung. Zumal noch dämlicher als Energy zu klingen selbst für einen Untoten wie Scaglione noch schwer sein dürfte. Ein Argument, das beim Bund leider nicht verfängt. Es sei denn, ich weise noch einmal darauf hin, du heisst Marc Walder.

  3. Pingback: 6 vor 9: Wintour, Wintersport, Glitzerwelt » medienlese.com

  4. räusperer

    ich heisse nicht walder, kollege :)

    bei mir wurde halt niemand zu gar nichts gezwungen. da hätt ich mich auch gewehrt, verstehe dich vollkommen. ich hab auch nicht unterschrieben, btw. dass die rumliegen, kann ich aber verstehen.

  5. Na ja, mutig, dieser Post. Schon Schawinskis massendemos für Radio 24 seinerzeit fand ich eine betrübliche Massenhysterie. Aber das war immerhin das erste Piratenradio der Schweiz. Radio NRJ ist nur eines von vielen „Radio Gaga“.

  6. Pingback: Rettet das Bund! « Hose&Dose

  7. Pingback: Energy: Der Feind meines Feindes ist auch mein Freund. « Hose&Dose

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