Monatsarchiv: November 2008

Weinreich gegen Zwanziger

Es gibt Dinge in der Welt, bei denen dermassen klar ist, was richtig und was falsch ist, dass ein anhaltender Streit darüber, wer nun recht hat, beim Beobachter nur ratloses Kopfschütteln auslösen kann. So geht es mir bei der seit Wochen anhaltenden Auseinandersetzung zwischen Jens Weinreich und Theo Zwanziger.

In Kürze: Weinreich ist Sportjournalist, Zwanziger Fussballfunktionär. Weinreich hat Zwanziger als Demagogen bezeichnet. Zwanziger hat Weinreich deswegen verklagt und ist damit vor zwei Instanzen abgeblitzt. Zwanziger will es nun an eine dritte Instanz weiterziehen, an der er früher selbst Richter war und zu der er offensichtlich noch Kontakte pflegt.

Was diese Kurzzusammenfassung nicht wiedergibt, ist das Mass der Dummheit und Frechheit, mit der in diesem Fall versucht wird aus einer vermeintlichen Machtposition heraus einen lästigen und vermeintlich machtlosen Journalisten mit allen Mitteln mundtot zu machen. Ich verspreche jedem, der sich auf Weinreich’s Blog zu diesem Thema umsieht, eine packende Geschichte bei der das Stimmungsbarometer zwischen Heiterkeit, Ratlosigkeit und Entsetzen wild osziliert.

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Idiot des Tages: Pascal Couchepin

Während der Schweizerische Bundespräsident dem toten türkischen Pascha huldigte, lobte der türkische Verteidigungsminister Vecdi Gönul die Vertreibung von Griechen und Armeniern unter Atatürk.

sürmek?

Was der Dolmetscher da wohl übersetzt hat.

Fairness-Garantie

In Basel steht die Fussball-Welt mal wieder Kopf. Schuld ist Daniel Briel aus Wallisellen, der die geniale Idee hatte, seine neue Autoversicherung auf Kosten der Basler Fanarbeit zu bewerben.
topelement
Das Inserat wurde mittlerweile zurück gezogen, im Netz diskutieren Fans, ob der Besitzer eines randalierten Porsches mit Zürcher Kennzeichen auch wirklich so einfach an sein Geld kommen würde, wie die Werbung verspricht und in Basel hat sich Herr Briel den Status einer Persona non Grata definitiv mehr als verdient.

Immerhin sind die Basler Junioren nun um 10’000 Franken reicher. Hehe.

Wenn Studenten Primeure schreiben – Der TA und das Bankgeheimnis

Heute titelt der Tages Anzeiger in seiner Printausgabe: „CIA überwacht Bankzahlungen von Schweizern – Bundesrat und Banken haben falsch informiert“. Klingt nach einer grossen Geschichte, doch der Text beruht lediglich auf einer Behauptung. Der vermeintliche Primeur entstammt der Feder eines 26-jährigen Studenten aus Genf, der noch nie zuvor einen Satz geschrieben hat. Questions anyone?

Beginnen wir vorne. 2006 deckt die NY-Times auf, dass die CIA seit den Anschlägen vom 11. September 2001, die so genannten S.W.I.F.T.-Transaktionen überwacht. Dies betrifft in der Schweiz vor allem den internationalen Zahlungsverkehr, der auch hierzulande über SWIFT abgewickelt wird. Das führte im Juni 2006 zu Diskussionen in der schweizer Presse, in den Parteien und vor allem im Bundesrat, inwiefern diese Überwachung das Schweizerische Bankgeheimnis gefährde. Wir erinnern uns, die offizielle Kommunikation lautete: Das Bankgeheimnis innerhalb der Schweiz ist nicht in Gefahr, da der Inlandverkehr über das SIC-System, einem vom SWIFT-Verfahren losgekoppelten System, abgewickelt werde. Wer allerdings Geld ins Ausland, sprich per SWIFT überweist, wird vom CIA gescannt. Wie gesagt: Offiziell. Inoffiziell gab es bereits 2006 Widerstand an dieser Lesart.

Am 20 Juli forderte beispielsweise die Basler Zeitung: „Der Bundesanwalt müsste ermitteln„. Da die Schweizer Banker (und damit auch ein Teil der Behörden) durchaus über die SWIFT-Aktionen im Bilde waren, wurde eine Untersuchung gefordert. Diese kam allerdings nie zustande. Im Oktober desselben Jahres schaltete sich der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte, Hanspeter Thür ein und bemängelte eine Verletzung des Datenschutzes bei SIC und SWIFT, die einer Prüfung bedürfe. Banken und Behörden bekamen einen Rüffel und versprachen Besserung. 2007 informierten die Banken ihre Kunden über die Problematik so genannter SWIFT-Überweisungen. Wer Überweisungen ausserhalb von SWIFT, sprich innerhalb der Schweiz, über SIC, tätige, stehe aber weiterhin auf der sicheren Seite. Das glaubten die Schweizer – bis heute.

Denn jetzt behauptet der Tages Anzeiger, auch der Inland-Zahlungsverkehr werde vom CIA gescannt. Bundesrat und Banken hätten gelogen. Das wäre ein ziemlich heftiger Skandal, der eventuell sogar eine PUK nach sich ziehen könnte. Der Knotenpunkt, so der Tages Anzeiger, nenne sich remoteGATE. Da dass Schweizer SIC-System sehr kompliziert und teuer in der Handhabung sei, wählen immer mehr Finanzinstitute den Umweg über ein System namens remoteGATE, eine Art Kopplungsverfahren zwischen SIC und SWIFT. Die Überweisung wird in SWIFT getätigt, remoteGATE koppelt und übermittelt für das Finanzinstitut an SIC und erspart dem Kunden damit das mühsame und teure abwickeln per SIC. Und bei dieser Umwandlung wiederum schalte sich der US-Geheimdienst ein.

remoteGATE

Da remoteGATE seit der Gründung offen und transparent kommuniziert, kann jeder selbst nachprüfen, ob seine Bank ein Mitglied der SIC-SWIFT Kopplungsschleife ist, wie beispielsweise die Coop-Bank Filiale am Tellplatz in Basel oder die UBS-Vertretung in Flims-Dorf. Wie der Tages Anzeiger aber zur Behauptung kommt, dass die CIA Zugang zu den remoteGATE-Datensätzen haben soll, bleibt in dieser Titelgeschichte ein Rätsel. Besser noch, es bleibt eine Behauptung. Ob die Datensätze im Umwandlungsverfahren codiert oder anonymisiert werden, was sie unter Einhaltung des Bankgeheimnisses und den Datenschutzbestimmungen eigentlich müssten, scheint dem Autor offensichtlich schnurz egal zu sein. Doch das ist nicht die einzige Ungereimtheit.

Sucht man nach dem Autor der Geschichte landet man bei einem Johannes Köppel, 26 Jahre alt, aus Genf. Dort studiere er derzeit internationale Studien und Entwicklung. Zuvor habe er Wirtschaftsgeschichte in Moskau studiert. Wir repetieren. Der Tages Anzeiger bezichtigt den Bundesrat auf Grund von öffentlich zugänglichen Daten der Lüge. Das Hauptargument beruht nach momentaner Erkenntnis (und solange vom TA nicht anders kommuniziert) auf einer Behauptung. Als Autor dieser Behauptung, die notabene die Titelgeschichte samt Titelkommentar der heutigen Ausgabe darstellt, fungiert ein junger Student aus Genf, zu dessen Name Google nicht mal ein Unitext ausspuckt.

Macht das nur bei mir keinen Sinn oder ist das tatsächlich etwas merkwürdig?

Offensichtlich. Denn der Rest der Schweiz liest unkritisch mit. Siehe dazu auch, und, aber auch (…)

Idiot des Tages: Capleton

Die Geschichte könnte auch den Titel tragen: Die Rache des Capleton.

Alternativ ginge auch: Das Versagen von Baselstadt

Zuerst wollte er kommen. Dann durfte er nicht mehr kommen. Dann kam er doch und sagte «I’m definitively upset» und ging wieder.

Später kommentierte Herr G. Schmid folgendermassen:

« (…) Es kommt immer hauefiger vor, dass bei der Ausuebung des Rechts auf freie Meinungsauesserung (uebrigens ein Menschrecht), Personen Nachteile befuerchten muessen, die Meinungen haben, die politisch nicht korrekt sind.»

Und wir erinnern uns in den Worten Peter Thommens:

1989 wurde in Basel bei der Heuwaage ein Schwuler von vier Jugendlichen verfolgt, in der Toilette mit Benzin übergossen und angezündet. Aus einer „Haltung von Normalität“ heraus… Es herrschte grosse Betroffenheit in der ganzen Stadt. Nach 19 Jahren ist dieses Verbrechen schon wieder vergessen. Wieso muten eigentlich heute Heterosexuelle Schwulen zu, über unbestrittene Mordaufrufe zu „diskutieren“?

Noch Fragen?

DKDW: Dümmer geht’s immer

Zugegeben, in den Medien kommt einiges an Blödsinn zusammen. Manchmal aber erscheinen Geschichten, die so doof sind, dass ein einfaches Kopfschütteln nicht mehr reicht. Aus diesem Grunde habe ich mich entschieden den DKDW-Award einzuführen. Nein, nicht Den-Kaufhaus-Des-Westens-Award. Den «Dummkopf der Woche»- Award. Und diese Woche gewinnt..:

punkt-ch

Herzliche Gratulation. Und der Sieg gelang dank folgender Geschichte:

Zürcher Bond-Girl

Zürcherin darf im neuen Bond-Film einen Satz sagen.

Gut, vielleicht geht es nur mir so, aber ich empfinde bereits die Schlagzeile als Beleidigung der journalistischen Sorgfaltspflicht. Nur damit wir uns richtig verstehen. Um auf die Titelseite einer nationalen Gratiszeitung zu kommen, reicht es, wenn man in einem internationalen Kinostreifen, in dem ein Schweizer eine Hauptrolle spielt, einen einzigen Satz sprechen darf. Das verleitet mich zu folgendem Gedanken:
In der Schweiz muss es von Stars nur so wimmeln. Denken wir nur an all die Bondfilme zurück, die teilweise in der Schweiz spielten und in denen halb Gstaad eine Rolle bekam. Die Schweiz – ein Mekka unentdeckter Shootingstars.

Ein Satz, Ein FilmNoch besser wird die Geschichte auf Seite 20, im Textteil. Wäre ich besagte Schauspielerin, ich würde Punkt CH wegen Beleidigung und Rufschädigung einklagen. Aber vielleicht täusche ich mich auch und Filmlinge verfügen im Normalfall tatsächlich über einen IQ unter 20, lesen Interviewtexte nicht gegen und lassen Journalistinnen und Journalisten jeden Stuss schreiben, den sie wollen.
Wir erinnern uns, Fräulein Schauspielerin aus Zürich, darf im neuen Bond-Film einen Satz sagen. Für diese Meisterleistung war Madame ganze Sechs Tage am Set in Bregenz. Aber da dieser eine Satz ja sitzen muss, wie wenn er von Leonardo da Vinci in Stein gemeisselt worden wäre, musste sie sicherlich 12 Tage im Voraus dafür üben. Schliesslich singt im Hintergrund noch jemand und 1500 Statisten beobachten einem. Da will man sich als richtige Zürcherin keine Blösse geben.

Natürlich, so doof sind wir alle nicht, dass wir nicht wüssten, dass es an einem Set ganz anders zu und her geht, als uns dieser Text erzählt. Fräulein Superstar aus Zürich ist ziemlich sicher nur halb so Dumm, wie uns dieser Text glauben machen will. Einsätze an Filmsets sind unberechenbar. Teilweise dauern Einstellungen Stunden, gar Tage. Dann wiederum geht alles ganz schnell. Es ist praktisch unmöglich zu sagen, wann der geplante Auftritt eines Statisten stattfindet. Kommt noch dazu, dass das Meiste sowieso wieder rausgeschnitten wird. Verhaut man als Nebendarsteller durch Satzfehler oder verpatzte Einsätze die ganze Szene, wird man von allen angeknurrt und angerempelt. Das Filmbusiness ist enorm frustrierend. Jeder der einmal ein Set besucht hat, weiss das. Schafft es jemand seinen notabene einzigen Satz in die Endfassung zu „retten“, dann ist das tatsächlich eine Titelgeschichte wert. Nur würde die Story dann etwas anders lauten und, als Detail am Rande, Fräulein Schauspielerin aus Zürich nicht ganz so dumm dastehen, wie sie das, Punkt CH sei dank, nun tut.