Tagesarchiv: 13/10/2008

Dow Jones, Weihnachten und Westside – oder warum die Welt Kopf steht

Was für ein Tag. Zuerst knallt der SMI durch die Decke. Anschliessend folgt der Dow Jones. Unterdessen erhält ausgerechnet Paul Krugman den Wirtschaftsnobelpreis, Elmar Ledergerber wird als zweitbester Stadtpräsident der Welt geadelt und wir als Kelly-Family-Verächter und „Itioten“ beschimpft.

Die Welt steht offensichtlich Kopf. Weitere Beweise gefällig?

Nach nur drei Jahren, grossem Geschrei und noch grösserer Polemik, krebst die „Vereinigung Zürcher Bahnhofstrasse“ heute zurück. Die innovative Weihnachtsbeleuchtung (O-Ton Gramazio / Kohler: «Die mit der Masse interagiert») ist wohl doch zu innovativ. Die Initianten wollen bereits nächstes Jahr wieder zurück zu etwas „Warmem und Goldenem„. Mir wird jetzt schon schlecht.
Währenddessen verkündet Bazonline: „Google-Bildersuche vor dem Aus?„. Jaaaaaaa, genau. Regionale, nicht rechtskräftige Urteile sind doch immer wieder eine doofe Schlagzeile wert.

Die beste interessanteste Meldung kam heute aber aus Bern. Kaum offen, stürzt im Westside schon wieder die Decke ein. Blöd aber auch, dass ausgerechnet zwei Kinder da rumstehen mussten. Wir zitieren die Sprecherin der Westside-Besitzerin Neue Brünnen AG:

Der Zwischenfall bedeutet nicht, dass das neue Einkaus- und Freizeitzentrum von Stararchitekt Daniel Liebeskind unsicher ist„.

Puuh, und ich dachte schon..

Musik im Zeitalter seiner digitalen Reproduzierbarkeit

Spreeblick liefert heute kondensiert in zwei Beiträgen alles was man zur Debatte über Musik im Netz, Urheberrecht, „Raubkopieren“ (nicht mal in Anführungszeichen kann ich das Wort ohne Zähneknirschen schreiben), Interessen der Künstler vs. Interessen der Industrie und am allerwichtigsten: das alltägliche Verhalten der Nutzer wissen muss.

Geschichte des Verhaltens der Musikhörer seit Rechner und Netz.

Interview mit Martin Kretschmer zur Interessenlage beim Urheberrecht. (via)

Zweifel äusseren würde ich nur an zwei Aussagen von Andreas Schepers:

„Warum sollte man Musik noch lokal speichern wollen, wenn das Netz sie rund um die Uhr zur Verfügung stellt?“ Ohne eine Grundsatzdiskussion starten zu wollen, aber solange es noch einen fühlbaren Unterschied zwischen privat und öffentlich gibt, solange bestehen gute Gründe Dinge privat (sprich: lokal) halten zu wollen. Und manchmal richtet sich das Verhalten der Menschen auch tatsächlich nach guten Gründen.

„Mit dem Niedergang des Trägermediums wird auch das Raubkopieren der Vergangenheit angehören.“ Ganz abgesehen davon, dass das digitale Kopieren von Musik nichts mit Raub zu tun hat (Raub ist im Rechtssystem für Übergriffe vorgesehen, die eine köperliche Bedrohung beinhalten), so würde ich keine Prognosen wagen wollen, was die Verantwortlichen in den Führungs-, PR- und Rechtsabteilungen der Musikindustrie als nächstes als Kapitalverbrechen betrachtet haben wollen. Menschen als Räuber und Piraten zu bezeichnen, ohne dass Rechtsgrundlagen geklärt sind, nur weil das die eigenen Interessen fördern könnte, ist dermassen erbärmlich, dass es niemanden verwundern kann, wenn das nächste Schlagwort für nonkonforme Musikgeniesser „Digitalterroristen“ lauten wird.