bloggers anonymous III

I, II. Anonym im Netz unterwegs zu sein, sollte eigentlich den Vorteil haben, dass man alltägliche und für die elektronische Welt nutzlose Verhaltensweisen loswerden kann. Im Alltag ist es eine verständliche und normale Verhaltensweise neuen Bekanntschaften gegenüber zurückhaltend und vorsichtig zu sein. Man will schliesslich zuerst abschätzen können, ob das Gegenüber vertrauenswürdig ist. In einem gegenseitigen Aushandlungsprozess stellt sich dann schnell oder weniger schnell heraus, ob man die erste Zurückhaltung ablegt und offener zu kommunizieren beginnt.

Wer anonym ist oder problemlos zwischen Identitäten wechseln kann, braucht dieses Verhalten und diese Vorsicht nicht. Interaktionen im Netz haben den Vorteil, dass man schnell und ohne Risiko herausfinden kann, ob ein Gegenüber interessant ist oder nicht. Macht man dabei selbst einen Fehler oder findet das Gegenüber mit Fehlern behaftet, so zieht man ohne Verlust weiter. (Für Geschichtsverlust braucht es face-to-face Kontakt.)

Das Beste an dieser Situation ist, dass man sofort auf den Punkt kommen kann, den man interessant findet. Damit das klappt, müssen beide aber bestimmte zusätzliche affektierte Verhaltensweisen ablegen. So hilft es niemandem ausser dem eigenen Ego, wenn man anonyme Kritik aus dem Netz ablehnt, nur weil sie anonym ist und man keine Kritik von jemandem entgegennehmen will, dem man nicht vertraut. Genau das lässt sich ablegen, damit man direkt zu einer inhaltlichen Diskussion übergehen kann, ohne dass persönliche Empfindlichkeiten eine Rolle spielen müssen.

Ich bin kein hoffnungsloser Romantiker, aber im Netz scheint es mindestens zusätzliche Möglichkeiten zu geben, Diskussionssituationen herzustellen, die Interaktionen auf gleicher Augenhöhe ermöglichen. Das mag zwar noch nicht wirklich sokratischer Dialog oder Habermas’sche Diskursethik sein, aber doch ein Schritt in eine attraktive Richtung.

Für alle anderen gilt wie immer was George Carlin zur freien Meinungsäusserung im Radio sagte:

„A Reverend Donald Wildman in Mississippi heard something on the Radio that he didn’t like. Well, Reverend, did anyone ever tell you there are two knobs on the radio? Two knobs on the radio!! Of course, I’m sure the Reverend isn’t that comfortable with anything that has two knobs on it. But hey, Reverend, there are two knobs on the radio. One of them turns the radio off, and the other one changes the station! Imagine that, Reverend, you can actually change the station! It’s called freedom of choice, and it’s one of the principles this country was founded upon! Look it up in the library, Reverend, if you have any of them left when you’re finished burning all the books.“

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