Tagesarchiv: 10/10/2008

Ooops. Das Original.

Sorry, aber das hätte nun wirklich unser aller erster Post sein sollen:

Keis Parteiprogramm, nöd s Evangelium,
da chunnt es völlig neus Medium.
S tönt sältsam und es bitz skurril,
aber lose muesch ohni Witz es Textil.
Kän Rock, kei Shorts, kei Schtrümpf, kei Jeans,
kei Knickerbocker und kei Leggins.
Das Beichleid da wird nöd aagleit,
das isch R200K und das isch aagseit!
Es isch es regelrächts Phänomen,
wil es gitt Lüüt, die wänd meh vo dem.
Wie’s funktioniert händ viel kapiert,
die sind jetzt alli guet inschtalliert.
De landeswiit einzig Sänder wo groovt
empfangt mer nur mit de Händ i de Luft
und wänn’s schtört und wänn’s schtört,
isch dini Iischtellig völlig falsch, häsch ghört? (via)

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Impertinenz des Tages XI: SBB

Die SBB verbannt die Verkäufer des Strassenmagazins «Surprise» per Anfang 2009 aus den Bahnhöfen. Der Grund:

Die SBB begründet den Entscheid mit dem Projekt «Kundenfreundliche Bahnhöfe». Dieses unterstelle implizit, dass «Surprise» der Qualität im Erscheinungsbild der Bahnhöfe abträglich sei.

Quelle: NZZonline.ch

Im Gegenzug werden die Boxen der Gratiszeitungen behalten und mit grosser Wahrscheinlichkeit auch nächstes Jahr laufend ausgebaut. Diese sind der Qualität im Erscheinungsbild (hä?) folglich nicht abträglich.

Update 17:30: Der Vorschlag, den Rubriktitel «Idiot des Tages» heute ausnahmsweise durch «Impertinenz des Tages» zu ersetzen, wurde von der Redaktion, bei einer Enthaltung (hoselose), mit grosser Mehrheit angenommen.

Blick am Abend = Blick ins Leere

Eigentlich sollte der «Blick am Abend» die schnellste Gratiszeitung der Schweiz sein. Sie erscheint bereits nach 15 Uhr und enthält darum im Normalfall bereits einen Grossteil der tagesrelevanten Meldungen.
Manchmal ist der «Blick am Abend» aber auch einfach die dümmste Gratiszeitung der Schweiz. Da «20 Minuten» schon ein mehrfach ausgezeichnetes Blödblatt ist, braucht es einiges, um in dieser speziellen Rangliste bis ganz nach vorne zu kommen.

Wir repetieren. BaA erscheint um 15 Uhr. Redaktionsschluss ist daher irgendwann nach 13 Uhr. Das heisst, bis und mit Anfang Nachmittag können Änderungen von der Redaktion ohne grosse Probleme übernommen werden.

Gestern aber titelte die Zeitung gross:

«Die Finanzkrise wirft viele Fragen auf. Auf Zeichen warten wir vergeblich – der Bundesrat schweigt».

Man kann dem Bundesrat einiges vorwerfen, aber geschwiegen hat er gestern nicht. Der Bundesrat nahm am Mittag in Form von BR Doris Leuthard Stellung, im Tagesgespräch von Radio DRS (mit Vorabmeldung in den Nachrichten). Eine Tatsache, die auch der Schwesterredaktion «Blick» entging. Dort meldete sich Doris erst Nachmittags, vom Klimaforum in Thun. Auch das eine fundiert journalistische Meisterleistung, obwohl der sonst eher lethargische Landessender seinen «Primeur» in einer unglaublichen Penetranz im 30-Minuten Takt in den Äther posaunte.

Und nebenbei – so peinlich der Schnellschuss der Blick-Redaktionen, so deplaziert das Eigenlob im Tages Anzeiger von heute morgen:

«So verständlich das grosse Bedürfnis nach Beschwichtigung ist, so deplatziert mutet die Kritik an, die Landesregierung lasse die Bürger und Anleger im Stich.Viel mehr beweist der Bundesrat Augenmass. Er wartet den richtigen Zeitpunkt ab, um zu handeln und etwas zu sagen. Und er findet die richtigen Worte. Unaufgeregt und klar, weder beschönigend noch alarmistisch äusserte sich Leuthard gestern Mittag auf Radio DRS. Dasselbe tut die interimistische Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf im heutigen Gespräch mit dem Tages-Anzeiger».

Campino’s schöne Musik

Wenn es dunkel ist draussen, dann kann man DRS3 auch mal laufen lassen, wenn man den Raum betritt. Wenn man dabei, so wie am vergangenen Montag, Glück hat und Campino gerade ein stündiges Interview bestreitet, dann kann man sich gerne auch in dem Raum niederlassen und Radio hören.

Focus mag zwar eine Art People-Format sein, aber das heisst nicht automatisch, dass nur Promi-Zombies und Lifestyle-Journis zu Wort kommen. Sowohl Campino wie Hannes Hug haben zwar ganz sicher schon bessere Zeiten gesehen, aber nicht angesagt und nicht auf dem Höhepunkt zu sein, ist in solchen Formaten definitiv wünschbar. Menschen sprechen zu hören, denen man anmerkt, dass sie an dieser Welt schon dermassen verzweifelt sind, dass sie den Blick von Aussen auf das tägliche Geschehen internalisiert haben, ist in der deutschen Medienlandschaft aussergewöhnlich.

Das bemerkenswerte am Interview war, dass es kaum Bemerkenswertes gab. Campino und Hannes Hug haben eine Stunde lang mehr oder weniger entspannt interagiert, ohne dass das Belanglos gewesen wäre. Und dann hat Campino doch etwas gesagt, was zuerst schwer verständlich war. Was er denn als Musikwunsch hören möchte, fragte ihn Hug. Seine Antwort: „You Shook Me All Night Long“ von AC/DC, weil das ein sehr, sehr schönes Lied sei. (Die Stelle ist bei 34:00 im Interview.)

Zufällig höre ich mich zur Zeit chronologisch durch die gesammelten Werke der australischen Reduktionsrocker. Einen ihrer Songs als „sehr, sehr schön“ zu bezeichnen, hätte ich als sprachliche Wendung wenig passend gefunden. Diese Musik hört man unter anderem auch, weil sie doch nicht schön sein will. („got no reason, got no rhyme….i’m on a highway to hell“ heisst doch: ich bin nicht schlau und ich bin nicht schön, ich will mit dieser Welt überhaupt nichts zu tun haben und bin deshalb auf dem Weg zur Hölle.)

Erst 30 Sekunden in den Song hinein wurde mir klar, was Campino meint. Wenn man sich ins Universum von AC/DC reingehört hat, darin gelebt und die Eckpunkte dieser Musik zum Referenzrahmen gespannt hat, dann ist „You Shook Me All Night Long“ ein sehr, sehr schönes beinahe zärtliches Lied. Und das obwohl Brian Johnson auf Back in Black den unersetzbaren Bon Scott ersetzen muss. (Vielleicht auch gerade deshalb?)

Es hilft übrigens das Video nicht vor Augen zu haben ;)