20 Minuten – Oder wie Schlechtes zur Sensation wurde

20Minuten führt die Welt ad absurdum. Dass es die Pendlerzeitung mit Rechtschreibung, Quellen und Trennung von Werbung und Inhalt nicht so genau nimmt, hat der Pendlerblog (R.I.P.) bereits bewiesen. Was ich heute morgen lesen musste, sprengt aber den Rahmen des Zumutbaren.

Auf der Titelseite prangt gross die Überschrift: „Maria Mena: Zauberhafte Songs

Sicher, es ist keine Seltenheit, dass die Pendlerzeitung eine „People“-Geschichte gross auf der Titelseite platziert. Selbst wenn Themen wie „Bundesrat Merz gibt Comeback“ oder „Erneut Nightmare on Wall Street“ verfügbar wären (was ich in der heutigen Ausgabe vergeblich suche..). Nur:
Maria Mena ist keine People-Geschichte?
Maria Mena ist lediglich eine eher mittelmässige Musikerin, die jetzt ein neues Album am Start hat. In Anbetracht journalistischer Freiheiten könnte man nun sagen, jeder hat das Recht selbst zu entscheiden, welche Musik ihm gefällt und was er darüber schreiben will – wäre da  nicht noch ein kleines Detail.
In den vergangenen Tagen und Wochen versuchte Mena’s Plattenfirma SONY / (jetzt noch) BMG die Platte intensiv den Medien „unterzujubeln“. Der von David Cappelini verfasste Text in der Gratiszeitung 20 Minuten (S.21) ähnelt nicht nur frappant der Pressemeldung, er ist offensichtlich auch noch falsch abgeschrieben.
Hiess es in der Pressemeldung noch:

HipHop-Superproduzent Kanye West erklärte Marias Single „You Are The Only One“, mit der ihr erstmals der Sprung in die US Billboard Charts gelungen war, kurzerhand zu seinem „Sommerhit des Jahres 2004.

Wurde bei Cappelini kurzerhand ein:

US-Rapper Kanye West bezeichnete Maria Mena einst als seine Lieblingssängerin – nun veröffentlicht die Norwegerin ihr neues Album «Cause and Effect».

Nicht nur, dass die Aussage zeigt, dass Kanye West zu sehr am Rockzipfel seiner Freundin hängt, aus einem Sommerhit wird auch noch gleich eine Lieblingssängerin, was Capellini offensichtlich dazu berechtigt, eine von Musikjournalisten im Deutschsprachigen Raum als durchwegs mittelmässig bis schlecht bewertete Platte als neue Sensation und Titelanreisser zu verkaufen. Gut, zu Capellinis Rechtfertigung bleibt anzufügen, dass der Produzent ev. darauf bestand, einen People-Anreisser auf der Titelseite zu platzieren. Ein Titel wie: «Ich habe keine Ahnung» eignet sich in meinen Augen zwar gut für diese Zeitung, doch dass das nicht geht, dürfte selbst diesem Produzenten aufgefallen sein..

Dabei dachte ich immer, mit Niklaus Riegg sei beim 20Minuten wenigstens noch ein Mann an Bord, der Musik nach Inhalt bewertet und nicht nach Anzeigen, die solche Geschichten nach sich ziehen.

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7 Antworten zu “20 Minuten – Oder wie Schlechtes zur Sensation wurde

  1. Sacha Malenko

    Hey, für den ungefilterten PR-Mist, den 20 Minuten druckt, musst du wenigstens nichts bezahlen. Ich bin Tagi-Abonnent und musste mir diese Woche die Seligsprechung der weltberühmten Jesus-Reinkarnation Sophie Hunger zumuten lassen, mit halbseitigem Foto im Kulturbund und Interview in Kofi-Anan-Länge und einer Viertelseite unscharfem Hunger-Halbporträtchen auf der Tagi-Titelseite. Und letzte Woche war Sophia Maria Madgalena Hunger auch noch im Magazin, aber nur, weil die Erde in den letzten 2000 Jahren noch nie eine bessere Sängerin gesehen hat.
    Ich glaube, jetzt fehlt nur noch die Hunger-Homestory in der Annabelle und das Hunger-SMS-Gewinnspiel bei 20 Minuten. Eventuell schreibt Pietro Supino noch ein Leitartikelchen über sie, aber wir wollens ja nicht übertreiben.

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