Picknick mit Muttermilch

Zwei Meldungen haben mich heute zutiefst verwirrt – aber so richtig. Und dann kam noch eine dritte, die gab mir den Rest. Aber alles der Reihe nach:

Heute früh lese ich: Frankreich führt Picknick-Steuer ein. Schön, denke ich, noch ein Grund weniger sich Nachmittags in den Pariser Parks rumzutreiben. Musizieren darf ich nicht, Fussballspielen ist auch verboten und jetzt muss ich auch noch fürs Futtern zahlen.

„Geplant sei eine Steuer von ungefähr 90 Eurocent pro Kilo auf nicht wiederverwertbare Teller, Bestecke und Becher.“
(Quelle: AP)
Die Umwelt freut’s und ich ess wieder mit Holzlöffel und Holzbrett und hole mir die Cholera. Eigentlich sind die Franzosen für einmal sogar konsequent, besteuern sie doch Waschmittel, Öle oder Pestizide mit einem Umweltzuschlag. Aber warum sind ausgerechnet die Franzosen so fortschrittlich? Das hat mich echt verwirrt. Schon leicht angeschlagen (vergl. Zustand Bundesrat Schmid VOR der Affäre Nef) torkle ich durch den Tag und bleibe vor folgender Meldung stehen:

„Wirt will mit Muttermilch kochen“

Die Idee ist nicht neu, zugegeben. Trotzdem sieht sich Herr H. Locher als Entdecker einer Lücke im Speiseplan. Der Wirt des Restaurants «Storchen» in Iberg hat offenbar bereits im privaten Rahmen damit experimentiert und ist begeistert:

«Es schmecke wirklich, versicherte Locher. Muttermilch sei süsslich und viel fetthaltiger als normale Kuhmilch. Um die Saucen sämig hinzukriegen, sei es aber wichtig, Rahm darunterzumischen. Zudem müsse man die Milch vor Gebrauch abkochen».
(Quelle: Tagesschau SF)

Wer noch nicht das Bedürfnis verspürt, sich zu übergeben, soll doch bitte weiterlesen:

«Jetzt will Locher die Muttermilch im Rahmen von mehreren «Aktionswochen» auf die Speisekarte nehmen. Wie der Winterthurer «Landbote» am Dienstag berichtet, sucht der Wirt per Flugblatt «Lieferantinnen». Gratis müssen die Mütter ihre Milch nicht hergeben. Für einen Vier-Deziliter-Becher bezahlt Locher 6.50 Franken. Zudem blieben die Mütter anonym, versichert er».
(Quelle: Tagesschau SF)

Reichlich angeschlagen (Vergleich Zustand BR Schmid während der Affäre Nef) versuche ich den Tag zu meistern und mich darüber zu freuen, dass ich als Frau durch eine Schwangerschaft doch nicht arbeitslos werden würde. Währendessen lese ich auf persönlich.com folgende Meldung:

«Snob – russisches Magazin für Karrieremenschen»

DAS ist mal ein Blatt! Wie gemacht für mich, erklärte Olga sowieso-irgendwie (das kann ich echt nicht ausschreiben) in einem Interview mit dem englischen «Independent»:

«Der Titel ist natürlich sehr ironisch gemeint, aber im Gegensatz zu anderen Ländern haben Snobs in Russland auch keine Angst davor, sich als solche zu bezeichnen.»

Diesen vor Arroganz und Prahlerei strotzenden Titel muss ich haben. So suche ich also das «Snob-Magazin» und entdecke: Richtig: Ein Magazin aus Saudi-Arabien, mit einem Predident als Chefredakteur. Das heisst so: Predident. Das „s“ liegt in der Tastatur dummerweise gleich neben dem „d“. Da können solche Sachen schon passieren.

Zumindest weiss ich jetzt was ich morgen machen werde (Vergleiche Zustand BR Schmid nach seinem Rücktritt Anfang Oktober, nach der Niederlage im Parlament): Ich sitze in den Park, futtere etwas Muttermilch und lese das Snob-Magazin.

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