Der Idiot des Tages

Hiermit verkündet ich feierlich die Eröffnung eines neuen Ressorts:

Der Idiot des Tages.

Diese besondere Auszeichnung wird jeweils an Menschen verliehen, die sich mit Äusserungen oder Aktionen abseits des gesunden Menschenverstandes verdient gemacht haben.
Heute vergebe ich diesen Titel gleich zwei Persönlichkeiten, wobei ich mich noch nicht genau entschieden habe, welcher von den beiden Herren der dümmere Idiot ist. Die Position bleibt à discuter.

Es handelt sich dabei um Willi Frommenwiler und Hans-Adam II, Fürst von und zu Liechtenstein.

Willi Frommweiler stammt aus Thunstetten im Kanton Bern und ist Mitglied der Freiheitspartei. Das alleine reicht allerdings nicht aus, um Idiot des Tages zu werden. Wo kämen wir auch hin, wenn wir hier täglich eine Laudatio auf Herrn Jürg Scherrer schreiben müssten (…).
Nein, Willi betreibt nebst eigenem Weblog auch eine eigene Website Namens www.kriminelle-auslaender.ch. Dort erfahren wir nicht nur solch wertvolle Dinge wie „Entwendetes Motorrad in Serbien aufgetaucht“, wir dürfen uns auch gleich noch ein Bild davon machen, wer es möglicherweise in der Schweiz gestohlen haben könnte. Willi ist folglich nicht nur ein nach den Datenschutzgrundsätzen fragwürdig handelnder Denunziant, nein, Willi ist auch ein Menschenfreund. Eine Art Strafgerichtshof Den Haag Miniatür. Denn Willi schreibt:

„Menschen sind Menschen – egal welcher Herkunft. Gewalt ist immer zu verurteilen. Die Meinung zu haben, Ausländer zu schützen, indem hohe Gewalttätigkeit Asylsuchender bestimmter Herkunft auf Integrationsprobleme zurückgeführt wird, ist wirklich Hilfsbedürftigen gegenüber nicht fair.“

Merke: Wer Gewalt als Ursache von Integrationsproblemen versteht, behandelt wirklich (sic!) Hilfbedürftige unfair.

Eigentlich ist es schwer vorstellbar, dass jemand den Willi heute noch toppen kann. Doch Hans-Adam macht’s möglich.
Kurz zusammengefasst geht die Geschichte so:
Der Berliner Prof. Dr. W. Michael Blumenthal wollte sich von Fürst Hans-Adam II mal kurz ein paar Bilder für seine Austellung im Jüdischen Museum in Berlin borgen. Thema der Ausstellung: „Raub und Restitution. Kulturgut aus jüdischem Besitz von 1933 bis heute“. Da die Fürstenfamilie während des zweiten Weltkriegs ebenfalls kunstvolle Federn lassen musste, ist Prof. Blumenthals Anfrage durchaus nachvollziehbar.

Nun, Fürst Hans-Adam ist schon etwas älter. 82 um genau zu sein. Dies mag zwar folgende Textpassage aus dem persönlichen Brief an Herrn Prof. Dr. W. Michael Blumenthal (Bild) erklären:

„Mit dem Zweiten Deutschen Reich befinden wir uns noch immer im Kriegszustand, da dieses untergegangen ist, bevor es mit uns Frieden schliessen konnte, und das Dritte Reich Gott sei Dank untergegangen ist, bevor es seine Drohung in die Tat umsetzen konnte, das Fürstentum „anzuschliessen“.

Aber, das fortgeschrittene Alter, plus der aktuelle Steuerstreit mit Deutschland dürften als Rechtfertigung für folgende Passage nicht mehr reichen:

„Was die deutsch-liechtensteinischen Beziehungen betrifft, warten wir hier auf bessere Zeiten, wobei ich zuversichtlich bin, denn in den vergangenen zweihundert Jahren haben wir immerhin schon drei Deutsche Reiche überlebt, und ich hoffe, wir werden auch noch ein viertes überleben“.

Ein einfaches „Nein, wir vergeben derzeit keine Bilder nach Berlin“ hätte auch gereichtnügt.

(Quelle Brief: Tages Anzeiger Printausgabe 11.9.2008)

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