Monatsarchiv: September 2008

Held des Tages II: Johnny Cash

Als ich heute im Auto sass, wurde mir plötzlich klar, dass nur Johnny Cash es wirklich jemals geschafft hat, das Tief-Traurige, das zerstörerisch-depressiv Bodenlose, das repetitiv-predigende Endlose aus diesem Song heraus zu holen. Das soll ihm mal einer nachmachen. Die Fahrt hätte eigentlich direkt in die Hölle führen müssen.

Idiot des Tages VI

John Mc Cains Siegesanzeige

Zuerst wollte er nicht, dann wollte er doch und jetzt hat John McCain das Fernsehduell offenbar schon gewonnen. Zumindest behauptet das eine Anzeige in der Washington Post von gestern Freitag. Dumm nur, dass das Duell da noch gar nicht statt gefunden hatte.

Ali G an der Fashionweek in Mailand – Wenn Bruno nicht mehr lustig ist

Sacha Baron Cohen, einst brillianter Rapprolet (stains massive) mit eigener Show auf Channel 4, wird immer mehr zum Opfer seines eigenen Ruhmes. Sein Konzept Leute mittels suggestiven Pseudofragen blosszustellen funktioniert immer weniger, da ihn die Leute seit seinem Kinofilm Borat schon von weitem erkennen.

Ali G – Cruisin‘

Sein neustes Film-Projekt „Bruno„, in dem er als schwuler Modeschöpfer Prominente für blöd verkauft, scheint nur noch nur noch in Amerika zu ziehen –  und selbst da nur noch in Käffern ohne Kino. Denn sein Versuch diese Woche an der Mailänder Modewoche als Model Verwirrung zu stiften, ging bisher nicht wirklich auf. Bei „Iceberg“ wurde er bereits am Eingang zum Backstagebereich erkannt und  im anschliessenden Handgemenge ziemlich unsanft rausgeworfen.

Bruno bei Iceberg

Als er später bei Agatha Ruiz in einem etwas eigenwilligen, aber für die Mailänder Modewochen durchaus passablen Kostüm die Bühne stürmte, wurde er von der Polizei unter Geschrei verhaftet. Da derzeit die kommende Frühling-/ Sommermode gezeigt wird, war es wohl etwas zu auffällig, im Alaska-Look a la Sarah Palin zu posieren.

einsatzplatte: Monkey / Journey to The West

Nahezu brilliante asiatische Manga-Oper in Albumform mit Blur-Einflüssen. Geniale Soundreise des Gorillaz- & The Good, the Bad & the Queen-Erfinders Damon Albarn, inspiriert und unterstütz durch Chinas Opernguru Chen Shi-Zeng.

einsatzplatte: Keith Emerson / Keith Emerson Band Featuring Marc Bonilla

Neues, wirres Studioalbum des ELP-Frontmanns. Teils gut, teils chaotisch, teils unmöglich. Fazit: Eine 15teilige Suite mit irren Ansätzen.

einsatzplatte: Nightmares on Wax / Thought so..

Musik zum meditieren. Nicht überraschend, nicht enttäuschend, nicht innovativ, nicht schlecht.

Held des Tages I: Endo Anaconda

Endo Anaconda ist seit zwei Wochen Kolumnist beim Bund (und alibimässig auch beim Tages Anzeiger, der die Kolumne annektiert übernommen hat).

Wer Sätze zum Thema Emo schreibt wie:

Manchmal fühle ich mich selber wie eine nur aus mir selbst bestehende, unverstandene Jugendkultur.

oder:

Wahrscheinlich ist sogar unsere Regierung leicht emo . Der Finanzminister liegt im Koma. Die Justizministerin, welche seine Geschäfte weiterführen soll, gehört zwar zu keiner Clique und wird trotzdem nur abgeklatscht.

und:

Micheline Calmy-Rey entspricht schon äusserlich mit ihrer Haartracht einem Vollbild- Emo.

..ist, man kann es nicht anders sagen, ein Held.
Und so schliessen wir diese Erkenntnis mit folgenden, weitsichtigen Worten, denen wir nur zustimmen können:

Ich mag die Emos zwar auch nicht, aber immer noch besser, die googeln sich Baudelaire und Rimbaud herunter, als dass sie Rambo spielen. Weil es unsere Armee in dieser Form wahrscheinlich nicht mehr lange geben wird, wenn alle auf ihr herumhacken. Die Hobbykrieger würden womöglich ihre eigenen Armeen gründen. Im Ernstfall könnten wir uns nur noch weinend in die Arme nehmen und dazu die traurigsten Verse von Georg Trakl rezitieren. Wenn ich an mein Alterskapital denke, dann möchte ich auch in die Arme genommen werden und weinen, bloss fehlte mir immer schon eine Clique.


Hoch sollen sie leben, die Emos.

Wie Thierry Carrel vor dem Sieg das Ziel verfehlte

thierry carrel - herzchirurg«Ein solches Theater um einen Arzt hat die Schweiz noch nie erlebt». Das stimmt und doch stimmt es wiederum nicht. Denn die Schlagzeile der Frankfurter Allgemeinen Zeitung FAZ stammt aus dem Jahre 2004. Thierry Carrel steht bereits seit langer Zeit im medialen Rampenlicht. Nicht zuletzt auch dank dem ehemaligen Chefarzt Marko Turina, der in einer gänzlich missglückten Aktion einer Patientin am Uni-Spital Zürich ein neues Herz einpflanzte – unter der Aufsicht des Schweizer Fernsehen. Die folgende Geschichte ist lange bekannt: Die Patientin hatte Blutgruppe „0“, das Herz Grupppe „A“. Die Patientin starb, Zürich hatte seinen „wann wusste Turina vom falschen Herzen“ (Tages Anzeiger 15.6.2004) – Skandal und das Unispital ein Nachfolgeproblem.

Thierry Carrel hatte schon damals den richtigen Riecher. Er lehnte eine Berufung ans Universitätsspital in Zürich ab und blieb nach längerem hin und her doch am Inselspital in Bern. Auch fachlich kann man dem mittlerweile zum „besten Mann fürs Herz“ aufgestiegenen Arzt nicht viel entgegen halten.

„2007 führte das Spital 1280 grosse Herzeingriffe durch, das sind fast 600 mehr als noch vor zwei Jahren. Seiner Klinik widmet sich Carrel rund um die Uhr: Bis zu 100 Stunden pro Woche ist der Chefchirurg im Einsatz. Er operiert, leitet die Klinik, die 15 Fachärzte und 16 Assistenzärzte beschäftigt, und bildet Studenten aus.“

(Auszug Tagesanzeiger.ch)

Fehler finden sich in Carrel’s Lebenslauf keine. Zumindest nicht auf den ersten Blick. Er scheint kompetent, sozial, bescheiden und loyal. Und nun hat er der Schweiz auch noch auch noch beigebracht, wie ein Arzt in Krisenzeiten zu kommunizieren hat. Seit Bundesrat Hans-Rudolf Merz vergangenen Sonntag von St. Gallen per Rega-Helikopter ins Inselspital eingeliefert wurde, verging kein Tag an dem Carrel nicht den Medien mehrmals Rede und Antwort stand. In Spitzenzeiten, beispielsweise am Sonntagabend, eine halbe Stunde vor der Operation (Vor der SF-Kamera für die Tagesschau und am Telefon für SRDRS / Echo der Zeit) und gleich anschliessend nach der Operation wieder. Das Schweizer Fernsehen zeigte zusätzlich Bilder vom Helikopterlandeplatz und der Einlieferung von BR Merz vom Dach des Inselspitals. Der Blick brachte dasselbe Bild mit Fokus auf Merzs Transportbahre Montagmorgen auf der Titelseite.

Sieht so eine viel gelobte und allseits respektierte Kommunikation eines Chefarztes aus? Müsste ein Arzt sich vor der Operation eines Regierungsmitglieds und ev. zukünftigen Bundespräsidenten nicht mehr auf seine eigentliche Aufgabe besinnen, als 30 Minuten vor einem zwar „routinemässigen“ – aber doch gefährlichen – Eingriff noch der schweizerischen Staatspresse Rede und Antwort zu stehen? Und warum, die Frage sei gestattet, in Gottes Namen kommt das Inselspital auf die Idee, die Einlieferung eines BR-Mitgliedes sei für die Nation von derart grossem Interesse, dass das Fernsehen selbst die Einlieferung auf dem Dach des Hauses filmen darf? Das Inselspital erteilte dazu ausdrücklich die Erlaubnis.

Nach dem Eingriff, soviel Lob sei gestattet, muss der Arzt kompetent und fachgerecht informieren. Genau das hat Thierry Carrel auch getan. Ob das ganze Vorgeplänkel aber wirklich nötig war, bleibt fragwürdig. Ein Communiqué hätte auch gereicht. Berns Spitzenposition in der Herzchirurgie ist sowieso unumstritten. Thierry Carrel wäre eigentlich ein guter Chirurg. Nun ist er zur TV-Pappnase mutiert. Ein Arzt muss in aller erster Linie operieren können. Das blöde Geplänkel vor der Kamera kann man getrost den Freizeit-Ärzten der SF-Soap «Tag und Nacht» überlassen.

Wer ist Jens Korte…?

Ich hasse das Schweizer Fernsehen, mit einer Ausnahme: Jens Korte. Keiner berichtet so analytisch, ruhig und gelassen über das internationale Börsengeschehen wie der Wallstreetreporter in New York. Selbst jetzt, in Momenten da „Angst – aber keine nackte Panik“ (NZZ 19.9.2008) an den Börsen umgeht und das Stimmungsbaramoter der AAII in den Keller zeigt. Jens Korte schwitzte selbst gestern nicht und erzählte ruhig und gelassen vom Kursfeuerwerk an der NY-Stock-Exchange, auch „wenn kein Stein mehr auf dem anderen steht“.

Wer also ist dieser Jens Korte, der sein Geld offensichtlich unter der eigenen Matratze hortet und selbst völlig unbeteilgt vom Geschehen an der Wallstreet berichtet? Jens Korte war ursprünglich Lokaljournalist der Berliner Morgenpost. Das gefiel ihm aber nicht besonders und so beschloss er ins Ausland zu emigrieren. „Und die einzige andere Sprache, die ich konnte, war Englisch“.

So kam er nach New York, zum Verlag Gruner &Jahr. Da hielt es ihn allerdings nicht lange und er wechselte an die New Yorker Börse. Korte war 1999 einer der ersten ausländischen Berichterstatter an der Wallstreet. Als Beobachter erlebte er die Auswirkungen des 11. Septembers und die Turbulenzen Anfang 2008. „Aber das jetzt toppt alles„. Denn jetzt, sagt Korte, sei das Finanzsystem generell in Frage gestellt.

2003 machte sich der Deutsche Börsenbeobachter selbständig und gründete die NYGP, die New York German Press. Die Agentur bietet Korrespendenzleistungen rund um den Börsensektor für deutschsprachige Medien, unter anderem auch fürs Schweizer Fernsehen oder die NZZ am Sonntag.

Derzeit hat Korte alle Hände voll zu tun und kommt selten vor Mitternacht nach Hause. „Morgens um 7 Uhr führe ich bereits die ersten Gespräche aus dem Badezimmer“. Sein Unternehmen läuft glänzend, ob dies allerdings von Dauer sein wird, darüber ist sich selbst Korte nicht sicher. „Die USA werden in eine Rezession schlittern“ und diese werde sich auch auf Europa und seine Auftraggeber auswirken. „Und wenn die Kosten sparen, dann bekommen das immer als Erstes die Korrespondenten zu spüren“. Die seien weit weg und könnten sich folglich auch kaum wehren. Meine Stimme zumindest hast du, Jens.

(Quelle Quotes: Tages Anzeiger 19.9.2008)

10 Märsche um den Sieg zu verfehlen..

Wir trauern