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Wir haben uns lange überlegt, ob wir die Vorgänge in- und um die bei der TA-Media ausgesprochenen Entlassungen kommentieren sollen. Ugugu hat einmal kurz darauf aufmerksam gemacht, dass es dabei unter aller Sau zugeht. Wobei das noch milde ausgedrückt ist. Ein Solidaritätsplan innerhalb der Tagi-Redaktion wurde kategorisch abgelehnt, 60-jährige Mitarbeiter, die seit über 20 Jahren zum Team gehören werden mit Hinweis auf Frühpensionierung in die Wüste geschickt (obwohl die Rente zu diesem Zeitpunkt deutlich unter dem Existenzminimum liegt). So gesehen ist die TA-Media nicht besser, als ein x-beliebiger Industriebetrieb, der seine Belegschaft aus Rentabilitätsgründen auf die Strasse stellt. Einzig mit dem Unterschied halt, dass die TA-Media für sich in Anspruch nimmt, mehr zu sein als ein normaler Industriebetrieb. Unter anderem will man dort ja die „beste Zeitung der Schweiz“ herstellen.Die Frage nach dem „wie (bitte)?“ ist berechtigt.
Es steht ausser Frage, dass es nie einfach ist, einen Stellenabbau durchzuführen. Irgendjemand muss gehen. Und es ist meistens irgendwie der Falsche. Auch bin ich skeptisch was anschliessendes „Abrechnen“ mit der eigenen Branche in fremden Titeln betrifft (selbst wenn es sich dabei um den von uns sehr geschätzten Daniel Suter und die WOZ handelt). Es ist nicht nötig, die Details weiter zu erläutern. Wer nach entsprechenden Missständen sucht, wird auch in unserem eigenen Archiv fündig..
Nein, was uns am Verlauf der Dinge irritiert, ist mit welch kühler und selbstgefälliger Ignoranz der derzeitige Medienwandel von den Rezipienten ertragen wird. Selbstverständlich geht es dabei auch um die Angestellten und ihr Schicksal, nicht zuletzt aber handelt es sich bei einer Zeitung auch um eine Dienstleistung, für die wir bezahlen. Oder wie würde ein Kunde reagieren, wenn seine Lieblingspizzeria eine Pizza plötzlich mit deutlich schlechteren und teils gar weniger Zutaten servieren würde als bis anhin? Dies notabene ohne Preissenkung und mit dem Hinweis auf Personalreduktion aus Rentabilitätsgründen?
Richtig, der Kunde würde protestieren.
Das dieser Rezipienten-Protest ausbleibt hat vermutlich mehrere Gründe. Beruhigend ist keiner davon. Sei es, dass die Rezipienten an einer Überinformierung leiden, dass sie nicht wissen, was auf sie zukommt, sei es, dass Journalisten gemeinhin als Schmarotzer, Linke und überprivilegierte Halbwissende gelten, die schon lange den Kontakt zur Realität verloren haben. Denn all diese Gründe verdecken den Blick auf das Wesentliche. Die Welt wird immer komplexer, zusammenhängender und dadurch unübersichtlicher. Stellt die Pizzeria Nahrung für Menschen zur Verfügung, welche zu faul zum Kochen sind, kümmert sich der Journalist um die Informationsaufnahme derjenigen, die zu faul sind um selbst nach Sri Lanka, ins EU-Parlament oder ins Bundeshaus zu reisen.
Gute Köche verfügen vor allem über eines: Erfahrung. Dasselbe gilt für gute Journalisten. Um zu wissen, ob eine Massnahme tatsächlich so toll ist, wie der (Europa-/Bundes-/Regierungs-/Regional-) Rat in seiner Pressekonferenz erläutert, ist es nötig zu wissen, welch ähnlichen Massnahmen in den letzten Jahren mit welchem Erfolg und welchen Versprechungen durchgeführt wurden. Für dieses Wissen und diese Erfahrung bezahlen wir mit einem Zeitungsabonnement.
Von 20 Minuten verlange ich diesen Service nicht. Gratiszeitungen sind ein guter Pool um angehende Talente auszubilden und anzubinden. Um ihnen formale und stilistische Grundfertigkeiten beizubringen, und einen brauchbaren Rucksack in Form eines Kontaktnetzes mitzugeben. Darum sind solche Produkte auch gratis und die Mitarbeiter in aller Regel jung. Vielleicht leuchtet das dem einen oder anderen Zeitungsleser und Zeitungsmacher auch ein. Es würde mich freuen, in Zukunft wenigstens den einen oder anderen brauchbaren Leserbrief zu finden, der sich nicht nur darüber aufregen mag, dass der Artikel lausig geschrieben oder unvollständig ist. Sondern der sich fragt, ob diese Art Kritik wirklich gerechtfertigt ist und warum einem Daniel Suter solche Fehler eben gerade nicht passieren würden.
Das hier ist meine Art für die in 22 Jahren geleistete Arbeit danke zu sagen, Daniel Suter. Zu sagen, dass wir den Stellenabbau bedauern, die Art und Weise wie alles passiert ist. Und es ist unsere Art zu zeigen, dass wir sehr wohl wissen, dass ein guter Journalist mehr ist als ein selbstgefälliger Halbwissender. Zumindest dann, wenn er seine Sporen mal abverdient hat.
Kategorien: Medien-Kritik
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Es ist kaum zwei Jahre her, da lancierte dasmagazin.ch mit grossem Brimborium die Web 2.0-Taktik. Wir erinnern uns: User-Accounts, User-Texte und Kommentare – alles Dinge, die helfen sollten „bessere Beiträge (im Heft) zu publizieren„, wie die Redaktion damals glauben machen wollte. Es war Interaktivität und „online journalismus“ wie er in jedem zweiten Durchschnittslehrbuch steht.
Gestern nun hat dasmagazin.ch eine Kehrtwende vollzogen. Die Kommentare und Texte der User mussten weichen, wie einige Blogger bereits verwundert festgestellt haben. Persoenlich.com war so nett bei Chefredaktor Finn Canonica nachzufragen. Und die Antworten erstaunen. Der Hauptgrund, so Canonica sei, dass man schlicht zu wenig Zeit und Personal habe, „um die Diskussionen auf unserer Webseite zu begleiten.“ Und nicht nur das, offenbar macht man sich beim kümmerlichen Rest, der von der anspruchsvolleren Tagespresse übrig blieb gar Gedanken darüber, wie mündig die Masse der Rezipienten heutzutage überhaupt noch ist: „Kommentare zu Artikeln auf dem Web sind manchmal sehr „dahingerotzt“, oft wird gar nicht auf den Artikel eingegangen. Die User nutzen die Gelegenheit, um irgendwelchen sonstigen Ballast loszuwerden.“
Lustig auch, dass Caonica im Interview dennoch betonen muss, dass ihm Meinung und Kritik wichtig sei. Er wünscht sich dieser aber künftig wieder in Form des guten alten Leserbriefs (Eine Technik die seit über 100 Jahren praktiziert wird). So ist offensichtlich gewährleistet, dass Inhalte nicht einfach „dahingerotzt“ werden.
(Ich mach hier eine kurze Pause, damit genug Zeit bleibt zum Lachen)
Interessant auch Canonicas Meinung zu Content und Internet: „Ich persönlich bin skeptisch geworden gegenüber den journalistischen Möglichkeiten im Internet. Das Gerede um die Möglichkeiten des Citizen Journalism begreife ich nicht. Wir sollten uns allmählich Gedanken machen, ob es klug ist, qualitativ hochstehende Inhalte kostenlos anzubieten.“
Es geht also bei weitem nicht nur um die Abkehr von Web 2.0, sondern auch darum, ob die breite Masse überhaupt fähig ist, selbst brauchbaren Inhalt beizusteuern. Das lässt sich auch so interpretieren: Forum, Interaktion und User-Accounts finden sich in Zukunft weiterhin bei 20minuten.ch. Dort tummelt sich der Pöbel, dort hat es Platz für Leute die „Ballast“ loswerden möchten, denn dort verfügt man offenslicht über genug Personal um Debile zu korrigieren.
Kategorien: Medien-Kritik
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Ich bin durchaus empfänglich für Humor. Ich lache gerne mal, wenn jemand einen lustigen Witz erzählt. Manchmal lache ich auch nur aus Höflichkeit. In Ausnahmefällen gar aus Mitleid. Nur in seltenen Fällen bleibt mir das Lachen im Hals stecken. Zum Beispiel dann, wenn eine Geschichte wie eine satirische Abhandlung beginnt, später aber in bitterem Ernst endet.
Thomas Zaugg hat so eine Geschichte geschrieben. Eine dieser Storys, die nach Zynik klingen, zumindest im ersten Abschnitt. Beim Weiterlesen aber dreht die Häme in bedingungslosen, unreflektierten Zuspruch. Dem Leser wird klar, da war keine Zynik, keine Häme. Das war bitterer ernst. Selten, aber wirklich selten habe ich eine ungeniertere Publireportage gelesen. Eine Reportage, die nicht nur Adresse, Öffnungsdatum und Inventar zu ikonischen Ereignissen stilisiert, sondern auch das Angebot inklusive Preise anbetet.
„Er wird gross, ganz gross, sagt die Apple-Pressechefin Schweiz, er wird zwei Etagen haben und fast siebzig Jobs schaffen. Er wird eine grosse «Genius Bar» haben, wo Apple-Profis fast jedes Apple-Problem lösen, und zwar gratis. Es wird Workshops zu Apple-Produkten geben, und auch die kosten nichts. Und Personal-Shopping wird angeboten, das heisst, der Kunde wird persönlich beraten.
Das Store-Erlebnis solle ein Fünfsternehotel-Erlebnis sein, sagt Steve Cano, Senior Director Apple Retail International, am Telefon.
Apple erwartet ein Grossereignis. Erwartet, wie in allen Stores, einen «Switcher»-Ansturm, Heimatlose, die von PC auf Mac wechseln. Erwartet, dass Macianer, wie einstmals in Genf, campieren werden vor der Eröffnung. Glaubt man Steve Cano, so wird Zürich nach dem 22. Mai nicht mehr dasselbe sein. Die Bahnhofstrasse, ein Pilgerweg? Zweifler, schweigt und lest weiter.“
Ich hoffe, Apple ist wenigstens so dankbar und ernennt Zaugg zum ersten offiziellen Mitarbeiter des Monats. Schön mit Foto über der Apple-Eingangspforte, dem begehrten Zutritt zum beschworenen Paradis.
Kategorien: Medien-Kritik
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Es fühlt sich ehrlich gesagt an wie der Gang zum Henker.
Heute um 14.30 Uhr beginnt im Zürcher Kongresshaus die Generalversammlung der TA-Media. Alle Konzepte sind auf dem Tisch, die Entscheide liegen in der Schublade. Nun müssen diese Beschlüsse noch die GV überstehen und dann kann man beim Tages Anzeiger und beim Bund endlich reinen Tisch machen. Es wird allerdings auch Zeit. Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Es fällt schwer, sich für einen Job zu motivieren, den man in drei Monaten vielleicht nicht mehr hat. Wer beim Tages Anzeiger jetzt noch flüchten kann, der tut es.
Beim Berner Bund ist die Situation eher noch schlechter. Dort geht es nicht nur um Rationalisierung, sondern gleich um die Elimination. Nun steht es 5 vor 12. Das wissen auch die Leute vom Unterstützungskomitee „rettet den Bund“. Die unter Zeitdruck entstandene Online-Umfrage zur Zukunft des Bundes ist nicht mehr als ein hilfloser Strohhalm, in der Hoffnung vor der anstehenden GV noch einmal etwas Wirbel zu machen.
Immerhin, bei der Aargauer Zeitung ist man darauf eingegangen. Mehr noch. Dort verleiht man der plumpen Onlineumfrage gar die Weihen einer „nach wissenschaftlichen Kriterien nicht repräsentativen“ Studie. Das ist natürlich völliger Blödsinn. Die „Studie“ *hüstel* kam viel zu spät, war nur online zugänglich und vertritt mit grosser Wahrscheinlichkeit keinen relevanten Teil der Bund-Abonnenten. Diese Studie ist reine Berner Image-Politur und daher entsprechend irrelevant. Leider.
Wer nun denkt, die Redakteurinnen und Redakteure der TA-Media seien die einzigen, die mit Damokles-Schwert als Nackenstütze rumwatscheln, der täuscht sich. Es ist auf jeder grösseren schweizer Redaktion derzeit unangenehm. Verdammt unangenehm. Die Tatsache, dass demnächst mindestens 50 weitere qualifizierte Journalisten auf der Strasse stehen, lässt jeden unbequemen Angestellten zusammen zucken. Für Redaktionsleiter, Chefredakteure und Verleger ist es derzeit ein Leichtes eigene Forderungen durchzudrücken. An Ersatz mangelt es nicht.
Ich kenne mittlerweile mehr arbeitslose Journalisten als solche, die noch arbeiten dürfen. Und langsam aber sicher werde ich sauer. Ich nenne das den „CR“-Terror, diese gezielte Einschüchterung und Manipulation seitens der Chefetage. Das ist, in meinen Augen, unter jeder Sau. Die entlassenen Angestellten leiden ja wohl genug. Es wäre nun gerade an den Chefs die noch verbliebenen Mitarbeiter zu motivieren und das beste aus Ihnen herauszuholen, statt mit einer an die Ruchlosigkeit eines Vatermörders Brutus erinnernden Härte die eigenen Interessen durchzudrücken.
Kategorien: Medien-Kritik
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Nun erwischts also auch die Neue Luzerner Zeitung. 20 Stellen werden gestrichen. Das macht, kumuliert man diese Zahl mit den ausgesprochenen Kündigungen von Anfang Woche bei .CH, 81 Verlags-Stellen, die definitiv verschwinden. Das sind ne ganze Menge. Und jeder Journalist, der noch regulär arbeitet, hofft sein Chef möge etwas weit- und umsichtiger handeln und damit solch harte Konsequenzen vermeiden.
Hannes Britschgi hat nicht ganz unrecht, wenn er die Familie Coninx als den einst sozialsten Arbeitgeber für Journalisten bezeichnet. Seit Knall-hart am Drücker ist, hat der Wind aber gedreht. Wie lange dass Britschgis Angestellte allerdings den jetzt neu „sozialsten“ Arbeitgeber geniessen dürfen, ist fraglich, wenn wir lesen, was Verleger Michael Ringier für mögliche um- und weitsichtige Zukunftsszenarien prognostiziert.
Ich hätte nicht gedacht, dass der Tag kommen wird, an dem ich mit Klaus J. Stöhlker zumindest in Ansätzen einer Meinung sein werde. Und doch ist dieser Moment heute gekommen, denn Stöhlker schreibt: Der “Mittelland Zeitung” verdanken wir die Aussage des Zürcher Grossverlegers: “Mit 18 musste ich die NZZ lesen (Anm. freiwillig hat er es nicht getan) – wir hatten nichts anderes. Warum habe ich sie gelesen? Damit ich wenigstens über das Sportgeschehen informiert war. Ich habe mich damals sicher nicht für den Auslandteil interessiert.” Dreimal Tusch für die Interviewer Olivier Baumann und Christian Dorer. Unter gebildeten Kreisen liest man mit 18 den Auslandteil, aber Tennisspieler? Wer meint, dies sei ein Ausrutscher, wird im gleichen Interview von Michael Ringier belehrt: “Es liest ohnehin niemand drei verschiedene Tageszeitungen, um sich eine Meinung zu bilden.” Herr Verleger, wer will sich eine Meinung bilden, liest er nur eine Zeitung? Mit wem verkehren Sie? Der “MZ” sei Dank für dieses Interview. Ich kenne es nur deshalb, weil ich täglich mehr als drei Zeitungen lese, um mir eine Meinung zu bilden.
Bis auf den Punkt des „wer sich eine Meinung bilden will, muss heute mehrere Zeitungen lesen“ stimme ich Stöhlker zu. Doch dazu ein anderes Mal mehr, denn heute scheint tatsächlich mein Tag der grossen Übereinstimmungen zu sein. Nicht nur finde ich das Nachhaken der AZ u.a. bei Nick Lüthi (Klartext) richtig und gut durchdacht, mir gefallen auch Lüthis Gedankengänge. Wer sich das skizzierte Szenario und die möglichen Konsequenzen für den Ringier-Verlag durch den Kopf gehen lässt, der muss sich tatsächlich fragen, wie lange Hannes Britschgi beim jetzt noch sozialsten Arbeitgeber für Journalisten arbeiten wird.
Denn wenn der Verleger so denkt, können sich die Angestellten Mühe geben so viel sie wollen. Das nützt dann auch nix mehr.
Kategorien: Medien-Kritik
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Es ist schon erstaunlich, wie selbstreferentiell Medienerzeugnisse derzeit berichten. Auf der einen Seite ist es verständlich, wenn der Blick am Abend gross posaunt, man werde aufgrund des Erfolgs (ja, das ist ein Widerspruch – dazu ein andermal mehr) expandieren. Allerdings ist diese Meldung als Zeitungs-Geschichte fragwürdig. Diejenigen die es betrifft, lesen nichts davon und den anderen kann das egal sein.
Viel dümmer jedoch ist, wenn das zum gleichen Konzern gehörende Mutterblatt Blick von einem geplatzten Werbedeal der Konkurrenz berichtet. Welcher Leser interessiert sich ernsthaft dafür, ob die Migros in Zukunft noch bei 20Minuten inserieren wird oder nicht?
Natürlich, für den Ringier-Verlag ist das die beste Meldung seit der Erfindung von Gutenbergs Druckpresse. Migros verfügt über den grössten Werbe-Etat der Schweiz. Daher sind Migros-feindliche Artikel sowohl bei der TA-Media als auch bei Ringier de Fakto verboten. Schön, dass es 20Minuten trotz aufdringlich freundlicher Berichterstattung schafft, den Werbepartner über die Anzeigenabteilung zu verprellen. Wie das allerdings gelaufen ist, kann mir auch der Blick in dieser Top-Meldung nicht erklären.
„Der Grund: Zwischen der Migros und « 20 Minuten » herrscht dicke Luft. Wegen der Tarife für die Werbung. Die Migros verweist auf die Fairness, die zwischen Geschäftspartnern eingehalten werden müsse: «Da wir dies zurzeit in der Geschäftsbeziehung mit « 20 Minuten » nicht empfinden, haben wir uns entschieden, auf eine Zusammenarbeit bis auf weiteres zu verzichten.» Bei der Besitzerin von « 20 Minuten », dem Verlagshaus Tamedia, wehrt man sich gegen den Vorwurf: «Wir haben der Migros ein Angebot unterbreitet, das besser ist als die Angebote für alle anderen Unternehmen in der Schweiz.»“
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Mit Tag(s) versehen: 20Minuten, Blick, Blick am Abend, Expansion, Kollegenschelte, Medien, Ringier, TA-Media
Eigentlich wäre es noch interessant einen Countdown auf dieser Seite zu installieren. Einen kleinen Zähler oben in der linken Ecke, der die Tage zählt, bis die Gratiszeitung .CH dicht macht. Ich gebe dem Blatt noch bis Ende Sommer. Das Umsatzloch während der langen Ferien dürfte die dünne Kapitaldecke zum Einstürzen bringen.
Sollte es dereinst soweit sein, ist dies nicht etwa der Verdienst von „News“ oder der TA-Media. Die beiden Blätter zielen in Sachen Zielpublikum und Inhalte längst völlig aneinander vorbei. .CH hat sich in einem überfüllten Zeitungsmarkt schlicht falsch positioniert und anschliessend selbst durch Ineffizienz und Unoriginalität zu Grunde gerichtet.
Dass Verdrängungsstrategien aber durchaus erfolgreich und effizient sein können, zeigt ein aktuelles und lesenswertes Beispiel aus Frankreich.
Was wir daraus lernen? Wer eine ernsthafte Konkurrenz sein will muss:
- entweder identische oder bessere Produkte anbieten
- dort präsent sein wo die Konkurrenz präsent ist
- immer wieder anpassungsfähig sein
So gesehen torpediert sich die TA-Media im besten Falle selbst mit ihren Produkten. Ich nenne dies fortan: das Anna-Maier-Syndrom.
Kategorien: Idiot des Tages · In Medias Res
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Es ist nun wirklich nicht so, dass ich aktiv nach Idioten suche. Aber wenn einer derart an Wunder glaubt, drängt sich das Thema einfach auf. Als Angestellter der Basler Zeitung würde ich mir spätestens jetzt Gedanken um die mentale Gesundheit meines Chefs machen.
Kategorien: Idiot des Tages
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Für viele kam die Meldung überraschend, für uns nicht wirklich.
Leider geht der lang gehegte Wunsch der TA-Media nun in Erfüllung. Mit der Übernahme von Edipresse streckt der Zürcher Verlag seinen Fühler bis weit über die französische Grenze. Sollte die WEKO dereinst die Übernahme absegnen, entsteht ein Print-Monopol das von Genf bis weit ins Mittelland hineinreicht. Das sind Zustände wie wir sie aus China oder Russland kennen. Nur damit klar ist, von welchen Dimensionen wir hier sprechen. Die TA-Media übernimmt dereinst u.a.:
- Le Matin (die mit Abstand beste Boulevardzeitung der Schweiz derzeit)
- Tribune de Geneve
- 24 Heures
- Le Temps (Teilbeteiligung) (Die mit Abstand beste Qualitätszeitung der Schweiz derzeit)
Im Internet betrifft dies zudem u.a.:
- Swissfriends
- Homegate (Teilbeteiligung)
Zugegeben, das Ganze ging etwas gar schnell. Und ich habe fest damit gerechnet, dass die BAZ-Bastion vor Edipresse fällt. Für das Endergebnis aber ist die Reihenfolge nicht ausschlaggebend. In der Schweiz entsteht ein zweiter Monopolist, der in Dimension Volumen und Macht der SRG ohne Probleme das Wasser reichen kann. Nur, dass der Staat hier nicht regulierend eingreifen kann. Der Umstand, dass die TA-Media lediglich das Inlandgeschaft der Edipresse schluckt, ist leider ein weiterer geschickter Schachzug, zu dem man den Medienmanagern zähneknirschend gratulieren muss.
Übrigens, das ist meine neue Mail-Signatur:
Dose E.S.K
Medienprophetor
Konsumiere Medien mit Verstand 127
8000 Boykottiert 20min
CH-Boykottiert Newsnetz
DoseESK@gotohelltamedia.ch
Kategorien: Medien-Kritik · Wirtschaft
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Wenn Schweizer Verlagsleiter an Podiumsgesprächen über das Medium „Internet“ und die Zukunft der Zeitungsbranche sprechen, fällt mindestens einmal das magische Wort „Spiegelonline“. Wie Excalibur trohnt SPON jeweils über dem geknickten Haupt der Zeitungsbranche, bereit mit seinem Glanz Morgan Le20Minuten und mit ihr das Übel der neuen Welt zu vertreiben. SPON sei die Zukunft, SPON sei der Beweis, SPON sei der Messias, der uns aus der Anzeige-Misere führen werde, in welche uns Gratiszeitungen, Wirtschaftskrise und das Web 2.0 gerissen haben.
Was mich jeweils erstaunt: Selbst gestern, letzte Woche oder letzten Monat war SPON noch immer der unwiderlegbare Beweis dafür, dass es auch in Krisenzeiten mit investigativem Journalismus vorwärts gehen kann. Wenn ich solche Aussagen höre, frage ich mich: Wie schlimm muss es eigentlich noch kommen, damit diese Lüge endlich enttarnt wird? Mal ganz abgesehen davon, dass weder Wanner, Ringier noch die TA-Media die Mittel, die Qualität und das Publikum von SPON zur Verfügung haben, häufen sich in letzter Zeit die Meldungen, dass es auch beim Spiegel nicht mehr all zu rosig aussieht. Der Kioskverkauf ist eingebrochen, der Anzeigenumsatz ging in den letzten Monaten markant zurück und gestern beweinte auch Ove Saffe, Verlagsleiter beim Spiegel zum ersten Mal die Wirtschaftskrise mit den Worten: „Es wird noch viel schlimmer werden, als wir es uns bisher vorstellen können„. Und er ergänzte: „Wir müssen in Zukunft mit deutlich weniger Geld auskommen, ohne dabei an der journalistischen Qualität des Blattes zu sparen„. Wenn selbst der Messias mit Floskeln um sich schmeisst, müssten die Jünger langsam Angst kriegen.
Wer also immer noch glaubt, der berner Bund habe im Moment eine Zukunft, Vogt-Schild plane einen raschen Einstieg in Bern oder die Basler Zeitung werde auch nächstes Jahr noch unabhängig erscheinen, der sollte endlich aufwachen. Wenn selbst der Messias beim Gehen übers Wasser einsinkt, wäre es Zeit für ein neues Weltbild und eine neue Religion.
Kategorien: Medien-Kritik
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