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Es passiert leider selten, dass ich 20 Minuten nicht unfreiwillig, sondern wirklich komisch finde. Heute aber, unglaublich, war einer dieser Tage. Don Hirsch und Don Huisseling hatten gestern ins Kaufleuten geladen. Der eine präsentierte eine weitere Runde „wie man berühmte Menschen anödet“, der andere durfte sich für eben diese Anöderei (Carli der Grosse) in der Weltwoche revanchieren, was er dann nicht wirklich tat.
Blick feiert Carl Blödmann heute denn auch als „Satiriker“ *hüstel*, der einen geplanten Gag über Xenia auf Anraten seiner Berater *hüstel* fallen liess. Gott, was habe ich dank Blick heute wieder gelernt. Als Satiriker braucht man Berater die Gags aufgrund ihrer Brisanz einstufen, nur weil etwaige Medienvertreter (und Blogger) im Publikum sitzen.
Aus aktuellem Anlass eine heute viel zitierte Pointe des Neo-Satirikers Blödmann: „Du willst den Leuten Stil, also – wie ihr Berner sagt – „Stiu“ beibringen. Das ist, wie wenn Renzo Blumenthal Brad Pitt sagen würde, wie er Angelina drannehmen soll“. Ein Schenkelklopfer erster Güte und ein harter Schlag in die Eingeweide von Don Huisseling. Für einmal titelt 20 Minuten zu Recht. „Hirschmann warf mit Watte“. Watte, die moderne Duellwaffe der Stadttunte.
Wer so eine Watte mit voller Wucht in die Fresse kassiert, der leidet. Das erklärt vielleicht auch, warum Blödmann das Wort „Demonstration“ und „1. Mai“ nicht verstanden hat und sich anschliessend wunderte, warum sein Auge tatsächlich blau und nicht etwa nur blau geschminkt war.
Ich will mein Geld zurück! Auch wenn ich als Blogger selbstverständlich keinen Eintritt bezahlen musste.
Kategorien: Idiot des Tages
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Die Rede war von einem Jahrhundersportler (BZ), der auf einer Ebene stehe wie Ali und Jordan, von einem Juwel (Aargauer Zeitung), dass die Schweizer zu wenig würdigen, ja gar von einem Vorbild, dass die Schweizer Politik und Wirtschaft positiv beeinflussen müsste (De Gregorio im Blick) und gefälligst auch soll (Nächstenliebe).
Ich habe den Unterschied gelernt zwischen einem ausserordentlich guten Spieler und einer Legende (NZZ) und was Unsterblichkeit bedeutet (Tages Anzeiger).
Ich sah einen Mann, der den Verkehr am Kreisel des Arc de Triumph in Paris zum erliegen brachte (Adrian Arnold vs. Federer in der Tagesschau) und das wie immer bescheiden abstritt (war ich das etwa?). Man erzählte mir von einem Sportler, der beharrlich an sich glaubte (dä rotschääär federärä: Bernhard Schär auf DRS1) und nie aufgab. Ein Mensch, der uns alle zu besseren Menschen macht, weil er Glück und Klasse in unsere teils öden Leben bringt (24 Heures), einen Menschen, der spielt, damit wir uns freuen dürfen (Le Matin).
Ich muss zugeben, das hat mich etwas überfordert. Ist das wirklich die Schweizer Presse? Sind das wirklich Schweizer Journalisten? Diese bedingungslose Verehrung, dieser Kniefall tief in den Staub der Unterwerfung – das habe ich noch nie erlebt. Und das werden ich auch nie mehr erleben. Das war eine Fata Morgana der Leidenschaft (das habe ich aus einem Schundroman geklaut), die genau so schnell wieder verschwindet, wie sie aufgetaucht ist.
Roger Federer ist ein Ausnahmetalent, keine Frage. Ob er eine Legende ist, ein Jahrhundertsportler oder gar unsterblich, wird die Geschichte entscheiden. Doch eines kann ihm niemand nehmen. Er hat ein ganzes Volk geeint. Das soll ihm erstmal einer nachmachen. Kein Pirmin, keine Vreni, keine Alinghi, kein Hayek, kein Michel Comte, keine Pipilotti, kein Herzog und auch kein DeMeuron, kein Max Bill sei er noch so Frisch, heisse er Jeremias oder Friedrich, Dufour oder Einstein hat das je geschafft. Sie alle haben ausserordentliches geleistet, aber ganz gereicht hat es nicht.
Roger Federer ist ein Nationalheld der bedingungslos geliebt und verehrt wird, weil er all die Qualitäten in sich vereint, die Schweizer so bewundern und an sich selbst so schätzen.
Er ist bescheiden, ausdauernd, zielstrebig, eigen, unbeugsam, loyal, erfolgreich.
Sprich: ein Übermensch. Schlicht und einfach weltklasse.
Ob ich das allerdings so toll finde, weiss ich ehrlich gesagt nicht. Noch nicht. Trotzdem. Der Nächste der sagt, das schweizer Volk sei uninspiriert oder gar leidenschaftslos, den mach ich platt. Am besten mit einem Tennisschläger.
Kategorien: In Medias Res
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Eine Freude der besonderen Art bereitet uns heute Andre Reithenbuch, seit neustem nicht nur schönster sondern auch bekanntester Nicht-Leser der Schweiz. Der 22-jährige leidet an Illetrismus. Eine Schwäche die der Zimmermann mit rund 800´000 Schweizerinnen und Schweizern teilt.
Angesichts solch entblössender Offenheit wanken die Medien in ihren Artikeln zwischen Bewunderung (Stimme der Vergessenen) Vorurteilsbestätigung (schön und dumm) Mitleid (Er besitzt lediglich 1 Buch) und Häme (XY liest ihm die Leviten).
Besonders aktiv sind die Blick-Journalisten, die sich geradezu in einer Sinnkrise befinden. War der letzte Mister Schweiz noch ein Mister Weichei mit Gay-touch, müssen sie nun feststellen, dass dieser immerhin lesen konnte, was sie an Beleidigungen aufs Blatt pressten.
Mal ganz abgesehen davon, dass der neue Mister Schweiz ein wunderbares Vorbild für die Jugend ist („ich habe keinen Bock aufs lesen“ – „in der Schule habe ich halt zum Fester rausgeschaut“), kommen mir angesichts solcher Schlagzeilen definitiv die Tränen:
Andre Reithenbuch zeigt das einzige Buch, das er in seinem Leben gelesen hat
Stimmt. Er zeigt es. Was darin steht, erfahren wir in dieser Geschichte leider nicht.
Kategorien: Medien-Kritik
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Der Biometrische Pass teilt die Schweiz. Und zwar ziemlich genau in der Mitte. Im Kanton Glarus fiel die Entscheidung mit gerade mal fünf Stimmen unterschied. Für einmal gilt tatsächlich: Jede einzelne Stimme hätte gezählt. Alle zu Hause gebliebenen müssen sich deshalb den Vorwurf gefallen lassen, dass sie dieses Resultat deutlich mit verschuldet haben. Ein Zürcher Agglobezirk alleine hätte ausgereicht, um die Zahl zu drehen.
Fakt ist: der biometrische Pass beschäftigt die Schweiz. Auch in Blogs wurde immer wieder darauf hingewiesen, dass die Informationsleistung seitens Medien und Bund mehr als mangelhaft war. Das Resultat ist daher auch als „Chaos“ zu deuten. Eine klare Meinungsbildung war für viele Menschen schlicht weg zu aufwändig. Kaum einer wusste, welche Regeln Schengen vorschreibt, was der biometrische Pass eigentlich für Daten speichert und welche Möglichkeiten diese Datenspeicherung bietet, bieten darf und nicht bieten kann. Spätestens heute wäre es darum an den Medien gewesen, Bund und Parlament für die Desinformationspolitik, der die Journalisten teilweise selbst unterlagen, zu rügen. Ausser der NZZ und der Aargauer Zeitung, die deutlich darauf hinweisen, tut das in der Deutschschweiz aber niemand. Alleine die Romandie protesiert mit Le Temps, Tribune, 24 Heures und Liberté geschlossen. Was also ist mit der kritischen Medienberichterstattung in der Deutschschweiz geschehen?
Am deutlichsten wird die Misere ausgerechnet beim Blick. Die Zeitung, die sich einst für „die Anliegen und Bedürfnisse der kleinen Leute“ einsetzte, erwähnt die Abstimmung auf der Titelseite mit keinem Wort. Stattdessen rollt die Boulevardzeitung eine Geschichte auf, die bereits Anfang letzter Woche in der Romandie erschien und in verschiedenen Deutschschweizer Blogs bereits für heftige Diskussionen sorgte. Ohne neue Informationen, ohne zusätzliche Inhalte oder Service. Es ist einfach nur ein billig abgekupferter Inhalt einer tragischen Geschichte, die zeigt, wie schlecht und unsorgfältig Initiativ-Texte manchmal durchdacht sind (was im Text aber leider nicht erwähnt wird).
Die Aktualität findet sich dann übrigens auf Seite 11. Klein, unwichtig und kaum beachtenswert. Genau so unreflektiert und undurchdacht übrigens wie mancher Initiativtext.
Kategorien: Medien-Kritik
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Du hast so lange rum gesessen, Punkrock hast du längst vergessen. Deine Roots hast du verraten. Jetzt bist du am warten auf die nächste grosse Zeit, die dich zurück nach vorne treibt.
Céline Dion feat. Oli Schulz – Die Ankunft der Marsianer
Die Schweizer und der ESC. Es ist ein Drama.
Nicht das Ausscheiden. Nein, das ist völlig in Ordnung und durchaus berechtigt. Das Drama ist das Drama nach dem Drama. Diese Dramen tragen Namen wie Chris von Rohr, Sandra Studer oder H. Elias Fröhlich. Und ihre Epen stehen in Blick, 20 Minuten und im Blick am Abend.
Im Vorfeld wurden die Offbugs (kommt gut, OFFbugs) in den Himmel gelobt. Coole Einstellung, nix zu verlieren oder wie die Jungs zu sagen pflegen „gehen wir mal raus und blasen den 15 Nasen das Hirn raus“. Normal halt. Wir sprechen ja vom ESC, dem Exklusivsten Schwachsinns Contest Europas.
Das Ausscheiden war nur logisch. Denn Musik ist Show, Europapolitik dramatisch und ein Contest ist laut Definition ein Wettbewerb. Und die Offbugs sind halt nur eine Band – immerhin eine solide, so eine Art musikalisches Schweizer Sackmesser. Die einzelnen Bestandteile mögen mit den Jahren wechseln, aber der Name hält was er verspricht. Doch damit gewinnt man keinen Schwanzvergleich der Messerwerfer.
Nun ein Drama zu machen und das ewig mediale „wollen wir nicht doch nicht mehr nicht mitmachen?“-Drama predigen ist völlig überflüssig. Auch Kritik an den Offbugs zielt ins Leere. Es war von Anfang an klar, dass dies im besten Falle etwas Gratiswerbung für die Basler werden würde. Notabene vom Steuerzahler finanziert. In Anbetracht, dass wir für weit dümmeres Geld ausgeben (siehe Ali), geht das in Ordnung. Die Offbugs danken es. „Hey, unser Song stand heute Morgen auf Platz eins der schwedischen iTunes Alternative-Charts. Geil, oder?“ (BlaA von gestern/S.3).
Ja, doch. Geil. Das mögen wir ihnen gönnen. Den hiesigen Boulevardmedien aber verleihen wir für die ewig wiederkehrende Copy-Paste Argumention den Panik-Pokal des Monats Mai. Schnauze jetzt, es reicht. Bobo und Piero kamen nicht mal in die schwedischen Alternativ-iTunes-Charts. Deswegen forderte ja niemand, dass man iTunes oder gar Schweden abschafft.
Kategorien: Medien-Kritik
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Gestern noch haben wir uns über die Druckversuche seitens der Verleger und Chefredakteure beschwert. Heute wurde uns nun von einem Informanten beim Schweizer Fernsehen folgendes brisante Dokument zugespielt. Es handelt sich dabei um einen hoch geheimen Blickartikel aus der gestrigen Ausgabe, der so geheim ist, dass er online leider nicht zugänglich ist. Aus diesem Grund haben wir uns nach intensiven Diskussionen entschlossen, die Klageschrift in ungekürzter Länge zu veröffentlichen:
Am Donnerstag muss TV-Chef Ueli Haldimann wieder mal vor Gericht antraben. Die Direktorin stellt sich hinter ihn.
Erst letzte Woche hat das Zürcher Obergericht das Strafmass für den verurteilten SF-Chefredaktor neu festgelegt. Jetzt steht Ueli Haldimann erneut vor dem Strafrichter – diesmal am Zürcher Bezirksgericht. Dort geht es um Aufnahmen mit versteckter Kamera 2007 in der Praxis von Schönheitschirurg Peter Meyer-Fürst (72). Haldimann begründete die Aufnahmen damit, man habe ja gesehen, wie der Arzt «sieben Mal an den Brüsten herumtöpelt». Auch im Fall einer Verurteilung stehe er als Chefredaktor «nicht zur Diskussion», sagte SF-Direktorin Ingrid Deltenre in der «SonntagsZeitung» (SoZ).
Trotzdem gibt Haldimann immer mehr zu reden – auch bei SF. Sein Problem sei, dass er «seine gerechte Sache mit publizistischen Grundgesetzen verwechsle», so ein Ex-Kadermitglied. Anders gesagt: Weil er Meyer-Fürst für einen «Grüsel» hält, rechtfertigt das für ihn den Einsatz der versteckten Kamera.
Haldimann stolperte schon früher über sein persönliches politisches Gewissen, was zu Patzern führte. So musste er sich 1996 als Chefredaktor der SoZ bei Bankier Hans Vontobel entschuldigen, nachdem ihm das Blatt vorgeworfen hatte, er habe sich mit Stasi-Leuten getroffen. Als Haldimann 1997 seinen Chefposten bei der SoZ «zur Verfügung stellte», war es ähnlich: Ein falsches Blocher-Zitat hatte diesen in den Dunstkreis von Rechtsextremen gestellt.
2002 wird Haldimann Chefredaktor beim Schweizer Fernsehen. Da zeigt sich noch ein Problem: Er ist verschlossen, technokratisch und nicht kritikfähig. « Haldimann betreibt ein Management by closed door – er löst Probleme am liebsten schriftlich», sagt ein News-Mann.
2006 verknurrt ihn das Bundesgericht gericht wegen eines «Kassensturz»-Beitrags dazu, für eine Privatschule Gratiswerbung in der Höhe von 400 000 Franken zu schalten. Er muss sich für ein Interview mit SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli vor dem ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald entschuldigen. Ebenso für die «Abhöraffäre» mit dem «verwanzten» Toni Brunner.
Die Fehler sieht er kaum bei sich – aber oft bei seinen Mitarbeitern. Die massregelt er gern in seinem Newsletter oder in seinem Blog auf der SF-Homepage. Als ein Reporter nach der Bundesrats-Nomination ein aggressives Interview mit Maurer und Blocher führt, kanzelt er ihn öffentlich im Blog ab.
Der scheue Chef, der immer seltener am TV kommentiert, gibt sich im Blog angriffig: Als es 2006 darum geht, dass SF-Mitarbeiter mit 62 pensioniert werden sollen, giftelt er: «Am liebsten würden wir die Zusammenarbeit mit allen (oder sagen wir fast allen) weiterführen.»
Bleibt für Haldimann zu hoffen, dass das auch für ihn selber gilt, auch wenn er erst 55 ist. Diese Woche wird es enger für ihn.
Kategorien: Medien-Kritik
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Der Nachrichtenchef der Abendzeitung Blick am Abend unkte jüngst, er vermisse konstruktive Kritik an seinem Produkt. Wir wollen Namen von der Redaktion zensiert, weil der Genannte sonst wieder mit Eier-Kritik auf uns eindrischt’s Wunsch gerne erfüllen. Darum habe ich mich gestern gezwungen mit Freude wieder einmal den Blick am Abend gelesen überflogen. Da wir unsere Arbeit gerne richtig machen, habe ich auch gleich die Ausgaben aus Bern und Basel mitgelesen, schliesslich will man ja wissen, welche Art Mehrwert so ein Regionalsplit liefert.
Leider muss ich die Zeitung online lesen. In meiner Heimatstadt in Burkina Faso gibt es keine Boxen. Daher beziehen sich folgende Feststellungen auf die online zugänglichen Flashpapers.
Besonders beeindruckend wäre der Basler-Split gewesen (S.5 „Dem Van Gogh ein Ohr ab“). Passend zur derzeit aktuellen Van Gogh-Ausstellung hat Journalist Ronny Wittenwiler eine „blutige Geschichte“ recherchiert. Deren Inhalt: Vincent schnitt sich sein Ohr nicht selbst ab. Im Gegenteil. Es wurde abgesäbelt, von Vincents grossem Vorbild, von Paul Gauguin persönlich. Wer eine solche kühne Behauptung abschreibt aufstellt, sollte auch ein paar Worte zu den Motiven des Täters verlieren. Sonst wirkt das Ganze irgendwie surreal. Dummerweise hat Ronny das in seiner Geschichte aber vergessen. Der einzige Hinweis: „Gauguin galt als begnadeter Fechter“. Der Leser muss folglich selbst kombinieren, dass Vincent wohl zufälligerweise mit seinem Ohr in ein Fecht-Training stolperte.

Ohr des Anstosses: Van Gogh
Ansonten stütz sich Ronny auf ein Buch in dem „historische Polizeiberichte und Zeugenaussagen“ vorkommen. Also entweder ist eine Zeugenaussage bereits Teil eines historischen Polizeiberichtes, oder aber Ronny wollte uns klar machen, dass es tatsächlich heute noch Zeugen gibt, die beobachtet haben, wie Vincent mit seinem Ohr dem Fechttraining lauschte.
Alles nicht so schlimm, wenn schon die Basler Ausgabe so tolle News bereit hält, die allen formalen journalistischen Anforderungen bis ins letzte Detail genügen, dann kann’s in Zürich und Bern nur noch besser werden. Wird es auch. Dort findet sich anstelle der Van Gogh-Story die Geschichte, die in Basel auf der nächsten Seite stand. Eine abgekupferte Blickgeschichte.
Die war so gut, dass sie in Bern und Zürich gleich zweimal erscheinen musste. Anstelle von Van Gogh und dort, wo sie auch in Basel stand, auf der nächsten Seite nämlich.
Kategorien: Medien-Kritik
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Finde nur ich das störend oder ist es teils inflationär, wie gewisse Experten in den schweizer Medien rumgereicht werden? Gestern kam dieselbe Nase zuerst im Echo der Zeit, anschliessend in der Tagesschau und heute Morgen muss ich dasselbe Gesicht noch einmal im Blick und in der 20 Minuten sehen?!
Nichts gegen den Ferdinand, an dem ist nix auszusetzen, der kennt seine Branche. Aber es wird in der Schweiz ja wohl auch noch jemand anderen geben, der sich ein wenig mit Autos auskennt.
Der Gedanke, dass Experten für ihre Auskünfte auch noch ein Honorar kriegen, wischen wir jetzt einfach mal bei Seite. Sonst hätte der Ferdinand gestern nämlich im Lotto gewonnen.
Kategorien: Medien-Kritik
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Dumm gelaufen. Anders kann man das wirklich nicht beschreiben.
Zuerst explodierte eine Phiole mit H1N1-Erregern in einem schweizer Intercity und gestern unterlief dem Personal im Kantonsspital Baden ein Interpretationsfehler. Die Konsequenz: Ein junger Mann, der sich tatsächlich in Mexiko mit dem Virus infizierte hatte, wurde nach Hause geschickt.
Die neuste Pandemie ist zumindest in der Schweiz eine peinliche Pannen-Serie. Wäre ich BAG-Mitarbeiter, würde ich mich grün und blau ärgern, dass die wirklich gute Vorarbeit von einigen Wenigen medienwirksam zunichte gemacht wurde. Es würde mich auch nicht wundern, wenn heute am Flughafen Kloten die nächste Episode dieser Realsatire stattfinden würde.
Dumm gelaufen ist die Geschichte auch für die Medien. Allen voran für den Blick, obwohl die Redaktion für einmal gänzlich unschuldig, am Knüller nah drann war und einfach nur scheiss Pech hatte. Da feierte man Kerry F. gestern gross auf der Titelseite als mögliches Opfer, nur um in der heutigen Ausgabe Entwarnung zu geben:
Kerry F. hat sie nicht – aber es gibt neue Fälle!
19:53 | 29.04.2009
BADEN – Kerry F. kann aufatmen: Der Verdacht auf Schweinegrippe hat sich bei ihm nicht erhärtet. Der 19-Jährige durfte das Spital heute Abend verlassen.
Gestern um 20:00 war Kerry F. bereits wieder auf dem Weg ins Spital. Diagnose: Schweinegrippe. Ist übrigens jemandem aufgefallen, dass Kerry F. immer jünger wird? Gestern zählte er im Blick noch 22 Lenze, heute waren´s noch 19.
Bevor nun alle über den Blick lachen: Auch in der NZZ gab´s den Kerry F.-Hype. In der sachlichen und glaubwürdigen Faktensprache wirkt die ganze Geschichte heute irgendwie noch grotesker.
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Pandemien, WHO und Grippeerreger des Typs H1N1. Besser könnte das Leben für Journalisten nicht sein. Und zu Recht unkt der eine oder andere User in Leserforen, nun beginne die mediale Vogelgrippepanikmache von Neuem. Nur dass neben Vogel-DNA nun halt auch noch etwas Schweine-DNA im Grippe-Virus steckt.
Die Schweiz verhielt sich bisher vorbildlich. Das BAG informierte immer wieder in Absprache mit der WHO, richtete am Sonntag gar eine Hotline ein. Eine mediale Panikmache wurde so professionell und gekonnt verhindert. Im Gleichschritt informierte auch Radio DRS ausführlich. Gestern Vor vier Jahren übte die Bundesverwaltung zudem mit einem durchaus realistischen Szenario den Notfall. Wie reagiert der Bundesratssprecher Achille Casanova unter Stress, wie die zuständigen Behörden? Nebst echten Journalisten war auch der Bundesrat vollzählig an der Übung beteiligt. Fazit der Aktion: Die Kommunikation funktioniert, die Behörden sind handlungsfähig, wir sind in Sicherheit.
Dummerweise rechnete da noch niemand damit, dass gestern Abend tatsächlich ein Laborbehälter mit einer angeblich ungefährlichen Variante des Swineflu-Virus in einem schweizer Intercity Zug mit der Nummer 730 explodierte. Also genau eines jener Szenarien, dass die Behörden gestern einst noch so fleiss geübt haben. Allerdings handelte es sich dabei laut Polizeiangaben nicht um einen Terroranschlag, sondern um einen Unfall. Schuld war ein Mitarbeiter des Nationalen Influenza Zentrums in Genf, der offensichtlich nur mangelhaft gesicherte Phiolen bei sich hatte. Die Polizei stoppte den Zug vor dem Bahnhof Lausanne. Experten sicherten den Wagen und beruhigten die Passagiere. Doch da war die News schon raus. Dem 2o-Minuten Mobile-Reporter sei dank.

Explosion im IC 730 - Schwein gehabt
Das klingt, ehrlich gesagt, ein wenig wie in einem Horrorfilm. Was soll der einfache Zugreisende da denken? Die Tatsache, dass beim I-Zentrum intern garantiert ein Sicherheitsdispositiv für Mitarbeitende und den Transport gefährlicher Viren besteht, könnte der Reisende zwar ahnen, aber er weiss es nicht. Und was, wenn jetzt ein Schwein im Zug gewesen wäre? Die arme Sau! Dies ist, in Anbetracht der angespannten Lage der Wanrstufe 4 der WHO eine Art GAU. Warum informiert der Bund hier nicht auch so kompetent wie in der Übung? Warum sickern nur allmählich Details durch? Dieser wirklich dämliche und unnötige Unfall öffnet der Spekulation Tür und Tor. Der Tages Anzeiger hat die Geschichte online bereits auf der Front. Genauso 20 Minuten und das SF. Radio DRS erwähnt den Unfall hingegen mit keinem Wort und beim Blick ist die Meldung so alt (08:17), dass das letzte Update bereits gestern morgen um 10:24 erfolgte und die Geschichte darum nicht mal mehr ein Aufmacher wert ist.

Versteht keine Sau - Influenza im Blick
Gestern morgen um 10:24? Wie genau soll das bitte gehen? Wusste der Blick schon vor dem Unfall, dass ein Unfall passieren würde? Juhu! Verschwörungstheorie ahoi.
Kategorien: In Medias Res · Medien-Kritik
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