Monatsarchiv: Januar 2009

Wie werde ich Fernsehmoderator?

So sicherlich nicht.

Selbst wenn es sich dabei nur ums Regionalfernsehen handelt.

1 Mikrofon: 2oo.-
1 Kamera: 1500.-
1 Studiomiete für einen Tag: 500.-
1 Frage: Bist du schon vergeben?
1 Antwort: Seit 15 Jahren an Thomas Borer

Und der Groschen fällt immer noch nicht??

Priceless.

Ron Orp und die Journalisten – Die Liste

Die Geschichte wird immer besser und die Liste der beteiligten Journalisten entsprechend länger.
Dafür, dass solche Aufrufe nur in seltensten Fällen überhaupt zu einer Replik führen, wie hier mehrfach von Journalisten behaupten wurde, kommt die Methode auffällig häufig zum Einsatz.
Aus diesem Grund, und in Anlehnung an die Diskussionen diese Woche darüber, ob und unter welchen Umständen es legitim sei, als JournalistIn auf solche Mittel zurück zu greifen, führe ich von nun an eine Liste.

Medienhäuser mit qualitativem Redaktionsstatut, die bereits bei Ron Orp inseriert haben:

- SRDRS
- SF x2 (Neu)
- TA-Media (Neu)

Journalisten, die bei Ron Orp nach Protangonisten suchen lassen:

- mireille.jaton@sf.tv (Aeschbacher)
- andre.ruch@sf.tv (Puls)
- flurin.maissen@srdrs.ch (Doppelpunkt)
- anuschka.roshani@dasmagazin.ch (Das Magazin)

Wobei Anuschka Roshani´s Anzeige mein bisheriger Favorit ist:

Wir von der Redaktion des „Tages-Anzeiger-Magazins“ suchen dringend Frauen, die in wenigen Sätzen erzählen, auf welch haarsträubende Weise sie schon mal von einem Freund verlassen wurden (z.B. per sms, mail oder mit einer besonders blöden Begründung), und die sich dafür auch (in den nächsten Tagen) fotografieren lassen. Tel. 044 248 4413 oder 044 248 4617.

Vielleicht sollte ich mal anrufen. Ich wurde diese Woche auch verlassen. Von meinem guten Glauben. Per Forum. Zählt das?

Agenda Setting – Oder was die Aargauer Zeitung nicht kann

Dass mich die AbschlussredakteurInnen der Aargauer Zeitung regelmässig zur Verzweiflung treiben, ist keine Neuigkeit. Folglich sollte es mich auch nicht überraschen, wenn sich gravierende Fehler auf dieselbe Art und Weise wiederholen.

Wer heute nach dem Gewinner der Hockey Champions League sucht wird in jeder Schweizer Zeitung bereits auf dem Titel fündig, ausser in der Aargauer Zeitung. Dort steht gar nichts. Nicht einmal eine Randnotiz. Dass es sich hierbei lediglich um einen historischen Erfolg, ja den grössten Erfolg eines Schweizer Hockey-Clubs ever handelt, macht die Sache nicht wirklich besser.

Bereits beim letzten derartigen Aussetzer wurde ich etwas stutzig. Die Redaktion des Mantelteils gilt nicht unbedingt als ehrgeizigste Truppe des Landes. Wenn man bedenkt, dass das Spiel bereits um 19.30 begonnen hat, ist es tatsächlich etwas schäbig, wenn nicht einmal das Schlussresultat in der Zeitung zu lesen ist. Oder anders gesagt: Punkt 22 Uhr scheint in Baden keine Sau mehr zu arbeiten.

Das ist selbst für eine Tageszeitung mit regionalem Anspruch eine sehr beschämende Ausgangslage, besonders dann, wenn neue Chefredakteure die Fehler ihrer Vorgänger konsequent weiter pflegen.

Ron Orp und die Journalisten Teil II

Eigentlich dachte ich, der Ron Orp Beitrag wäre abgeschlossen. Mal abgesehen von denen die nicht lesen können und den Übrigen, die denken, es sei nötig sich zu wiederholen. Dass Argumente durch Repetition nicht besser werden, scheint bei vielen Lesern keine Rolle zu spielen.

Glücklicherweise hat sich die Diskussion heute etwas weiter entwickelt. Auf einer, nennen wir es mal, praktischen Ebene. Wir erinnern uns: Am Anfang stand die von mir gemachte Behauptung: Doppelpunkt- (DRS1) und Aeschbacher- (SF1) Redakteure, deren Job daraus besteht, Protagonisten zu rekrutieren, suchen bei Ron Orp (Trend-Forum) per Inserat nach Protagonisten. Dies erinnere an eine in Deutschland prosperierende Methode, wonach es nicht mehr im Interesse des Journalisten liege eine etwaige Realität abzubilden, sondern nur noch darum gehe, sein Format abzufüllen.

Der Vorwurf zielte zudem darauf ab, Ron Orp als Plattform für etwaige Suchaufrufe in Frage zu stellen. Die Argumente waren: kontext-, sinn- und bezugsfreie Umgebung, erschwerte Quellenüberprüfung und erhöhte Gefahr telegener Selbstdarsteller. Vielleicht ist es noch nötig zu sagen, dass ein Grossteil der Kommentare lediglich davon handelte, ob es legitim sei, die Arbeit und Ethik von Journalisten grundsätzlich in Frage zu stellen, oder auf den Nenner zu zwingen, dass gemachte Aussagen nur dann zulässig sind, wenn der Autor nicht aus der Anonymität heraus argumentiert. Beide Kritiken zielen ins Leere und sind für eine inhaltliche Diskussion zum genannten Thema irrelevant. Meine Meinung bleibt: Beide Journalisten handeln unzulässig und gehören gerügt.

In den Kommentaren hat sich allerdings trotzdem eine andere Frage (Stichwort: aufgeschlossener Internetjournalismus) herauskristallisiert:

Ist es legitim per Online-Aufruf nach Quellen zu suchen?

Die Frage ist ganz allgemein gehalten und beinhaltet keine Bindung an Medien, Statuten oder Journalisten. Daher lautet die Antwort hier simpel: Ja. Das ist legitim. Solange keine Kriterien oder Regeln bestehen, ist jede Hilfe und Erleichterung willkommen. In Anlehnung an die Kommentare von Bruder Bernhard und Ronnie Grob, war und ist dies eine gängige Methode vieler Journalisten, die ihre Artikel mit entsprechenden Quotes „enhancen“ müssen. In Anlehnung an Matthias Daum bleibt hier gar anzufügen, dass es einen etwaigen Suchradius ungemein erweitern kann. Ich verweise als Beispiel auf entsprechende Aufrufe, die DRS1 (z.b. Wunschkonzert) selber im Tagesprogramm tätigt, um auf diese Weise ein Maximum an Protagonisten zu erhalten. Die Frage ist daher nicht interessant und muss auch nicht weiter besprochen werden, wie dies beispielsweise von David Bauer gefordert wird.

Interessant wird die Frage aber dann, wenn Regeln und Leitlinien sowie der Anspruch des Mediums und des Journalisten selbst in die Diskussion fliessen. Ich möchte dies am Punkt von Matthias Daums Beispiel erläutern. Der Text soll dazu dienen zu diskutieren, unter welchen Umständen eine Online-Suche vertretbar oder gar wünschenswert ist und unter welchen nicht.

Matthias Daum spricht in seiner Funktion als Redaktor des NZZ Campus-Magazins. Einer Beilage der NZZ. Im Speziellen handelt es sich dabei um Branchenportraits, welche angehenden Arbeitnehmern ermöglichen soll, mögliche zukünftige Arbeitgeber etwas besser kennen zu lernen. In diesem Fall soll der Online-Aufruf gar als qualitätssteigerndes Element dienen:

„Dabei würde der einfache Weg über die PR-Stellen der ausgewählten Firmen führen. Diese würden mir dann ein Treffen mit einem HR-Verantwortlichen sowie einer jungen Vorzeige-Mitarbeiterin ermöglichen. Der Nachteil dabei: Dreiviertel des Gesagten ist Firmenslang-Geschwätz. Viel lieber mache ich da einen Online-Aufruf, auf welchen sich eine mir auch ausserhalb der virtuellen Welt bekannte Kollegin meldet, die mir wiederum eine Kollegin vermitteln kann, die in der von mir porträtierten Branche arbeitet.“

Das Resultat sei so vielfach spannender als ein Gespräch mit Vorzeige-Mitarbeitern, da diese unter Druck der entsprechenden PR-Abteilung stehen würden. Das einzige Kriterium, welches hier an den Online-Aufruf gestellt wird ist also: Du darfst nicht von der PR-Abteilung instrumentalisiert worden sein. Die Beschränkung ist singulär und erfordert keine weiteren Massnahmen. Da es sich bei der Campus-Beilage zusätzlich um eine PR-Beilage der NZZ handelt und nicht um einen Teil des Stammblatts selbst, gilt das Redaktionsstatut hier auch nur ansatzweise. Oder besser gesagt: Darf nur ansatzweise gelten. Viele Artikel trennen in diesen Beilagen viel zu wenig zwischen Inhalt und Werbung, als dass es für das Mutterhaus vertretbar wäre. Als Beispiel sei auf weitere NZZ-Beilagen wie etwa „Z“ verwiesen. Dass Beilagen-Mitarbeiter und NZZ-RedakteurInnen zum Teil kongruent sind, spielt dabei keine Rolle, solange es sich nur um einen Teil der Belegschaft handelt.

Im weiteren führt Daum an, für andere Artikel sei die Methode ungeeignet. Nicht weil die Kriterienschwelle zu hoch sei für etwaige Aufrufe, sondern weil die Gefahr bestehe, dass der Journalist seine These offenlege und seine Idee fremdverwendet werde. Hier bin ich anderer Meinung. In Abhängigkeit von Medium, Statut, Anspruch und Ressort variieren auch die Möglichkeiten der Informationsbeschaffung. Entsprechend dazu steigen oder fallen auch die Beschränkungen. Im Falle der erwähnten Redaktionen (DRS1 und SF) bleibe ich dabei und verweise auf entsprechende Verstösse. Im Falle der NZZ sowie des Tages Anzeigers tendiere ich je nach Ressort auf eine ähnliche Vorgehensweise. Da weder David Bauer noch Matthias Daum für diese Ressorts tätig sind, entfällt – wie bisher – eine entsprechende Kritik. Die in den Kommentaren angeführten Beispiele sind daher für das von Anfang an genannte Exempel nicht aussagekräftig. Anders die von mir erwähnten Redaktionen. Beide fallen unter entsprechende Ressorts. Beide sind ähnlichen Statuten verpflichtet und für beide gilt es, auf solche Praktiken zu verzichten.

Und in eigener Sache: Die Aufgabe dieses Blogs besteht nicht darin, Journalisten per se zu kritisieren. Sowohl Hose wie auch Dose wollen viel mehr auf Grauzonen verweisen und entsprechende Fälle aufzeigen. Im besten Falle entsteht eine Diskussion, so wie hier. Dies ist um so nötiger, da wir uns in Zeiten der Rezession befinden, in denen es vielen Verlegern darum geht auf Kosten der Qualität zu sparen und erfahrenes Personal durch billigere und jüngere Kräfte zu ersetzen.

Sat.1 – Wenn die Sabine mit dem Stefan

Sie ist wieder da. Mama Sabine, die PR-Beauftragte der deutschen Politik, und Stichwortgeberin der Mächtigen kehrt an die Bildschirme zurück. Statt mit der ARD, die mit Pocher/Schmidt in Sachen Ironie offenbar bereits voll ausgelastet ist, verhandelt Sabine Christiansen derzeit aber mit Sat.1.

Wirklich lustig daran ist nicht, dass Christiansen ihr (deutsches) TV-Comeback ausgerechnet in einem Moment wagt, in dem sich eigentlich nicht mal mehr die Deutschen selbst für ihre Politik interessieren, sondern dass Mama Sabine einen Co-Moderator kriegt. Es handelt sich dabei um keinen geringeren als Stefan Aust (Ex Spiegel-Cheffe).

Eigentlich dachte ich, es handelt sich dabei um einen Witz. Seit der Spiegel die Meldung aber bestätigte, muss ich wohl einsehen, dass es den beiden ernst ist. Glücklicherweise ist die Sendung auf fünf Ausgaben begrenzt.

Journalistenlockstoff: Bier?

Wenn sich mit Bier tatsächlich Quellen für Journalisten erschliessen lassen, dann sollte man als fortgeschrittener Praktiker seiner Zunft folgendes bedenken: Bier taugt nur für Männer unter 30. Was macht also der raffinierte Quellenschnüffler? Er verwendet ein fein abgestimmtes Arsenal von Alkoholika als Lockstoffe. Alcopops für unter 18-jährige. Singlemalt für Männer über 50. Weisswein für Frauen über 30. Barolo für Männer über 30. Caipirinha für Frauen aus ländlichen Regionen. Billigen Vodka und Tequila für Minderintelligente. Sangria für Frauen unter 25. Glühwein für pensionierte Polizisten. Senfsäure für Regenwürmer. etc.

Die meisten dieser Materialen zur Quellenjagd sollten in jeder vernünftigen Redaktion sowieso vorhanden sein und belasten damit keines der schon stark strapazierten Verlegerbudgets.

Ron Orp – Oder wie Journalisten recherchieren

So. Nun reicht’s. Irgendwann musste das ja kommen. Und heute ist der Tag, an dem der Kasten zum Überlaufen voll ist.

Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, in denen Journalisten wenigstens selbst in Elternforen und Magersuchts-Diskussionen nach aussagewilligen Teenagern gesucht haben, um ihre Hilfe-ich-bin-zu-dünn-was-soll-ich-tun-Geschichten mit echten Aussagen zu untermalen. Das brauchte zwar etwas Zeit und Feingefühl, aber das Ergebnis wirkte zumindest authentisch. So modern dies klingen mag, das war einmal. Heute geben Journalisten ihre Suchanfragen gleich in „Journalist sucht„-Foren auf. Das Thema spielt dabei keine Rolle mehr.

Oder anders gesagt: wenn ich Lust hätte, könnte ich heute – ohne Aufwand notabene – folgende Menschen spielen:

- Eine Auswanderin/ER

- Eine Speeddaterin/ER

- Erfolgreiche Abnehmerin/ER

- Eine Höhenangst Habende/ER

Die Auftraggeber hinter diesen Anzeigen verstecken sich auch nicht etwa, sondern geben sich samt E-mail Adresse zu erkennen. In diesem Falle handelt es sich um einen DRS 1-Redakteur (Doppelpunkt / Schatzchästli), eine freie Ringier-Redakteurin (schöner Leben), die auch für die SOZ schreibt und eine SF 1-Redakteurin (Aeschbacher). Wer jetzt sagt: Ach ist doch egal, Journalisten mogeln sowieso und das ist ja nicht mal mogeln sondern nur eine Such-Erleichterung, mag vielleicht für ein DRS-Praktikum die richtige Einstellung mitbringen, mit Journalismus, so wie ihn Raue/Schneider einst definierten, hat das nichts mehr zu tun. Im Gegenteil. Die Authentizität der Teilnehmer lässt sich so praktisch nicht mehr vernünftig überprüfen. Die Rekrutierung erfolgt völlig assoziations- und kontextgelöst. Und ich mache jede Wette, dass ein mündlicher Test – wenn überhaupt – das einzige Qualifikationskriterium sein wird, dass diese so genannten Experten vom Rest der Welt trennt. Sprich: Gesucht werden Leute mit Hang zur Selbstdarstellung und zum Exhibitionsismus. Mit der Abbildung einer möglichen „Realität“ (Luhmann et al.) hat das nichts mehr zu tun.

Eigentlich müsste man nicht nur die betreffenden (namentlich bekannten) Journalisten vor den Presserat zititeren, sondern auch die entsprechenden Sendegefässe. Das ist Volksverarschung in bester Privatsendermanier.

Willkommen: Die Medien-Krise ist da

Nun ist es definitiv. Die Rezession ist da. Auch in der Zeitungsbranche. Wie heute bekannt wurde, baut die kleine Basler Zeitung abermals Stellen ab. Diesmal allerdings richtig heftig. Die Wochenendbeilage wird eingestellt, 22 Vollzeitstellen verschwinden. Das spürt eine Redaktion. Und das wird man der Zeitung ansehen.
Auch die Annabelle mauschelt sich durch die Krise und hat klammheimlich die Annabelle-Men Ausgaben fürs ganze Jahr gestrichen, selbst wenn dies bis heute offiziell noch niemand kommuniziert hat. Auch hier gehen Arbeitsplätze verloren.

In nächster Zukunft folgen ziemlich sicher: Die Mitteland-Zeitung und die TA-Media. Der Tages-Anzeiger wird seine Abbaupläne meinem Gefühl nach im Frühling bekannt geben. Die Aargauer Zeitung dürfte etwa zur selben Zeit folgen.
Die erste Zeitung die aufgeben muss, wird voraussichtlich der Bund sein. Daran führt kein Weg vorbei. Auch dieser Schritt wird im Laufe des Frühlings kommuniziert. Danach folgt .CH. Die Zeitung wird im Laufe des Jahres eingestellt. Sollte sich die Wirtschaftskrise noch verschlimmern, ist es vermutlich bereits im Sommer soweit. Auf der Kippe stehen zudem NEWS und der Blick am Abend. Wobei Ringier vermutlich zuerst aufgibt.

Puuuh.. Ich wünschte, mein Gefühl würde mich täuschen. Vor allem wenn man bedenkt, dass wir hier nur von Printredaktionen sprechen.

Oder aber, man geht mit einer gesunden Portion Selbstvertrauen in die Welt hinaus. Letzthin hat mir eine Redaktorin beim Schweizer Fernsehen erzählt, sie hätte die Kündigung eingereicht. Als ich sie fragte, warum sie ausgerechnet jetzt einen sicheren Arbeitsplatz aufgebe, meinte sie: „Ich will die Welt sehen. Und warum nicht gerade jetzt? Ich komm dann wieder, wenn’s besser aussieht“.

Ich hab die betreffende Redaktorin nie gemocht. Aber vor dieser Aktion ziehe ich meinen Hut. Und dafür, das gebe ich gerne zu, mag ich sie etwas lieber als auch schon.

Medien und Wirtschaftskrise: Eine Krise – verschiedene Stimmen

Hätte die Finanzkrise einen Pressesprecher, er wäre enttäuscht über die Interpretation seiner Zahlen. Natürlich führt kein Argument daran vorbei, dass die Weltwirtschaftskrise für viele Menschen tragische Konsequenzen hat. Trotzdem sollte dies Journalisten nicht daran hindern objektiv und sachgerecht über Zahlen und Massnahmen zu berichten.

Es fing damit an, dass ich gestern im Echo der Zeit damit konfrontiert wurde, dass in der schweizer Industrie rund 500 Jobs durch Schliessungen und Stellenabbau wegrationalisiert werden.

Heute früh im Blick waren´s dann plötzlich etwas weniger:

Kahlschlag gleich in vier Industriefirmen: 420 Stellen gehen verloren.

Und im Tages Anzeiger gleich noch einmal etwas weniger:

In der Industrie gehen 350 Stellen verloren

Die Zahlen gelten jeweils für die ganze Schweiz.

Offensichtlich ist Industrie nicht gleich Industrie.

Restrukturierung des TA: Bürde oder Chance

Seit das Medien- und Kommunikationsportal „persönlich.com“ die neusten Erkenntnisse zur Weiterentwicklung des Tages Anzeigers veröffentlicht hat, findet online wieder einmal ein gross angelegtes „ohjemine“ statt. Notabene eines, an dem wir auch noch Mitschuld tragen, obwohl dies mit dem Tages Anzeiger überhaupt nix zu tun hat. Verbrochen haben das Übel die Basler Kollegen.

Die Fragen, welche nun (schon seit einigen Tagen, siehe Schweizer Journalist) im Raum stehen, sind:

- Was wird aus dem Tages Anzeiger werden?

- Was ist der Tages Anzeiger heute?

- Und ist das alles wirklich so schlimm?

In einem interessanten und berechtigten Einwand schreibt Martin Hitz:

Ich bin eigentlich eher der Ansicht, dass der “Tagi” in letzter Zeit besser (”überraschender”) geworden ist. Jedenfalls kommt es seit einigen Monaten immer wieder vor, dass ich den einen oder anderen Text ganz lese. Geht das nur mir so?

Ich teile diese Ansicht. Durch und durch. Peter Hartmeier hat 2008 einen glänzenden Job geleistet. Der Tages Anzeiger ist wieder lesbar, interessant und relevant geworden. Und das betrifft nicht nur den TA. Ich finde, die ganze (sagen wir: ein Grossteil der) Schweizer Medienszene hat 2008 qualitativ an Substanz zugesetzt. Namentlich etwa die Berner Zeitung, die Südostschweiz und der Sonntag. Und vor dieser Leistung ziehe ich den Hut.

Zur zweiten Frage: Was wird aus dem Tages Anzeiger werden. Auch hier möchte ich auf eine von Hitz´s Aussagen zurück kommen:

Was die Totalvertrashung angeht: Wenn die Klickraten nur *ein* Indikator unter vielen sind, muss das so schlimm ja auch wieder nicht herauskommen. Im Print können die “geilen” Newsnetz-Stories durch Eigenrecherchen, Hintergründiges und/oder Analysen vertieft (so es denn etwas zu vertiefen gibt) und “veredelt” werden. Es arbeiten ja nicht nur Deppen beim “Tages-Anzeiger”.

Auch diese Erkenntnis ist völlig richtig und wird bereits heute Versuchsweise praktiziert. Kein Verlag kann so blöd sein und einige der versiertesten schweizer Journalisten (Büttner, Seibt u.a.) mit einem neuen Konzept „entmachten“. Es kann durchaus sein, dass man durch die Verschlankung den Mantelteil noch etwas besser um diese Schlüsselfiguren positionieren kann. Man entschlackt die Strukturen, baut dadurch etwas an Volumen ab und macht den Tages Anzeiger dynamischer.

Die letzte Frage wäre: Klingt dies denn alles so schlimm?

Nein. Tut es nicht. Das einzig wirklich einschneidende Grossereignis in diesem Jahr dürfte die Fusion von Bund und TA sein. Im Vergleich dazu haben die anderen Redaktionen ein gutes Leben. Eine Veränderung, wie im Falle des Tages Anzeigers, ist wohl eher als Herausforderung denn als Strafe anzusehen und, nicht zu vergessen, solche Anpassungen kommen im Mediengeschäft immer wieder. Wer dies von Anfang an als Negativereignis sieht, hat verloren und sollte nach Nordkorea auswandern. Dies ist eines der wenigen Ländern, in denen es für Veränderungen auf Redaktionen keinen Grund gibt.